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Wirtschaft VW-Spitzelaffäre: Ermittler prüfen Verbindung zu möglichem Brandanschlag

| Autor / Redakteur: dpa / Christoph Seyerlein

Erst kürzlich hatte Volkswagen den angeblichen Maulwurf, der Gespräche über den Umgang mit dem Zulieferer Prevent mitgeschnitten haben soll, enttarnt. Nun ist die Geschichte um ein Kapitel reicher.

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Die Geschichte rund um den angeblichen VW-Spitzel ist um ein Kapitel reicher.
Die Geschichte rund um den angeblichen VW-Spitzel ist um ein Kapitel reicher.
(Bild: Volkswagen)

In der VW-Abhöraffäre zum Dauerstreit mit dem Zulieferer Prevent gehen Strafverfolger jetzt auch den Umständen eines möglichen Brandanschlags auf das Haus des mutmaßlichen konzerninternen Spitzels auf den Grund. Dies erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Braunschweig am Montag.

„Ein möglicher Zusammenhang zu dem Brandverfahren wird von uns geprüft“, hieß es mit Blick auf parallel laufende Ermittlungen zu heimlich aufgezeichneten Gesprächen über den Umgang mit dem Lieferanten. Diese soll ein leitender Volkswagen-Mitarbeiter in den Jahren 2017 und 2018 mitgeschnitten haben – der Autobauer stellte daraufhin Strafanzeige.

Gebäude in Flammen

Details zu diesem Verfahren sowie einer etwaigen Verbindung mit dem Feuer könne man noch nicht nennen, betonte die Staatsanwaltschaft. Das Online-Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ hatte zuvor über Untersuchungen rund um das mögliche Branddelikt in dem Wohnhaus des angeblich von VW Verdächtigten berichtet.

Demnach soll das Gebäude in einer kleinen Ortschaft im Mai in Flammen gestanden haben und vollständig zerstört worden sein. Welcher Art der geprüfte Zusammenhang zu dem Abhörverfahren sein könnte und ob es eventuell konkrete Hinweise auf einen Tatverdächtigen oder ein Motiv für eine entsprechende Brandstiftung gibt, blieb vorerst unklar.

Offiziell ermittelten die Braunschweiger Staatsanwälte im Fall der abgehörten Prevent-Beratungen bisher gegen unbekannt. Dem Bericht zufolge soll es sich bei dem Bewohner des abgebrannten Hauses um einen inzwischen von VW freigestellten Manager handeln.

Dauerfehde zwischen Volkswagen und Prevent

Volkswagen und Prevent liegen seit Jahren in einem erbitterten Clinch. Der von der bosnischen Unternehmerfamilie Hastor kontrollierte Autozulieferer hatte 2016 die Versorgung mit Getriebegehäusen und Sitzbezügen zwischenzeitlich ausgesetzt, was VW zu einem mehrtägigen teuren Produktionsstopp im Stammwerk Wolfsburg und an weiteren Standorten zwang.

Auslöser war ein heftiger Streit über Preise und Lieferkonditionen. In mehreren anderen Ländern gab es ähnliche Konflikte, auch mit weiteren Autobauern stritt sich Prevent.

Bei der kürzlich bekanntgewordenen Abhöraktion ging es um vertrauliches Audiomaterial aus einer VW-Arbeitsgruppe. Bevor der Konzern im März 2018 alle Verträge mit Prevent kündigte, sollen Unternehmensvertreter länger beraten haben, ob und wie der Zulieferer „ausgesteuert“ werden könnte, wie es im Branchenjargon heißt.

Mutmaßliche Maulwurf mittlerweile intern enttarnt

Der mutmaßliche Maulwurf wurde intern mittlerweile enttarnt – über seine Identität und die genauen Beweggründe sind allerdings noch keine Einzelheiten bekannt. VW will sich mit Aussagen zurückhalten, solange staatsanwaltschaftliche Ermittlungen laufen. Fest stehe aber bereits: „Volkswagen wurde Opfer einer illegalen Abhör-Attacke.“

Prevent wiederum habe keine Kenntnis von den Mitschnitten gehabt, hatte ein Sprecher der Gruppe gesagt. Man sei auch erst recht nicht an deren Erstellung beteiligt gewesen und sehe sich nun selbst geschädigt, weshalb rechtliche Schritte geprüft würden. Die Firma hatte in der Vergangenheit ihrerseits VW vorgeworfen, per Auftrag Mitarbeiter beschattet und ausspioniert zu haben.

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