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Fahrzeugvergleich

VW T6 Multivan vs. Mercedes V-Klasse

| Autor/ Redakteur: Thomas Günnel / Thomas Günnel

Er rollt und rollt – schon länger als der legendäre VW Käfer. Seit dem Jahr 1950 macht der liebevoll Bulli genannte VW-Transporter als Bus Familien mobil. Paroli bietet ihm seit zwei Jahren die Mercedes-Benz V-Klasse. Wir haben beide Fahrzeuge verglichen.

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Seit dem Jahr 1950 macht der liebevoll Bulli genannte VW-Transporter als Bus Familien mobil. Paroli bietet ihm seit zwei Jahren die Mercedes-Benz V-Klasse.
Seit dem Jahr 1950 macht der liebevoll Bulli genannte VW-Transporter als Bus Familien mobil. Paroli bietet ihm seit zwei Jahren die Mercedes-Benz V-Klasse.
( Foto: Volkswagen )

Das Design der sechsten Generation (T6), die nach zwölf Jahren im August 2015 auf den Markt kam, änderten die Wolfsburger dezent, hauptsächlich die Frontpartie mit den Scheinwerfern und die Rückleuchten am Heck charakterisieren die Designänderung. So gibt es beim schnellen Blick keine Überraschung beim Outfit, wenn nicht die optionale zweifarbige Lackierung (2.142 Euro) wäre. Jedoch ließ der Bulli in „Candy-Weiß/Kirschrot“ Passanten beim Fahrzeugstopp dennoch schon mal fragen: „Ist das der Neue?" Stark sind die Neuerungen unter dem Blech. Dazu zählen die neu entwickelte TDI-Motorengeneration, Verbesserungen des Fahrkomforts und die Vielfalt der Funktionsausstattungen. Die fortschrittliche Ausrüstung ist notwendig, weil Mercedes-Benz mit der noblen V-Klasse seit zwei Jahren dem VW Multivan Paroli bietet.

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Beliebt mit Allrad

Bei der Mercedes V-Klasse heißt es: Länge läuft. So gibt es den Großraumvan in den Versionen „Kompakt“, „Lang“ und „Extralang“ (4,895 Meter, 5,140 Meter und 5,370 Meter), die mit geringerer Höhe (rund 15 Zentimeter) und trotz mehr „Taillenumfang“ (2,4 Zentimeter) eine schlankere Figur macht, als der Multivan in der sechsten Generation. Sie tritt eher als schicke Großraumlimousine auf, statt als Van. Die bewährte nutzwertorientierte „Kastenform“ des Bulli gab den Designern einen engen Spielraum, den sie jedoch voll ausschöpften. Der außen facegeliftete T6 wirkt frisch und hat die charakteristischen Züge des allenthalben bekannten Bulli T5 auf den neuen Multivan übertragen. Bei den unveränderten Fahrzeugabmessungen (Höhe: 1,990 Meter, Breite: 1,904 Meter und zwei Längen: 4,904 Meter sowie 5,304 Meter) behielt der T6 das große Platzangebot. So verfügt der T6 Multivan 2.0 TDI mit Frontantrieb bei querliegendem Turbodiesel, trotz geringerer Außenlänge als die gut nachgefragte „Lang“-Version der V-Klasse mit Hinterradantrieb und Längsmotoreinbau, über das gleiche großzügige Platzangebot wie dieser Mercedes.

Beide Fahrzeuge erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Käufern, sei es als Freizeit- und Familienauto oder als Business-Shuttle. Das zeigt der Absatz des Jahres 2015. Zwar machen die Hersteller keine Angaben zu den Modell-Varianten, doch sind die Zahlen der Neuzulassungen insgesamt aussagekräftig. So wurden im Jahr 2015 von der Baureihe T5 und T6 in Deutschland, dem stetigen Bestseller des Segments, insgesamt rund 33.000 Fahrzeuge neu zugelassen – ein Plus von fast fünf Prozent. Weltweit wurden in dem Jahr insgesamt 171.100 Fahrzeuge ausgeliefert. Rasant ist die Entwicklung der V-Klasse bei Mercedes-Benz. Im ersten vollen Absatzjahr 2015 erreichte sie in Deutschland mehr als 17.000 Neuzulassungen und insgesamt weltweit einen Verkauf von rund 31.500 Fahrzeugen – ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 26 Prozent. Und bei der Großraumlimousine wird zunehmend der permanente Allradantrieb „4Matic“ bestellt. Rund ein Viertel aller verkauften V-Klasse Fahrzeuge wurden letztjährig mit dem seit Anfang 2015 im Angebot befindlichen Allradantrieb ausgerüstet.

