Elektromobilität

VW Sachsen: Werk Zwickau fertigt ausschließlich E-Fahrzeuge

| Autor / Redakteur: Thomas Günnel / Sven Prawitz

Luftaufnahme des Volkswagen-Werkes Zwickau. Hier entstehen ab dem Jahr 2020 ausschließlich Elektrofahrzeuge für die Marken Volkswagen, Audi und Seat.
Luftaufnahme des Volkswagen-Werkes Zwickau. Hier entstehen ab dem Jahr 2020 ausschließlich Elektrofahrzeuge für die Marken Volkswagen, Audi und Seat. (Bild: Volkswagen)

Das Volkswagenwerk am Standort Zwickau wird als erstes Werk im Konzern ausschließlich Elektrofahrzeuge fertigen. Start der Produktion der ID-Modelle ist im Jahr 2019 – dann noch in Mischfertigung mit dem Golf und dem Golf Variant.

„Das gibt es so in Europa noch nicht“, beschrieb Thomas Ulbrich, Vorstand E-Mobilität bei Volkswagen und Geschäftsführer von Volkswagen Sachsen, den gewaltigen Umbau, den das Volkswagen-Werk in Zwickau/Mosel gerade erlebt. Ab dem Jahr 2021 sollen hier ausschließlich Elektrofahrzeuge das Werk verlassen, sechs Modelle der Marken Volkswagen, Seat und Audi. Zwei VW-Modelle sind bekannt: der ID und der ID Crozz. Das dritte Modell sei „ein Derivat eines der beiden Modelle“, ließ Ulbrich im Gespräch in Zwickau am Donnerstag (15. November) durchblicken. Audi und Seat teilen sich die verbleibenden drei Modelle: Von Audi werden zwei Elektrofahrzeuge entstehen, von Seat eins. Bereits im kommenden Jahr beginnt im Werk aber schon die Produktion des ID – parallel zu den aktuell hier produzierten Modellen Golf und Golf Variant.

Die Umbauarbeiten in Zwickau laufen seit Sommer 2018: im Karosseriebau entstehen derzeit neue Anlagen für die auf dem MEB, dem Modularen E-Antriebs-Baukasten, basierenden Fahrzeuge. Die Umbauten unterscheiden sich deutlich von denen anderer Modellanläufe: „Das Chassis des ID ist eine vollständige Neuentwicklung“, erklärte Thomas Ulbrich. „Die neue Architektur erfordert zum Beispiel andere Verstärkungen oder eine bestimmte Material-Mischbauweise.“ Deshalb fließen rund 40 Prozent der insgesamt 1,2 Milliarden Euro Investitionen am Standort in den Karosseriebau.

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Produktionsstart im Jahr 2019

Bis alle sechs Elektro-Modelle in Zwickau entstehen, sind einige Schritte zu gehen: 20 Anlaufstufen, 1.900 Vorserien-Fahrzeuge und etwa alle sechs Monate ein neuer „Start of Production“. Der geplante Produktionsstart des ID ist für den November 2019 vorgesehen, dann wird die erste von zwei Fertigungslinien umgebaut sein. Die zweite Linie des Standortes wird bis Ende 2020 nach dem gleichen Muster umgestellt und soll noch im selben Jahr in Betrieb gehen. Die maximale Produktionskapazität steigt dann von heute 1.350 auf 1.500 Fahrzeuge pro Tag – voraussichtlich ab 2021.

Mit den neuen Modellen zieht umfangreiche Automatisierungstechnik in die Zwickauer Fertigung ein, der Automatisierungsgrad soll sich nahezu verdreifachen: 1.700 Fertigungsroboter, flächendeckende fahrerlose Transportsysteme und eine im Vergleich zum Golf um 20 Prozent höhere Produktivität sind nur drei Beispiele für die ambitionierten Ziele des Konzerns am Standort.

Umfangreiche Schulung für Mitarbeiter

Für die rund 7.700 Mitarbeiter bedeutet das: Lernen. 3.000 Mitarbeiter absolvieren das Trainingscenter E-Mobilität, in dem sie detailliert auf die neuen Produktionsanforderungen geschult werden. Etwa 3.500 Mitarbeiter erhalten eine Produktschulung, die zum Beispiel Bedienkonzepte neuer Produktionstechniken oder Vernetzungskonzepte – in Produktion und im Fahrzeug – enthält. Weitere 1.400 Mitarbeiter inklusive Führungskräften werden auf die Hochvolt-Produktion vorbereitet. „Wir führen hier die wohl größte Weiterbildungsveranstaltung im gesamten Konzern durch“, beschrieb Dirk Coers, Geschäftsführer Personal und Organisation von Volkswagen Sachsen. „In Summe wird die Zwickauer Mannschaft bis Ende des Jahres 2019 rund 13.000 Trainingstage absolvieren.“ Die Weiterbildung findet gemeinsam mit dem Volkswagen-Bildungsinstitut statt – und mit externen Partnern, etwa Audi Brüssel, Siemens, dem Fraunhofer-Institut, Fanuc oder der Westsächsischen Hochschule Zwickau. Angst um seinen Arbeitsplatz muss keiner der Mitarbeiter haben, „der Standort Zwickau ist auch mit der Produktion der Elektro-Modelle unter Erhalt der Belegschaft ausgelastet“, sagte Ulbrich.

Aber was wäre die Elektromobilität ohne das „grüne Rahmenprogramm“? Der ID soll deshalb das erste Fahrzeug sein, das „bilanziell über die gesamte Liefer- und Fertigungskette CO2-neutral entsteht“. Im Werk Zwickau wurde die externe Stromversorgung deshalb bereits im Jahr 2017 auf 100 Prozent Ökostrom umgestellt. Verbleibende Emissionen, etwa aus einem eigenen Blockheizkraftwerk sowie der gesamten Vorkette will der Konzern ab Produktionsanlauf des ID durch zertifizierte Klimaprojekte nach offiziell anerkannten Standards ausgleichen. Für die energieintensive Fertigung der Batteriezellen etwa, die aus Polen und Ungarn kommen werden, vereinbarte Volkswagen mit den Lieferanten enge Rahmenbedingungen für den Rohstoffbezug – das schließt auch den Einsatz von Strom aus erneuerbaren Energien ein.

Globale Fertigung startet im Werk Zwickau

In die Entwicklung und Fertigung sind insgesamt sechs deutsche Werke einbezogen: Zwickau, Wolfsburg, Dresden, Braunschweig, Kassel und Salzgitter. In China – in Anting, Schanghai und Foshan – entstehen derzeit zwei weitere MEB-Werke, die nur wenige Monate nach dem Pilotwerk Zwickau im Jahr 2020 die Produktion aufnehmen sollen. In Nordamerika sollen ebenfalls MEB-Fahrzeuge produziert werden, der Standort steht aber noch nicht fest, „die Entscheidung dazu sollte in etwa sechs bis acht Wochen fallen“, sagte Ulbrich. Zudem sollen weitere MEB-Standorte folgen. Bis zum Jahr 2026 will Volkswagen „zehn Millionen Fahrzeuge auf MEB-Basis auf Räder bringen“.

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