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Antrieb Wiener Motorensymposium 2015: Das Ende der Illusionen

| Autor / Redakteur: ampnet/Jens Meiners / Thomas Günnel

Beim Wiener Motorensymposium treffen sich einmal im Jahr die führenden Motorenentwickler und Wissenschaftler, um im feudalen Ambiente der Wiener Hofburg über Trends und Technik zu diskutieren.

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Feudales Ambiente und spannende Gespräche: Beim Wiener Motorensymposium treffen sich einmal im Jahr die führenden Motorenentwickler und Wissenschaftler, um Trends und Technik zu diskutieren.
Feudales Ambiente und spannende Gespräche: Beim Wiener Motorensymposium treffen sich einmal im Jahr die führenden Motorenentwickler und Wissenschaftler, um Trends und Technik zu diskutieren.
(Foto: ÖVK/Doris Kucera)

In den Gesprächen und Vorträgen war viel zu erfahren darüber, wie wir in Zukunft fahren werden – und was möglich oder Wunschdenken ist. Auch das, was nicht gesagt wird, ist relevant. So gibt es heuer keinen einzigen Vortrag, der sich ausschließlich mit Elektroautos befasste. Und das hat seinen Grund: Die Nachfrage ist nicht nur schwach, sondern bei Privatkunden praktisch nicht existent. Das bundesdeutsche Ziel von einer Million E-Mobilen, von der Kanzlerin vollmundig ausgegeben, dürfte weit verfehlt werden. Nüchterner Realismus kehrt ein: „Wir sind noch sehr weit von der Profitabilität entfernt, und da lassen ich mal die Einfachaufwände weg", bilanzierte BMW-Entwicklungschef Klaus Fröhlich in einem der drei Schlussvorträge. „Wir machen die Autos nicht für den Regulator, sondern für den Kunden. Wir investieren in eine zukünftige Profitabilität – und da werden wir einen langen Atem brauchen.“

Renaissance des Verbrenners

Es gibt andere Lösungen, die in Wien ausgiebig diskutiert wurden. Bis in die Mittelklasse hinein treten Drei-Zylinder-Motoren auf den Plan, die relativ günstig herzustellen sind und im Vergleich zum klassischen Vierzylinder deutliche Verbrauchsvorteile bieten. Was in der Technik steckt, war zum Beispiel bei Ford zu hören: Dort wird intensiv an der Zylinderabschaltung für die kleinen Motoren gearbeitet. Und Volkswagen berichtet von einem 1,0-Liter-Dreizylinder, der mit elektrischem Kompressor und Abgas-Turbolader stolze 272 PS leistet. Der Trend ist nicht aufzuhalten: „Kleine aufgeladene Motoren bewähren sich, und sie werden mit elektrifizierten Nebenaggregaten weitgehend riemenlos“, sagte Professor Hans-Peter Lenz, der das Symposium leitete.

Turboloch elektrisch überspielen

Riesiges Potential steckt in der Elektrifizierung der Nebenaggregate und in der Mild-Hybridisierung mit Starter-Generator-Systemen. Zudem experimentieren alle Hersteller mit den elektrischen Verdichtern, die mit ihrem extrem schnellen Ansprechverhalten das Turboloch effektiv überspielen und so den Einsatz großer Turbolader ermöglichen. Die sprechen nämlich konzeptbedingt träge an, ermöglichen jedoch höhere Spitzenleistungen. Erst bei den großen Fahrzeugen tritt die Plug-in-Hybridisierung auf den Plan, die es den Herstellern dank höchst vorteilhafter Zertifizierungsverfahren ermöglicht, den strengen CO2-Emissionsvorschriften gerecht zu werden. Bei dieser Technik, die den klassischen Verbrenner mit Elektromotor und einem relativ großen Batteriesatz verbindet, können Autos per Steckdose aufgeladen werden und so „lokal emissionsfrei“ fahren. Den Metropolen bleiben so die Emissionen der modernen Euro-6-Verbrennungsmotoren erspart, sofern sie überhaupt noch messbar sind.

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