Fast nur Dieselmotoren

Die Frage, welcher Verbrennungsmotor die Fahrzeuge antreibt, ist bei Mercedes-Benz eindeutig: Die V-Klasse fährt ausschließlich mit Turbodiesel. Der Basismotor mit einem Hubraum von 2,143 Liter gibt es in drei Leistungen: 100 kW/136 PS, 120 kW/163 PS und 140 kW/190 PS; die maximalen Drehmomente werden mit 330 Nm, 380 Nm und 480 Nm angegeben. Zur Kraftübertragung ist eine Sechsgang-Schaltung oder die Wandlerautomatik „7G-Tronic Plus“ wählbar. VW bietet zwar den T6 Multivan in der Ausstattungsvariante Trendline den 2,0-Liter-Benzinmotor mit 110 kW/150 PS an sowie in den höherwertigen Versionen zusätzlich die hubraumgleiche Maschine mit 150 kW/204 PS. Doch dürfte das Gros der Kunden den neu entwickelten 2,0-Liter-Turbodieselmotor wählen. Diesen Turbodiesel gibt es mit vier Leistungen: 62 kW/84 PS, 75 kW/102 PS, 110 kW/150 PS und 150 kW/204 PS; seine einzelnen maximalen Drehmomente betragen laut VW 220 Nm, 250 Nm, 340 Nm und 450 Nm. Die Dieselmotoren von VW und Mercedes-Benz erfüllen vollumfänglich die EU6-Abgasnorm. Die Aggregate arbeiten unter anderem zur Schadstoffreduktion mit einem SCR-Katalysator (Selective Catalytic Reduction). Durch ihn werden unter Einsatz einer wässrigen Harnstofflösung (etwa „AdBlue“), die Stickoxide (NOx) umgewandelt zu Wasser (H2O) und Stickstoff (N2), der mit etwa 78 Prozent ein Bestandteil der Luft ist.

Doch welcher Motor ist der richtige für den Antrieb? Abgesehen von individuellen Vorlieben ist für Fahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3.000 Kilogramm und mehr der Turbodiesel der geeignetste Antrieb. Wer die Masse berücksichtigt, relativ zügig beschleunigen will und den Dieselverbrauch im Auge hat, dürfte mit einer Leistung von 100 kW/136 PS bis 120 kW/163 PS gut bedient sein. Auch liegen die Preise im vertretbaren Rahmen, wenn die Ausstattungslinie beziehungsweise die Ausrüstungswünsche nicht himmelwärts streben. Der Vergleich des Preises von VW T6 Multivan und Mercedes-Benz V-Klasse hat seine Tücken. Wir verglichen die Basisversionen von Multivan Trendline 2.0 TDI mit 110 kW Leistung mit Doppelkupplungsgetriebe „7-Gang-DSG“ und die Mercedes-Benz V-Klasse 200 d Kompakt mit 100-kW-Diesel mit Automatik „7G-Tronic Plus“. Ausstattungsbereinigt kostet der Multivan rund 42.500 Euro der V 200 d Kompakt 46.500 Euro (1.025 Euro mehr mit 120 kW/163 PS-Diesel). Der Pferdefuß bei den Basisausstattungen sind fehlende Assistenzsysteme, Entertainment- und Navigationsanlagen und lieb gewonnene Accessoires zur Individualisierung. Als Sonderausstattungen treiben sie den Preis in die Höhe.

V-Klasse mit Alleinstellungsmerkmal

Die von uns gefahrenen Testautos sind Beleg dafür: Für Fahrvergleiche gab es von VW den T6 Multivan Generation Six 2.0l TDI (110 kW/150 PS) in Candy-Weiß/Kirschrot-Lackierung für rund 61.200 Euro. Mercedes-Benz stellte den V 250 Lang BlueTEC Avantgarde (140 kW/190 PS) bereit, der in vergleichbarer Ausstattung 67.800 Euro kostet. Mit den Motorversionen 120 kW/163 PS und 100 kW/163 PS reduziert sich der Preis auf etwa 63.500 Euro bzw. 62.500 Euro. Die Preise der vergleichbaren Fahrzeuge beinhalten jeweils Sonderausstattungen für etwa 11.000 Euro. Automatikschaltung, Lederausführung, hochwertige Navigationssysteme und Assistenzsysteme, wie adaptive Geschwindigkeitsregelungen (ACC), Spurhalte- und Totwinkelassistenten gehören dazu. Bereits zur Grundausstattung gehört im Mercedes-Benz der Seitenwindassistent – das Alleinstellungsmerkmal. Gemeinsam bieten der Mercedes V 250 d Lang und der VW T6 Multivan viel Platz für die Insassen, mit kleinem Nachteil für den Multivan. Der hat mit 657 Liter einen um 373 Liter geringeren Gepäckraum als sein fast 24 Zentimeter längerer Konkurrent im Test, darf aber mit 763 kg (einschließlich 75 kg für Fahrer etc.) gut 200 kg mehr zuladen als der Mercedes.

