VW, Audi, Daimler, Ford, Hella Wie der Chipmangel deutsche Autowerke trifft

Autor / Redakteur: dpa / Svenja Gelowicz

Auch der Ingolstädter Hersteller Audi leidet unter dem Mangel an Elektronikbauteilen und schickt knapp 10.000 Beschäftigte in Kurzarbeit. Welche Maßnahmen in den Werken hierzulande getroffen werden.

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Fertigung im Daimler-Werk Rastatt. Dem Hersteller fehlen Elektronikbauteile.
Fertigung im Daimler-Werk Rastatt. Dem Hersteller fehlen Elektronikbauteile.
(Bild: Daimler)

Der Mangel an Elektronik-Chips für Autos sorgt bei Herstellern und Zulieferern für wachsende Probleme. Nun schickt auch Audi in der kommenden Woche annähernd 10.000 Mitarbeiter in Ingolstadt und Neckarsulm in Kurzarbeit. Schon im Dezember hatte VW Engpässe bei den Halbleitern gemeldet, „jetzt hat es auch uns ereilt", sagte eine Audi-Sprecherin am Donnerstag (14. Januar). Volkswagen beantragte Kurzarbeit für sein Werk in Emden, Daimler für die Produktion in Bremen, und auch beim Zulieferer Hella bremst der weltweite Mangel an Mikrochips die Produktion.

Bei Audi in Neckarsulm ruht die Produktion der A4-Limousine und des A5-Cabrios ab kommendem Montag (18. Januar). In Ingolstadt stehen zwei Bänder, auf denen A4- und A5-Autos gebaut werden, ab Donnerstag nächster Woche. Geplant ist die Kurzarbeit für bis zu 10.200 Beschäftigte zunächst bis Ende Januar, so die Sprecherin.

Bei VW in Emden soll die Kurzarbeit ebenfalls am kommenden Montag beginnen und zunächst zwei Wochen dauern. Laut Betriebsrat sind rund 9.000 Beschäftigte betroffen. Das Unternehmen verwies darauf, dass an einigen Stellen die Arbeit aber regulär weiterlaufe – etwa im eigenen Presswerk oder bei der Neuausrichtung für den Bau von Elektrofahrzeugen.

Aufgrund von Lieferengpässen bei Halbleiterbauteilen und der gesunkenen Nachfrage während der Corona-Pandemie hält der Autobauer Ford die Produktion in seinem Werk in Saarlouis vom 18. Januar bis 19. Februar 2021 an. Betroffen sei die Produktion des Modells Focus, das der Standort im Saarland für alle europäischen Märkte produziere, teilte ein Sprecher des Unternehmens am Freitag mit. „Derzeit rechnen wir nicht mit weiteren vorübergehenden Produktionsstillständen in anderen europäischen Werken.“

Chiphersteller haben sich auf Unterhaltungselektronik konzentriert

Grund für die Probleme ist, dass viele Chipfirmen während des Auto-Absatzeinbruchs zu Beginn der Coronakrise im Frühjahr 2020 ihre Produktion auf Unterhaltungselektronik umgestellt hatten – im zuletzt wieder besser laufenden Autogeschäft fehlen nun Teile.

Volkswagen prüfe fortlaufend Gegenmaßnahmen, um die Auswirkungen des Lieferengpasses und damit die Zahl der betroffenen Fahrzeuge zu begrenzen, hieß es in einer Mitteilung. „Dementsprechend fährt Emden weiterhin auf Sicht.“ Laut Betriebsrat könnten durch den Produktionsausfall an zehn Arbeitstagen rund 10.000 Neuwagen weniger das Band verlassen. Was das für die Jahresproduktion bedeute und der Ausfall wieder aufgeholt werden könne, sei noch nicht absehbar.

Bereits am Mittwoch hatte der Konzern erklärt, im Stammwerk Wolfsburg die Produktion an mehreren Tagen zu drosseln. Auch Daimler hat für sein Kompaktwagenwerk in Rastatt Kurzarbeit angekündigt. Zudem kann im Werk in Bremen nicht wie geplant produziert werden. Dort ist nach Angaben des Konzerns für die erste Februarwoche Kurzarbeit beantragt. Im ungarischen Kecskemét soll die Produktion voraussichtlich Ende Januar für eineinhalb Wochen ausgesetzt werden.

Hella: Stopp-and-Go

Beim Zulieferer Hella hieß es, die hohe Nachfrage nach elektronischen Bauteilen habe in einzelnen Werken zu einer Stopp-and-Go-Produktion geführt. „Wir sehen da schon erhebliche Auswirkungen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Rolf Breidenbach am Donnerstag bei der Vorlage der Zahlen für die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2020/21. „Teilweise mussten wir unsere Linien anhalten.“

BMW ist weiter versorgt

BMW registriert nach eigenen Angaben bisher keine Ausfälle. „Die Versorgung unserer Produktionsstandorte mit elektronischen Bauteilen führte bisher zu keinen Produktionsunterbrechungen“, sagte eine Sprecherin. Man beobachte das Thema intensiv und sei im ständigen Austausch mit den Lieferanten.

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