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Interview Webasto SE: Die strategischen Eckpfeiler

Autor / Redakteur: – Das Interview führte Tina Rumpelt – / Thomas Günnel

Dr. Holger Engelmann, Vorsitzender des Vorstandes der Webasto SE, setzt auf innovative Produkte, Qualitäts- und Kostenführerschaft. Im Jahr 2012 hat der Zulieferer ein Umsatzvolumen von mehr als 2,4 Milliarden Euro realisiert und weltweit über 10.000 Mitarbeiter beschäftigt.

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Dr. Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender von Webasto: „Wir können nur als attraktiver Arbeitgeber erfolgreich sein.“
Dr. Holger Engelmann, Vorstandsvorsitzender von Webasto: „Wir können nur als attraktiver Arbeitgeber erfolgreich sein.“
(Foto: Webasto)

Herr Dr. Engelmann, Sie sind seit gut vier Monaten Vorstandsvorsitzender von Webasto. Mit welchen Zielen gehen Sie diese Aufgabe an?

Meine Hauptaufgabe besteht darin, die Weichenstellungen für eine erfolgreiche Weiterentwicklung von Webasto vorzugeben. Wir wollen – wie bisher – langfristig als Unternehmen in Familienbesitz unabhängig handeln können. Die strategischen Eckpfeiler sind: innovative Produkte sowie Qualitäts- und Kostenführerschaft. Dieser erfolgreiche Dreiklang sichert die profitable Zukunft unseres Unternehmens. Dafür brauchen wir ein topqualifiziertes Team mit den richtigen Menschen auf den richtigen Positionen. Mitarbeiter, die motiviert, engagiert und kreativ sind und die einen guten Teamgeist haben.

Das CRF-Institut hat Webasto jüngst mit dem Siegel „Top-Arbeitgeber für Ingenieure 2013“ ausgezeichnet – zum dritten Mal in Folge. Bestätigt das Ihren Kurs?

Ja, denn nur als attraktiver Arbeitgeber können wir erfolgreich sein. Motivierte Mitarbeiter haben Spaß, an hochwertigen und innovativen Produkten zu arbeiten. Sie verfolgen mit Leidenschaft und Wissensdurst Zukunftsthemen und entwickeln Lösungen für die Herausforderungen von morgen.

Die Automobilmärkte sind volatil, das Auto der Zukunft lernt gerade das Laufen, die künftige Mobilität ist noch ein buntes Ideen-Puzzle – unsichere Zeiten. Was kommt auf die Branche zu?

Grundsätzlich werden die verschiedenen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und soziodemografischen Entwicklungen auch unsere Branche nachhaltig beeinflussen. Für die Unternehmen hat das mehrere Konsequenzen: Sie müssen flexibler und schneller auf Veränderungen reagieren. Die regionale Verschiebung Richtung Asien wird weitergehen, und die Strukturen müssen daran angepasst werden. Außerdem erfordern Themen wie die CO2-Reduzierung und die Urbanisierung neue technische Lösungsansätze. Die Veränderungen werden zwar nicht so rasant sein, dass wir durch einen kompletten Marktumbruch überrascht werden können. Aber wir müssen die Themen konsequent bearbeiten. In diesem Jahr geht es vor allem darum, das Unternehmen angesichts der unsicheren weltwirtschaftlichen Situation stabil zu halten. Gerade in Westeuropa beobachten wir die Entwicklung sehr genau.

Wie will Webasto die Herausforderungen der Zukunft meistern?

Unsere Stärken sind Innovationskraft gepaart mit Unabhängigkeit. Außerdem sind wir finanziell solide aufgestellt, wozu auch eine hohe Eigenkapitalquote gehört. Damit können wir an Themen langfristiger dran bleiben und müssen selbst in schwierigeren Zeiten unsere Handlungsfreiheit nicht aufgeben.

Was sind die Kernpunkte Ihrer künftigen Globalisierungsstrategie?

Globale Kundenprojekte erfordern eine immer stärker international vernetzte Zusammenarbeit. Die konsequente Internationalisierung unserer Organisation mit global denkenden, eng vernetzten Teams in allen Bereichen, von der Entwicklung über die Produktion und den Vertrieb, sind dafür absolut notwendig. Fester Bestandteil dieser Globalisierungsstrategie ist auch, dass wir unseren Kunden weltweit die gleiche verlässliche Top-Qualität liefern. Das ist unser Anspruch, an dem wir jeden Tag an jedem Standort weltweit arbeiten.

„Internationalisierung“ der Produktion – was ist damit gemeint?

