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MTU-verkauf Weg ist frei

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Nach monatelangem Streit ist der Weg für den Verkauf des Dieselmotorenbauers MTU frei.

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( Archiv: Vogel Business Media )

Nach monatelangem Streit ist der Weg für den Verkauf des Dieselmotorenbauers MTU frei. Nach Informationen aus Verhandlungskreisen hat sich der Autokonzern DaimlerChrysler auch mit dem letzten Familiengesellschafter geeinigt. Offenbar hat der Familienstamm Brandenstein-Zeppelin dem Konzern seinen Anteil von 4,8 Prozent zum Kauf angeboten. Über den Preis sei Stillschweigen vereinbart worden.

Damit kann DaimlerChrysler die Beteiligung auf 100 Prozent aufstocken und MTU Friedrichshafen zügig als Ganzes an einen Investor verkaufen. An diesem Freitag werde es eine gemeinsame Erklärung der Familien und von DaimlerChrysler dazu geben, hieß es.

Der Konzern hatte sich bereits in der Vorwoche mit den Aktionären aus dem Hause Schmid-Maybach geeinigt und deren Anteil von 7,2 Prozent übernommen. Danach stieg der Druck auf Brandenstein-Zeppelin. Die Stuttgarter wollen mit dem Verkauf von MTU, das nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt wird, mindestens eine Milliarde Euro einnehmen.

Albrecht Graf von Brandenstein-Zepplin, der die Interessen des Familienstamms vertritt, habe seinen Widerstand aufgegeben, weil das ursprüngliche Verkaufskonzept der Familien gescheitert sei, hieß es. Diese hatten bereits einen Vertrag mit Finanzinvestor Carlyle unterschrieben und dabei auf weit gehende Garantien für den Fortbestand des Unternehmens gepocht.

Diese Variante hatte DaimlerChrysler durch ein Liquidationsverfahren, das die Vetorechte der Familien aushebelte, verhindert. Der Autokonzern will jetzt zügig den Verkaufsprozess neu starten und mit mindestens zwei Bietern verhandeln. Als Favorit wird der Münchner Nutzfahrzeug- und Maschinenbauer MAN gehandelt. Ebenfalls interessiert sollen die schwedische Wallenberg-Gruppe und ein Konsortium um den früheren Detroit-Diesel-Chef Roger Penske sein. DaimlerChrysler will eine Zerschlagung von MTU verhindern. Aber auch Investorengruppen könnten zum Zuge kommen, wenn sie den Fortbestand von MTU als Ganzes garantieren, hieß es in Konzernkreisen. Deshalb sei auch Carlyle nicht aus dem Rennen.

Der MTU-Betriebsrat hatte sogar Bundeskanzler Gerhard Schröder eingeschaltet, um die Zukunft des Konzerns zu sichern. MTU baut auch Motoren für die Marine und den Leopard-Panzer. Bei einem Verkauf an einen ausländischen Investor hätte die Bundesregierung ein Mitspracherecht, weil es sich um rüstungspolitische Kernkompetenzen handelt. MTU produziert mit rund 6.700 Beschäftigten, davon etwa 5.000 am Stammsitz Friedrichshafen, Motoren für Schiffe, Bahnen, Militär- und Baufahrzeuge sowie Energieversorgungsanlagen. 2004 betrug der Umsatz 1,35 Milliarden Euro.