Eckpunktevereinbarung Volkswagen-Konzern treibt Porsche-Börsengang voran

Quelle: dpa

Über einen möglichen Börsengang der Porsche AG wird schon länger spekuliert. Nun soll es soweit sein: Laut einer Mitteilung befindet sich Wolfsburg in Gesprächen mit der Porsche Automobil Holding.

Nach Bekanntwerden der Mitteilung legten die Volkswagen-Vorzugsaktien um 8,5 Prozent zu.
Nach Bekanntwerden der Mitteilung legten die Volkswagen-Vorzugsaktien um 8,5 Prozent zu.
(Bild: Porsche AG / Marco Prosch)

Jetzt liegen die ersten Karten auf dem Tisch: Auf der Suche nach zusätzlichen Milliarden für den Ausbau der Elektromobilität und Vernetzung nimmt Volkswagen jetzt einen Börsengang seiner Renditeperle Porsche konkret in den Blick. Seit Jahren ist die Sport- und Geländewagenmarke aus Stuttgart eine zentrale „Cash Cow“ in Europas größter Autogruppe. Ob Anteile der Porsche AG wirklich für den öffentlichen Handel am Finanzmarkt freigegeben werden, hatten Eigentümer und Management bisher aber im Vagen gelassen.

Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess soll schon länger mehrere Optionen sondieren, um Extra-Kapital für Investitionen in die Kasse zu bekommen. Bereits heute ist eine hohe zweistellige Milliardensumme für die nächsten fünf Jahre verplant, wenn man allein die Projekte für E-Autos, Software und Digitalplattformen berücksichtigt. Im Dezember kündigte Diess an: „Wir werden Wolfsburg in zehn Jahren nicht mehr wiedererkennen. Mit den Veränderungen wird Wolfsburg zur Blaupause der Transformation.“

Dahindümpeln im Mittelfeld

Sollten Porsche-AG-Aktien aufs Parkett kommen, könnte dies neben der eigenen Finanzkraft den Börsenwert der Volkswagen AG steigern. Im Vergleich zum US-Rivalen Tesla dümpelten die deutschen Branchenschwergewichte bei der Marktkapitalisierung zuletzt eher im internationalen Mittelfeld vor sich hin.

Um das zu ändern, würde die lukrative Tochter eine wichtige Rolle spielen. In der Porsche AG ist das operative Geschäft mit Modellen wie dem 911er, Cayenne und dem Elektroboliden Taycan gebündelt. Sie ist nicht zu verwechseln mit der Holding Porsche SE (PSE), die vor allem die Anteile der Eigentümerfamilien am Volkswagen-Konzern verwaltet. Eine wichtige Klammer zwischen beiden Seiten bildet VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch, der mit dem Porsche/Piëch-Clan eng vernetzt ist und auch der PSE vorsteht.

Letzte Entscheidung ist noch offen

Beide Unternehmen teilten am Dienstag nun mit, es liefen „fortgeschrittene Gespräche“ über einen möglichen Börsengang der Porsche AG. VW und die Porsche SE hätten eine Eckpunktevereinbarung dazu verhandelt – als Basis für weitere Schritte. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen.

Investoren machen immer wieder Druck für eine Verselbstständigung von Porsche, weil der Wert der Marke unter dem Konzerndach nicht genügend zur Geltung komme. Die offizielle Bekanntgabe der Beratungen ließ die Kurse der bestehenden Aktien am Dienstag deutlich ansteigen – die im Dax enthaltenen Volkswagen-Vorzüge notierten knapp zehn Prozent im Plus, die von PSE fast 14 Prozent.

Schon vor einem Jahr hatten sich Gerüchte um einen Porsche-Börsengang verdichtet und mit für den damaligen Höhenflug der VW-Papiere gesorgt. In den Monaten danach ging es jedoch wieder abwärts.

Das Zentrum der Macht

PSE ist das institutionelle Machtzentrum im Wolfsburg-Stuttgarter Geflecht. Sie wird direkt von den Porsches und Piëchs kontrolliert – und der aktuelle Generationswechsel könnte noch viel Bewegung in die strategische Ausrichtung bringen. Zurzeit besitzt die Holding gut 53 Prozent der Stimmrechte am VW-Konzern. Die Porsche AG hatte sich mit dem viel größeren Autobauer Volkswagen 2008 einen Übernahmekampf geliefert, am Ende drehten die Niedersachsen den Spieß um und schluckten ihrerseits den Angreifer aus dem Südwesten. Dafür hatten die beiden Familien im Gegenzug die Mehrheit an dem damals neu geschmiedeten Autoriesen bekommen.

Mit seinen beiden Oberklassetöchtern Audi und Porsche fährt der VW-Konzern die größten Gewinne ein. Insbesondere Porsche glänzt dabei mit hohen Renditen, was Aktien auch für bisher Außenstehende interessant machen könnte. So rechnen es sich zumindest die großen Profi-Investoren aus. Die Analyse geht so: Wird Porsche an der Börse einzeln bewertet, könnte der Wert des Autobauers aus Stuttgart-Zuffenhausen freier zur Entfaltung kommen und auch den VW-Aktien selbst einen Schub geben.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

(ID:48026485)