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Personalien Volkswagens Nutzfahrzeugsparten: Renschler, Drees und Sedran werden abgelöst

| Autor / Redakteur: dpa / Christian Otto

Paukenschlag bei Volkswagen: Der Konzern räumt an den Spitzen seiner Nutzfahrzeugsparten auf. Die Chefs von Traton, MAN und VW-Nutzfahrzeuge werden durch andere Manager ersetzt.

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Traton-Chef Andreas Renschler und weitere Kollegen an den Spitzen der Nutfahrzeugsparten des Volkswagenkonzerns müssen gehen.
Traton-Chef Andreas Renschler und weitere Kollegen an den Spitzen der Nutfahrzeugsparten des Volkswagenkonzerns müssen gehen.
(Bild: Volkswagen)

Im VW-Konzern bringt ein großangelegter Personalwechsel neue Topmanager an die Spitze der Nutzfahrzeugsparte. Die auf den ersten Blick prominentesten Verlierer: Andreas Renschler, Chef des börsennotierten Lkw- und Busgeschäfts von Traton, und Joachim Drees, Vorstandsvorsitzender der Münchner Tochter MAN. Beide sollen in der kommenden Woche abtreten. Wie Volkswagen und mehrere Marken der Gruppe am Dienstagabend (7. Juli) ankündigten, sind mit den Entscheidungen weitere Ämtertausche und -erweiterungen verbunden.

So wird Matthias Gründler neuer Vorstandschef von Traton – er war bis zum Mai 2018 schon einmal im Unternehmen, zuletzt als Finanzchef. Und: MAN wird künftig vom bisherigen VW-Kernmarken-Produktionsvorstand Andreas Tostmann geführt, der damit auch im Traton-Vorstand sitzt. MAN-Personalchef Carsten Intra soll zudem die leichten VW-Nutzfahrzeuge (VWN) in Hannover leiten. Konzernpersonalvorstand Gunnar Kilian verantwortet anstelle von Renschler zusätzlich Traton im Wolfsburger Vorstand der Gesamtgruppe – hier hatte der bisherige Traton-Chef ebenfalls eine eigene Position.

Interne Querelen bei Traton und MAN

Von langer Hand geplante und an zahlreichen Strippen gezogene Personalrochaden sind im größten Autokonzern der Welt nichts Ungewöhnliches. So hatte es etwa auch bei der Neuausrichtung der Pkw-Marken etliche Veränderungen gegeben. Dass speziell Renschlers Abgang nun innerhalb einer Woche nach der offiziellen Verkündung über die Bühne gehen soll, gilt aber als relativ überraschend. Bereits zum 15. Juli soll der frühere Daimler-Manager seinen Platz räumen. VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch spricht zum Abschied zwar in den höchsten Tönen von Renschler. Dieser habe, speziell mit Blick auf den Börsengang, „maßgeblichen Anteil am erfolgreichen Kurs, den Traton eingeschlagen hat“. Er gehe – wie Drees vom MAN-Vorsitz – „im besten gegenseitigen Einvernehmen“, betont der Konzern.

Hinter solchen Formulierungen kann sich freilich auch der Nachhall harter Auseinandersetzungen und Revierkämpfe verbergen. Es hatte schon Berichte über Reibereien an der Traton-Spitze gegeben. Demnach soll Renschler eine zentralere Aufstellung der Entwicklung angestrebt haben – auf Kosten der einzelnen Marken. Auch im Verhältnis zwischen Management und Mitarbeitervertretung gab es Misstöne: Anfang April dementierte der Traton-Betriebsrat Aussagen Renschlers über Gespräche zu einer „fundamentalen Neuausrichtung“ des Lkw-Herstellers. So soll es zuletzt relativ einsam um den Traton-Lenker geworden sein.