Das Ziel ist, unsere Anlagen stärker technisch zu standardisieren und flexibel einzusetzen. Mit diesem Konzept können wir schnell und kostengünstig auf Kundenanforderungen reagieren: Volumen kurzfristig hochfahren oder auch zwei Kunden mit verschiedenen Produkten auf einer Montagelinie bedienen. Diesen Ansatz implementieren wir weltweit an allen Dach-Produktionsstandorten.

Welche technologischen Entwicklungen werden die Zukunft von Webasto nachhaltig beeinflussen?

Der Schwerpunkt in der Entwicklung richtet sich auf den Leichtbau. Unsere Produkte – in den Bereichen Dach- und Thermosysteme – müssen leichter und kompakter werden: mit bestehenden beziehungsweise neuen Funktionalitäten. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass die wachsende Verkehrsdichte den Verkehr entschleunigen wird. Das wird neue Wünsche bei den Autofahrern wecken, die auch wir erfüllen können: zum Beispiel mit großflächigen, transparenten und gleichzeitig leichten Dächern, die Luft und Licht ins Auto bringen und eine helle, angenehme Atmosphäre schaffen.

Und was wird so ein Dach der Zukunft wiegen?

Bei den immer beliebteren Panoramadächern ist eine Halbierung des aktuellen Gewichts vorstellbar. Nicht gleich morgen, aber schneller, als es sich mancher heute vorstellen kann.

Was sind wichtige Technologietrends beim Thema Heizen?

Für uns ist es der Einstieg in das elektrische Heizen. Im Herbst des vergangenen Jahres haben wir mit dem Hochvoltheizer ein neues Heizsystem für Hybrid- und Elektrofahrzeuge vorgestellt. Damit können die Fahrzeuge sowohl beim Ladevorgang vorkonditioniert, als auch der Innenraum während der Fahrt beheizt werden. Die Produktion startet 2015 in unserem Werk in Neubrandenburg.

Der Weltmarkt für Cabriolets stagniert auf einem Volumen von rund 700 Millionen Euro. Was bedeutet das für Webasto, mit etwa 40 Prozent Weltmarktführer für Cabriodächer?

Also zunächst einmal: Das Cabriolet lebt! Auch wenn es in den vergangenen Jahren weltweit einen deutlichen Absatzrückgang gegeben hat, gehen wir fest davon aus, dass die Faszination des „Open-Air-Feelings“ reizvoll bleiben wird. So sehen wir gerade, dass Faltdachvarianten bei kleineren und mittleren Fahrzeugmodellen eine Renaissance erleben.

Erwarten Sie eine weitere Konsolidierung der verbliebenen Anbieter von Cabriodächern?

Wenn der Cabriomarkt sein niedriges Niveau nicht wieder verlassen kann, möchte ich das nicht ausschließen.

Wie reagiert Webasto auf diese Situation?

Die Entwicklung von Cabriodächern ist sehr komplex und erfordert immer mehr Vorleistungen, auch finanziell. Wenn dann die geplanten Stückzahlen nicht kommen, trifft uns das natürlich hart. Dessen ungeachtet ist es unser Anspruch, mit innovativen Ideen in Entwicklung und Produktion auch mit geringeren Stückzahlen profitabel zu sein. Daher konsolidieren wir im niederbayerischen Hengersberg gerade unsere Aktivitäten für Cabriodächer in einem neuen, modernen Vertriebs- und Entwicklungszentrum.

China ist der weltgrößte Automobilmarkt und ein wichtiger Wachstumsmarkt, auch für Webasto. Wie laufen dort die Geschäfte?

China ist unser größter Einzelmarkt für Schiebedächer. In keinem anderen Land sind die Ausstattungsquoten aktuell höher als im Reich der Mitte. Für die Chinesen ist ein Schiebedach ein Prestigeobjekt, ein Must-have. Wir sehen darüber hinaus den Trend, dass in China – wie auch in Europa und Nordamerika – zunehmend großflächige Panoramadächer anstelle klassischer Schiebedächer gefragt sind. Außerdem werden die Ausstattungsquoten auch in den kleineren und günstigen Fahrzeugen steigen.

Wird Webasto seine Kapazitäten in China weiter ausbauen?

Ja, wir folgen dabei unseren Kunden und fertigen mit maximalen Umkreisentfernungen von 500 bis 600 Kilometern. Aktuell investieren wir an vier Standorten in China: Wir bauen ein neues, größeres Werk am bestehenden Standort in Chongqing. Gerade eröffnet wurde unser Werk Xiangyang in Zentralchina. Zusätzlich bauen wir in Wuhan, ebenfalls in Zentralchina, sowie in Shenyang, im Nordosten des Landes. Insgesamt verfügen wir dann im Unternehmensbereich Dachsysteme über zehn chinesische Produktionsstätten.

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