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Powertrain Volvo: Strom statt Diesel

| Autor / Redakteur: Holger Holzer/SP-X, Andreas Grimm / Thomas Günnel

Volvo will keine neuen Dieselmotoren mehr entwickeln. Stattdessen setzt der schwedische Automobilhersteller auf die Elektrifizierung seiner Modellpallette.

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Volvo will keine neuen Dieselmotoren mehr entwickeln – und setzt stattdessen auf die Elektrifizierung seiner Flotte.
Volvo will keine neuen Dieselmotoren mehr entwickeln – und setzt stattdessen auf die Elektrifizierung seiner Flotte.
(Bild: Volvo)

Der Dieselmotor hat bei Volvo keine Zukunft mehr. Als erster namhafter Hersteller haben die Schweden offen das Ende der Technik in Aussicht gestellt. „Aus heutiger Sicht werden wir keine neue Generation Dieselmotoren entwickeln“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ Vorstandschef Hakan Samuelsson. Die aktuelle Dieselgeneration, eingeführt im Jahr 2013, soll noch an die kommenden verschärften Abgasnormen angepasst werden, ein Nachfolgemotor wird jedoch nicht mehr konstruiert. Hintergrund ist der steigende finanzielle und technische Aufwand, um die Schadstoffgrenzwerte zu erreichen, vor allem beim Stickoxidausstoß.

Bis die Entscheidung allerdings in den Bestelllisten sichtbar ist, wird noch einige Zeit vergehen. Das aktuelle Dieselaggregat führte Volvo erst im Jahr 2013 ein. Diesen Dieselmotor werde der Automobilhersteller weiterentwickeln und an die weiter verschärften Abgasgrenzwerte anpassen, sagte Samuelsson. Danach werde jedoch der finanzielle Aufwand für eine Neukonstruktion zu hoch, zitierte ihn die Zeitung. Auf einen Zeitpunkt, wann der Diesel aus dem Volvo-Programm fliegt, wollte sich der Volvo-Chef nicht festlegen. Üblicherweise liegt die Lebensdauer einer Motorengeneration bei gut einem Jahrzehnt. Das würde ein Diesel-Aus für etwa 2023 nahelegen – auch ungefähr der Zeitpunkt, für den die Einführung der neuen Abgasnorm Euro 7 erwartet wird, die mit Dieselmotoren wohl kaum mehr wirtschaftlich zu erfüllen sein wird. Bis dahin kann auf den effizienten Selbstzünder allerdings nur schwer verzichtet werden; ohne seinen geringen Verbrauch lassen sich die ab 2020 geltenden strengen CO2-Grenzwerte der EU kaum erreichen.

Speziell in den Jahren bis 2020 sei die Diesel-Technik noch unverzichtbar, um den von der EU geforderten Grenzwert von 95 Gramm Kohlenstoffdioxid je Kilometer im Flottendurchschnitt zu schaffen. In den Jahren danach würden weitere Verschärfungen oder die Beachtung anderer Schadstoffe die Nachbehandlung der Abgase so stark verteuern, dass sich die Dieselabgasreinigung selbst in größeren und profitableren Fahrzeugen nicht mehr lohnen werde. Was dies für den deutschen Markt und den Handel hierzulande bedeutet, sagte Samuelsson noch nicht. Volvo verkauft hierzulande gut 40.000 Autos im Jahr – vorwiegend mit Dieselmotor. Wie lange die bestehende Generation im Programm bleiben kann, wollte er nicht sagen. In Kürze ergänzt allerdings ein weiterer Diesel-Dreizylinder das Motorenangebot – eine Dreizylinder-Benzinvariante startet Ende des Jahres im neuen Kompakt-SUV XC40.

Dass sich Volvo von Motorentraditionen lösen kann, hatte der Hersteller vor vier Jahren bewiesen, als er alle größeren Motoren aus dem Programm warf und sich nur noch auf Vierzylindermotoren beschränkten. Geschadet hat es dem Absatz bislang nicht.

Erste Elektrofahrzeuge ab 2019

Der Ausweg aus dem Diesel-Dilemma ist auch für Volvo die Elektrifizierung. Ein erstes rein elektrisches Auto will Volvo dabei im Jahr 2019 auf den Markt bringen, mutmaßlich ein Oberklasse-Modell, das in China entsteht. „Man muss schon anerkennen, dass es Tesla geschafft hat, ein solches Auto anzubieten, für das die Menschen Schlange stehen. In dem Bereich sollte für uns auch Platz sein, mit hoher Qualität und attraktivem Design“, sagte Samuelsson der „FAZ“.

Außerdem sind weitere Plug-in-Hybridautos und erstmals auch 48-Volt-Hybride geplant. Bis zum Jahr 2025 sollen weltweit eine Million elektrifizierte Volvo Modelle auf den Straßen sein – vollelektrische Fahrzeuge sowie Hybridfahrzeuge. Das Unternehmen entwickelt unter anderem auch ein vollelektrisch betriebenes Fahrzeug auf Basis seiner skalierbaren Produkt-Architektur für größere Modelle und plant künftig in jeder Baureihe ein Modell mit Plug-in-Hybridantrieb.

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