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Beide Fahrzeuge haben eine hohe Verarbeitungsqualität und Variabilität. Die Sitze sind gut dimensioniert und bequem, wobei die im Multivan sich leichter verschieben und drehen lassen. Mit mehr Ablagen und der Dreiersitzbank, die mit den Sitzen der zweiten Reihe schnell als Reisebett umzubauen ist, punktet der VW als Freizeit und Familienauto gegenüber dem Mercedes, der die Möglichkeit als Sonderausstattung bietet, in Serie aber zwei Einzelsitze in der dritten Reihe montiert hat. Angenehm ist das Fahren sowohl von V 250 d Lang und T6 Multivan 2.0 TDI. Das gilt mit knapp zwölf Metern Wendekreis in der Stadt, als auch außerorts. Der größte Mercedes-Pkw verhält sich im Fahrbetrieb wie eine sehr gut abgestimmte Limousine: geräuscharm, komfortabel und durch Kurven wie auf Schienen fahrend. Der Multivan vermittelt zwar nicht ganz das Gefühl einer Limousine, kommt als Bus dem jedoch sehr nah. Mit gutem Handling und der empfehlenswerten adaptiven Fahrwerksregelung DCC mit Dynamikfahrwerk (1.400 Euro) verhält er sich sehr sicher bei Kurvenfahrten, insgesamt überzeugt auch sein Federungskomfort. Wird es auf den Punkt gebracht und bleibt das Mercedes-Feeling unberücksichtigt, liegt der Unterschied der beiden Familienautos eigentlich in der Höhendifferenz der Sitze in der ersten Reihe. Um im Bulli Platz zu nehmen, geht es rund zwölf Zentimeter höher als in der V-Klasse – ein Haltegriff hilft dabei. Doch die höhere Sitzposition belohnt den Fahrer auch mit einer besseren Übersicht als im Konkurrenten.

Der Verbrauch im Vergleich

Und wie gaben sich die schwergewichtigen Pkw im Alltagsbetrieb? Der VW T6 Multivan 2.0 TDI mit 110 kW/150 PS beschleunigt in rund 13 Sekunden von null auf 100 km/h und erreicht maximal gut 180 km/h. Der Verbrauch im obligatorischen EU-Testzyklus NEFZ „kombiniert“ wird von VW mit 6,0 l/100km (155 g CO2/km) angegeben. Im Alltagsbetrieb des Tests verbrauchte er durchschnittlich mit einem Viertel Autobahnanteil je 100 Kilometer 8,4 Liter Diesel – minimal 7,2 Liter im Stadtverkehr und maximal 9,8 Liter im Autobahnbetrieb. Mit dem Leistungsplus von 30 kW schafft der Mercedes V 250 d Lang mit 140 kW/190 PS den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h in rund elf Sekunden, doch wer beschleunigt so ein Familienauto, das in der Spitze über 200 km/h schnell ist. Sein Diesel-Konsum im NEFZ „kombiniert“ beträgt laut Mercedes-Benz 6,0 l/100 km (158 g CO2/km). Im Mittel mit einem Viertel Autobahnanteil verbrauchte die Großraumlimousine mit dem Stern 8,6 l/100 km. Bei Autobahnfahrten begnügte sie sich auf 100 Kilometer durchschnittlich mit 8,6 Litern, im Stadtverkehr waren es 9,5 Liter.

Fazit: Der VW T6 Multivan und die Mercedes V-Klasse haben vergleichsweise einen hohen Preis, bieten jedoch auch einen hohen Nutzwert. Der Multivan bleibt der große Allrounder, dem aber die V-Klasse als Großraumlimousine mit Mercedes-Feeling einen starken Wettbewerb liefert.

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