Fahrbericht Volkswagen legt Exportschlager Jetta neu auf

Autor / Redakteur: Alexandra Felts/SP-X / Michael Ziegler

Die Stufenheckvariante des Golf ist in Deutschland nicht unbedingt ein Bestseller – weltweit dagegen schon. Ein Facelift soll jetzt dafür sorgen, dass dies so bleibt.

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Traditionell hat man in den Vereinigten Staaten immer eine große Zuneigung für das in Deutschland lange ungeliebte Stufenheck gehabt. Hier ist der Jetta zusammen mit dem Passat ein Topseller von Volkswagen.
Traditionell hat man in den Vereinigten Staaten immer eine große Zuneigung für das in Deutschland lange ungeliebte Stufenheck gehabt. Hier ist der Jetta zusammen mit dem Passat ein Topseller von Volkswagen.
(Foto: VW)

Propheten gelten im eigenen Land nicht viel. Ein alter Spruch, der sich manchmal auch auf Automobile anwenden lässt, denn Volkswagens Stufenhecklimousine Jetta hat zum Beispiel 2013 in Deutschland gerade einmal 2.500 Interessenten gefunden, in West-Europa schon rund 11.000. Dagegen wurden im Rest der Welt letztes Jahr 925.000 Stück verkauft – vor allem in China, wo der Jetta als Sagitar Bestmarken erreicht. Dass sich bei den Bonsai-Zahlen im heimischen Markt trotzdem der Vertrieb rentiert, liegt an der traditionell starken Nachfrage nach Stufenhecklimousinen in Südeuropa und der Türkei. Da lassen sich von der Produktionsstätte im mexikanischen Puebla durchaus einige Modelle für Deutschland abzweigen. Aktuell wird dort für die USA und Europa die sechste Generation des Jetta gebaut, die jetzt noch einmal in Optik und Ausstattung aufgefrischt wurde. Ab Anfang September kann der Facelift bestellt werden. Bei den Händlern steht er dann Mitte Oktober zu Preisen ab 21.725 Euro.

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Traditionell hat man in den Vereinigten Staaten immer eine große Zuneigung für das in Deutschland lange ungeliebte Stufenheck gehabt. Hier ist der Jetta zusammen mit dem Passat ein Topseller von Volkswagen. Allein 37 Prozent der VW-Verkäufe im Juli 2014 wurden für den Jetta verbucht. Ein positives Zeichen für den Konzern, der nach fetten Jahren in den USA seit einigen Quartalen weniger verkauft. Im ersten Halbjahr ist der Absatz wieder um 13 Prozent eingeknickt. Zumal die Konkurrenz in diesem Segment auch nicht schläft und beispielsweise wie Mercedes-Benz mit der kompakten Limousine CLA oder Schwestermarke Audi mit der A3-Limousine inzwischen Stufenheckvarianten wie maßgeschneidert für die USA anbieten.

Das Facelift liegt im Detail

Wie bei den meisten Facelifts üblich, muss man auch beim Jetta genauer hinsehen, um die Auffrischungen am Außendesign zu entdecken. Die Designer haben an Front- und Heckpartie nachbessert, neu ist ebenfalls die automatisch öffnende und schließende Kühlerjalousie, neue Reifen mit reduziertem Rollwiderstand sowie ein optimierter Unterboden – Maßnahmen, die insgesamt den Luftwiderstand der Limousine um zehn Prozent verbessert haben. Ebenfalls neu ist auch der Kühlergrill mit drei Querstreben. Käufer können ihrem verjüngten Jetta jetzt auch Bi-Xenon-Scheinwerfer und LED-Taglichter gönnen.

Neben den 1.2- und 1.4-Aggregaten, die für den Jetta auch in Deutschland erhältlich sein werden, debütiert im Stufenheck-Golf ein Zweiliter-Diesel in zwei Ausbaustufen mit 81 kW/110 PS und als Topmodell mit 110 kW/150 PS, für das auch ein Doppelkupplungsgetriebe geordert werden kann. Dieser TDI, der den früheren 140-PS-Motor ersetzt, ist auch das erste in den USA eingesetzte Triebwerk aus dem modularen Dieselbaukasten (MDB) Wolfsburgs. Für die beiden effizienten Clean-Diesel-Vierzylinder gibt das Unternehmen die Verbräuche mit 4,0 beziehungsweise 4,2 Liter an. Abgerundet wird das neue Jetta-Gefühl mit einer Reihe von Fahrerassistenzsystemen wie Totwinkelwarner oder Antikollisionsassistent.

Mehr Diesel für Nordamerika

Warum man auch in Nordamerika immer mehr auf den Selbstzünder-Geschmack gekommen ist (vier von fünf in den USA zugelassenen Dieselfahrzeugen stammen aus dem VW-Konzern), lies sich bei ersten Ausflügen mit dem neuen 2.0 TDI-Jetta im Bundesstaat Virginia belegen. Was für Europäer längst eine Selbstverständlichkeit ist: nicht nur leise wie ein Benziner, aber bei aller Sparsamkeit eben durchzugsstark mit einem Drehmoment von 320 Nm. In den Vereinigten Staaten schätzt man zwar das Wissen, dass „German Engineering“ auf die „German Autobahn“ ausgelegt ist, aber beim meist streng bewachten Tempolimit, lassen sich die Grenzen der Querbeschleunigung oder des Lastwechsels nur schwer ausloten.

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Nicht weit von Middleburg im Bundesstaat Virginia liegt auch das Hauptquartier von Volkswagen of America. Es ist ein Ausschnitt der USA, den viele Touristen nicht kennen. Nur etwa eine Autostunde südlich der Hauptstadt Washington, DC, sind hier große Anwesen im Kolonialstil, eingebettet in eine üppig grüne, sanfte Hügellandschaft, die von Pferdekoppeln durchzogen ist. Wer hier lebt, hat meist einen lukrativen politischen Job. Die kleinen Orte sind wie aus dem amerikanischen Bilderbuch mit traditionellen Coffee Shops und kleinen Läden. Der Jetta hätte vielleicht Mühe, einen Pferdeanhänger samt einer lebendigen PS zu ziehen, dafür kann es sein aufgewertetes Interieur mit der gelassenen Bürgerlichkeit des Umfelds durchaus aufnehmen. Viel Chrom und Pianolack, Ambientebeleuchtung, neue Instrumente und ein zentrales Display sowie ein ebenfalls neu gestaltetes Steuer (optional als Multifunktionslenkrad) wurden aus dem Golf VII exportiert. An die eher ungeliebten Golf-Stufenhecks, die einst in Deutschland unter den Namen Vento und Bora ein Schattendasein fristeten, erinnert nichts mehr. In den USA, so die Konzernstrategie, soll der Liebling Jetta auch nicht als Ableger des Golf fungieren, sondern als eigenständiges Modell wahrgenommen werden.

Neu ist auch, daß der Jetta in Deutschland ähnlich wie der Viertürer CC oder der SUV Touareg statt der drei bekannten Ausstattungslinien Trendline, Comfortline und Highline jetzt mit einer – „Jetta“ – auskommt. Wer das 150-PS-Modell bestellt und seinen Jetta noch mit Assistenzsystemen, Audiosystem und Leder bestückt, landet bei gut 30.000 Euro. Mit der nächsten Jetta-Generation dürfte es übrigens auch wieder eine Vollhybrid-Version geben sowie natürlich den SportWagen, der in Deutschland als Kombi firmiert. Worauf alle Jetta-Kunden allerdings noch warten müssen, ist ein USB-Port.

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