Laut „Handelsblatt“ sei der Auslöser dieser umfangreichen Personalrochade wohl vor allem der Umbau der Tochter MAN gewesen. Dieser hätte auch den Abbau von einigen tausend Arbeitsplätzen nach sich gezogen. Renschler wollte mit der Umstrukturierung die Münchener Traditionsmarke wieder auf Augenhöhe mit der Konkurrenz bringen. Doch die Pläne sorgten laut dem Bericht intern für große Unruhe und wurden blockiert, was zu einer massiven Auseinandersetzung mit dem Betriebsrat geführt habe. Auch der bisherige MAN-Chef Drees soll laut Handelsblatt von dem Konflikt betroffen gewesen sein und hatte sich laut VW-Kreisen nicht gegen den Betriebsrat durchsetzen können.

Neuer MAN-Chef zuvor kritisiert

Traton umfasst in der VW-Gruppe die schweren Nutzfahrzeuge. Dazu gehören die Marke MAN, das gesonderte MAN-Geschäft in Südamerika und der schwedische Hersteller Scania. Entwickler der Töchter achten oft genau darauf, dass man ihnen nicht zu viele Kompetenzen entzieht. In der Branche verschlingen Forschungen an neuen Antrieben viel Geld, ebenso Baukästen für eine schlankere, einheitlichere Produktion. Schon vor der Viruskrise wurde vielerorts ein Sparkurs gefahren.

Mit Gründler komme nun „einer der erfahrensten Kenner der Branche“, erklärte Pötsch. Nach dessen zwischenzeitlichem Ausscheiden vor rund zwei Jahren war für viele Beobachter indes unklar, warum Gründler gegangen war – oder ob Probleme im Führungszirkel hineinspielten.

Die Ablösung von Drees durch Tostmann an der MAN-Spitze ist ebenfalls eine gewichtige Personalie. An Tostmann hatte es teils Kritik unter Belegschaftsvertretern in Wolfsburg gegeben. Die Anforderungen an Schichtpläne während der Corona-Auszeit und besonders die Probleme beim Golf 8 gingen am ganzen Management nicht spurlos vorbei. VW-Chef Herbert Diess konzentriert sich – nach heftigem Knatsch mit Aufsichts- und Betriebsräten – fortan auf die Gesamtführung, bei der Hauptmarke VW Pkw übernimmt Co-Geschäftsführer Ralf Brandstätter die Zügel.

Sedran muss bei VW Nutzfahrzeuge gehen

Bei VWN, wo der Transporter, Crafter oder Caddy entstehen, beerbt MAN-Personal- und -IT-Chef Carsten Intra Markenchef Thomas Sedran. Dieser baute dort die Zusammenarbeit mit dem US-Konkurrenten Ford auf – die Partner planen unter anderem E-Fahrzeuge und einen Nachfolger für den Pick-up Amarok. Für Sedran kommt die Demission laut Handelsblatt eher überraschend, schien sein eingeschlagener Weg ja erfolgreich zu sein. Er wird laut des Berichts Volkswagen auch nicht mit sofortiger Wirkung verlassen, sondern Personalvorstand Kilian bei seiner zusätzlichen Aufgabe beraten. Scania-Chef Henrik Henriksson bleibt im Amt.

Das Nutzfahrzeuggeschäft steht derzeit unter schwierigen Vorzeichen. Im Jahr 2019 hatten die Lkw-Töchter von VW zwar noch ihr Geschäft ausbauen können, sowohl MAN als auch Scania steigerten Umsatz und Rendite. Doch die Corona-Krise drückt nun auch hier massiv auf die Verkäufe. Es gab zudem Produktionsunterbrechungen, und der konjunkturelle Einbruch trifft die Nutzfahrzeughersteller traditionell hart.

In den USA, wo bisher Daimler die Nase vorn hat, will sich Traton mit dem Truckhersteller Navistar verstärken. Dieser schrieb im zweiten Geschäftsquartal jedoch rote Zahlen. Renschler hatte für die restlichen Navistar-Anteile 2,9 Milliarden Dollar gezahlt – 2016 war die VW-Konzernsparte eingestiegen, um in Nordamerika einen Fuß in die Tür zu bekommen. In Japan arbeitet Traton mit Hino Motors zusammen.

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