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Volkswagen VW und Porsche wollen kein Feindbild sein

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Volkswagen und Porsche haben die Kritik an mangelndem Klimaschutz zurückgewiesen und benzinsparendere Autos angekündigt.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Die Automobilkonzerne Volkswagen und Porsche haben die jüngste Kritik an mangelndem Klimaschutz der Autoindustrie vehement zurückgewiesen und benzinsparendere Autos angekündigt. "Politiker kritisieren gern andere.

Für uns verbietet es sich aber meist, mit gleicher Schärfe zurückzuschießen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel". "Denn Politiker zählen zu unseren besten Kunden. Und sie fahren in der Regel nicht die verbrauchsgünstigsten Modelle." Porsche-Chef Wendelin Wiedeking sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Wir sind keine Schmutzfinken. Wer uns als Klimakiller bezeichnet, verfolgt anders motivierte Ziele. Der sucht das prominente Feindbild."

Der blaue Golf soll kommen

Winterkorn und Wiedeking betonten, dass VW und Porsche mit Hochdruck an der Reduzierung von Emissionen und Verbrauch arbeiteten. Volkswagen will den Passat auf dem Automobilsalon in Genf (8. bis 18. März) in dieser Woche erstmals als verbrauchsgünstige "Blue Motion"-Variante vorstellen.

Die Mittelklasse-Limousine soll nach Angaben des Herstellers in Wolfsburg dabei nicht mehr als fünf Liter Diesel auf 100 Kilometer verbrauchen. "Beim Passat und Polo haben wir angefangen, beim Golf werden wir weitermachen", kündigte Winterkorn für das Massenmodell des führenden europäischen Autoherstellers an. Diese Modelle "sollen mit ihrem niedrigen Verbrauch in ihrer Klasse führend sein".

Hybrid-Cayenne bis Ende des Jahrzehnts

VW-Großaktionär Porsche will bis zum Ende des Jahrzehnts einen sparsamen Cayenne mit Hybrid-Motor auf den Markt zu bringen. "Was den Benzin-Verbrauch für dieses Modell anbelangt, ist klar definiert: Wir wollen die 8 vor dem Komma, also eniger als 9 Liter Verbrauch auf 100 Kilometer. Und auch der Panamera, der 2009 auf den Markt kommen wird, wird für einen Hybrid-Antrieb ausgelegt sein", sagte Wiedeking.

Gegen einheitlichen Grenzwert von 130 Gramm CO2

Porsche erfülle weltweit alle Umweltgesetze, bekräftigte Wiedeking. "Schon im nächsten Jahr werden wir vorzeitig die erst ab September 2009 geltenden EU 5-Emissionsgrenzwerte erfüllen und damit auch gleichzeitig die EU 6-Standards, die erst am 1. September 2014 in Kraft treten." Auch beim Biosprit sei Porsche "am Puls der Zeit". "Sollte der EU-Rat im März eine Beimischungsrate von 10 Prozent als Ziel definieren, dann sind wir hier voll mit von der Partie. Die Motoren unserer Sportwagen sind dafür problemlos ausgelegt.

In dem Interview wehrte sich Wiedeking auch gegen einheitliche Grenzwerte von 130 Gramm Kohlendioxid für alle Modelle: "Diesen Wert wird Porsche, wie auch andere Oberklasse-Hersteller, niemals erreichen. Würden die 130 Gramm generell für jeden Hersteller Pflicht, könnten wir die Produktion einstellen und unsere Werkstore schließen."

Deutsche Hersteller könnten dann allenfalls Kleinwagen produzieren, warnte Wiedeking. Scharf kritisierte er auch die Grünen-Fraktionschefin Renate Künast; sie hatte dazu aufgerufen, eher umweltfreundliche Hybrid-Autos des japanischen Herstellers Toyota zu kaufen als umweltschädliche deutsche Wagen.

Ende der Oberklasse beschworen

Auch Winterkorn kritisierte dementsprechende Pläne der EU-Kommission. "Die Europäische Kommission war drauf und dran, die Zukunft einer ganzen Industrie zu gefährden." Wenn sich deren ursprüngliche Pläne durchgesetzt hätten und der Durchschnittsausstoß von Kohlendioxid ab 2012 bei 120 Gramm liegen würde, "dann gäbe es bald keine großen Autos mehr, keinen Audi A8, keine S-Klasse von Mercedes-Benz und keinen 7er von BMW".

Profitieren würden die Produzenten aus Italien und Frankreich, die fast nur noch Kleinwagen anbieten. "Da betreiben einige knallharte Industriepolitik zu Lasten Deutschlands."