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Leichtbau VW will Komponenten mit positiver CO2-Bilanz bevorzugen

| Autor: Sven Prawitz

Leichtbau hilft bei der Fahrzeugnutzung, CO2 einzusparen – verschiebt die Emissionen gleichzeitig aber in die Produktionsphase. Stephan Krinke von Volkswagen nimmt daher die Zulieferer in die Pflicht.

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Stephan Krinke, Leiter Strategie und Programme im Bereich Nachhaltigkeit der Volkswagen AG, auf dem »Automobil Industrie Leichtbau-Gipfel«.
Stephan Krinke, Leiter Strategie und Programme im Bereich Nachhaltigkeit der Volkswagen AG, auf dem »Automobil Industrie Leichtbau-Gipfel«.
(Bild: Stefan Bausewein/»Automobil Industrie«)

Lieferanten, deren Produkte die beste CO2-Bilanz haben, sind künftig die Gewinner, sagt Stephan Krinke während der Podiumsdiskussion auf dem »Leichtbau-Gipfel«. Volkswagen arbeite die Emissionen des Klimagases in den gesamten Produktlebenszyklus ein. Basis sei das Pariser Klimaabkommen und nicht die Gesetze, betonte der Leiter Strategie Nachhaltigkeit im VW-Konzern.

Bis zum Werkstor des OEMs müsse eine angelieferte Komponente eine positive CO2-Bilanz haben. „Später bekommen wir das nicht mehr kompensiert oder nur unter hohem Aufwand“, sagt Krinke. In erster Linie gelte es, so wenig Klimagase wie möglich überhaupt entstehen zu lassen. Die Reduktion von Kohlenstoffdioxid habe bei VW laut Krinke oberste Priorität. Leichtbau spiele dabei eine wichtige Rolle. „Leichtbau ist gut für die Nutzungsphase eines Fahrzeugs.“ Aber: „Er verschiebt die CO2-Emissionen in die Produktionsphase eines Autos.“

Zulieferer müssen mithelfen

Hier gelte es anzusetzen. VW alleine kann zu wenig bewirken. Der OEM habe deshalb erste Lieferanten verpflichtet, ausschließlich regenerativ erzeugten Strom zu verwenden. Laut Krinke ist das zum Beispiel bei den Batteriehersteller der Fall. „Wir sind auf die Kooperation mit den Lieferanten angewiesen“, stellt der Manager fest. Die CO2-Bilanz einzelner Komponenten und Werkstoffe müsse vergleichbar sein. „Das ist heute nicht der Fall.“ Beispielsweise weil die Zulieferer auf unterschiedlichen Annahmen aufsetzen, so Krinke.

Um feststellen zu können, in welchem Ausmaß VW handeln muss, habe man das CO2-Budget, dass dem OEM laut Pariser Klimaabkommen zustehe, mit der Anzahl verkaufter Fahrzeuge der VW-Marken dividiert. Diesen Rucksack eines jeden VW-Fahrzeug will der Konzern bis 2025 um 30 Prozent verkleinern.

Ende der Tank-to-Wheel-Betrachtung

Als größte Maßnahme nennt Krinke das neue Produktportfolio – der Konzern setzt stark auf batterieelektrische Fahrzeuge wie den ID 3 oder den ID 4. Die zum Ziel verbleibende Lücke lasse sich größtenteils über den Einsatz regenerativer Energien in den Fabriken und Standorten schließen. Was sich am Ende an Co2 nicht vermeiden lasse, solle über Kompensationen bilanziell auf Null gebracht werden.

„Der Green Deal der EU pusht die Elektromobilität“, sagt Krinke und der Klimaschutz sei ein starker Treiber für den Leichtbau in der Automobilindustrie. Und die Überarbeitung der europäischen Flottengesetzgebung zeige eine Tendenz zur Abkehr von der Tank-to-Wheel-Betrachtung, ist Krinke überzeugt. Einen Appell an die live zugeschalteten Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie setzte Krinke zum Ende der Podiumsdiskussion: „Die Politik muss schneller werden.“

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 Sven Prawitz

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Technikjournalist