Eckpunktevereinbarung

Volkswagen-Konzern treibt Porsche-Börsengang voran

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Letzteres wäre ebenso im Interesse von Diess, der Volkswagen gern in die Nähe von Börsen-Stars wie Tesla katapultiert sehen würde. Beim großen Wettbewerber aus den USA schienen die Erwartungen aus Sicht mancher Beobachter teils aber schon etwas überzogen, im Herbst war Tesla über eine Billion US-Dollar wert gewesen.

Von derartigen Dimensionen wäre eine abgespaltene Porsche AG inklusive VW wohl noch weit entfernt. Experten der US-Investmentbank Jefferies etwa taxierten den Wert eines eigenständigen Porsche-Geschäfts aber in einer aktuellen Studie auf 60 bis 90 Milliarden Euro. Selbst einschließlich des starken Anstiegs nach der VW-Mitteilung kommt der Gesamtkonzern derzeit nur auf rund 115 Milliarden Euro.

Beweglicher und profitabler werden

Die Schaffung finanzmarktnotierter Ableger großer Konzerne ist im Trend. So trennte der VW-Konkurrent Daimler gerade sein Geschäft mit Lastwagen und Bussen von der Pkw-Sparte ab. Die Logik: Separat betrachtet sind beide Einheiten beweglicher und am Ende profitabler, wobei die schweren Nutzfahrzeuge schon jetzt Weltmarkführer sind und VW ihnen mit seiner eigenen Nutzfahrzeug-Holding Traton Anteile abjagen will. Eine ähnliche Ausgliederung gab es 2015/2016 auch im Fiat-Chrysler-Konzern, als dieser die Luxusmarke Ferrari in zwei Schritten an die Börse brachte.

Selbst im vergangenen Jahr, das von der Halbleiterkrise belastet war, konnte Porsche die globalen Auslieferungen um elf Prozent auf rund 302.000 Autos steigern. Dieses Jahr peilt Vertriebschef Detlev von Platen einen weiteren Zuwachs an. Im Gegensatz dazu gingen die Verkäufe der Kernmarke VW Pkw um acht Prozent zurück.

Die Eigentümerfamilien könnten mit einem Porsche-Börsengang wieder mehr direkten Zugriff auf den Autobauer mit ihrem Namen bekommen. In der Diskussion soll auch eine Sperrminorität sein. Am Dienstag erklärte PSE sogleich, im Fall eines Börsengangs auch Stammaktien der Porsche AG erwerben zu können.

Laut dem „Manager Magazin“ steht im Raum, die Hälfte des Kapitals als Stammaktien und die andere Hälfte als Vorzugsaktien auszugeben und insgesamt rund ein Viertel der Anteile am Markt zu platzieren. Von den stimmberechtigten Stammaktien würde dem Bericht zufolge PSE einen Anteil von 25 Prozent plus einer Aktie bekommen – gegen die Zustimmung der Familien würde bei der Porsche AG dann nichts gehen.

Niedersachsen verweist auf vorbehaltliche Prüfungen

Wie sich ein solcher Schritt auf die gesamte Machtbalance auswirken würde, wird sich erst noch zeigen müssen. Sollte sich bei den PSE-Anteilen etwas verschieben, könnte sich beispielsweise auch der Anteil Niedersachsens – des zweitgrößten VW-Aktionärs – ändern.

Das Heimatbundesland hat über das VW-Gesetz weitreichende Sonderrechte, hielt sich zu den aktuellen Börsenüberlegungen aber zunächst betont bedeckt. Zu Aufsichtsrats-Interna wolle man sich nicht äußern, teilte die Staatskanzlei in Hannover mit. „Die Durchführung einer solchen Transaktion steht unter dem Vorbehalt weiterer Prüfungen sowie einer finalen Zustimmung der Gremien.“

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