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Endmontage Wächst und schrumpft

| Redakteur: Jens Meiners

Die neue Endmontage im russischen Severstal-Werk Elabuga kommt aus Deutschland, genauer gesagt aus Stuttgart: von Dürr Factory Assembly Systems (FAS). Der Fabrikausrüster zeichnet

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Die neue Endmontage im russischen Severstal-Werk Elabuga kommt aus Deutschland, genauer gesagt aus Stuttgart: von Dürr Factory Assembly Systems (FAS). Der Fabrikausrüster zeichnet als Systemlieferant einschließlich der Konzept- und Detailplanung im Rahmen eines Team-Engineerings mit Severstal-Auto und Fiat verantwortlich. Nach Angaben von Ralf Egerer, Vertriebsleiter Automotive, deckt Dürr alle Schlüsseltechniken der Endmontage mit rund 70 Prozent des Leistungsumfangs aus dem eigenen Portfolio ab.

Das Auftragsvolumen für das Severstal-Projekt belief sich auf etwa 14,5 Millionen Euro. Die Planungsphase konnte innerhalb von drei Monaten abgeschlossen werden. Installation und Inbetriebnahme der Gesamtanlage wurden in einem Zeitraum von sechs Monaten realisiert. Ausgelegt ist die neue Linie für den Fiat-Ducato-Kleintransporter. In der jetzt erfolgten Ausbaustufe können pro Stunde fünfzehn Fahrzeuge montiert und kundenfertig geprüft werden.

Alle Arbeitsprozesse finden im modularen Endmontagesystem „Fastplant“ statt – von einfachen Montagetätigkeiten über die Fahrwerkeinstellung im Gehänge bis hin zur komplexen „Hochzeit“. Zum System gehören auch die Flurfördertechnik, die Befülltechnik, die Prüftechnik sowie die Anlagen zum Wassertest und Scheibenkleben.

Severstal-Auto hat für den Aufbau des neuen Fahrzeugwerks ein Gelände mit bereits bestehenden Fertigungshallen in Elabuga erworben. „Fastplant ist von Gebäudestrukturen unabhängig – in dieser Situation ein echter Vorteil. Denn in der russischen Föderation dauert es sehr lange, bis Änderungen an Gebäuden genehmigt werden“, erläutert Egerer.

Ferner konnte Dürr nach eigenen Angaben sehr früh mit der Installation beginnen. Denn Fastplant besteht aus Modulen, weshalb das Layout, die Linienaustaktung und die Planung der Arbeitsstationen sich noch während des Aufbaus ändern lassen. Die Arbeitsinhalte in einer Station konnten relativ spät erfolgen, beziehungsweise spät ergänzt oder getauscht werden.

Da ein Fastplant-Modul einem Montageschritt entspricht und die vorinstallierten und vorgetesteten Module beliebig kombiniert werden können, ließ sich die Endmontage wie ein Puzzle zusammensetzen.

Im konkreten Fall erhielt Severstal-Auto die Möglichkeit der skalierbaren Fertigung, das heißt, klein anfangen und bei entsprechendem Bedarf mitwachsen – oder umgekehrt: Denn bei steigender Effizienz der Anlage kann die Linie auch jederzeit verkleinert werden. „Viele Prozessanpassungen, etwa Änderungen der Eintaktung oder der Anlagentechnik, die in konventionellen Anlagen planungs- und zeitaufwändig sind, lassen sich mit dem modularen Aufbau überhaupt erst rentabel ausführen“, ergänzt Egerer.

Auch um zusätzliche Fahrzeugmodelle über die Linie laufen zu lassen, sind nur geringe Umbauten notwendig.

Gerade in den neuen Automobilmärkten Osteuropas, in Russland, China und Indien sieht Dürr sehr große Marktchancen für sein Endmontagekonzept. Es sei das ideale System für SKD- und CKD-Montagelinien, die bei Bedarf zu vollwertigen Montagelinien aufgerüstet werden können.

Ein weiteres Argument für den Einsatz von Fastplant in neuen Automobilmärkten sind auch die geringeren Anforderungen an das Gebäude. Der Bauherr kann beispielsweise auf Deckenabhängungen und Fundamentgruben verzichten.

„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere vorgetesteten Module gerade im Exportgeschäft sehr planungssicher sind“, sagt Egerer: „Speziell in Russland haben die lokalen OEM großes Interesse an unserer Technologie- und Prozesskompetenz von der Planung bis zur Realisierung sowie der Fähigkeit, Projekte als Generalunternehmer abwickeln zu können.“ Um in den russischen Transplants der internationalen OEM ins Geschäft zu kommen, zahlen sich auch die langjährigen Erfahrungen von Dürr im russischen Markt sowie der lokale Lieferumfang und die Präsenz vor Ort aus.

Dürr arbeitet in Russland derzeit an acht großen Projekten und gilt damit als Marktführer. Diese Position will das Unternehmen mit der 2007 in Moskau gegründeten Tochtergesellschaft weiter ausbauen. Insbesondere mit neuen Produkten und Konzepten in der Fahrzeuglackierung und Endmontage.

Dabei wird laut Egerer in den russischen Märkten neben dem Liefergeschäft zunehmend auch die Kompetenz von Dürr in Sachen Werksplanung und -struktur nachgefragt: „Bei solchen Aufgaben zählt unser Consulting weltweit zu den leistungsfähigsten Partnern der Autoindustrie.“

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