Suchen

Presseworkshop Nutzfahrzeuge Wissmann gibt Ausblick auf Nutzfahrzeug-IAA 2014

| Redakteur: Michael Ziegler

Die 65. IAA Nutzfahrzeuge öffnet dieses Jahr am 25. September in Hannover ihre Tore. Vorab informierte VDA-Präsident Matthias Wissmann auf dem Internationalen Presseworkshop Nutzfahrzeuge in Frankfurt am Main über die Messetrends.

Firmen zum Thema

Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Donnerstag (26. Juni) auf dem Internationalen Presseworkshop Nutzfahrzeuge in Frankfurt am Main.
Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Donnerstag (26. Juni) auf dem Internationalen Presseworkshop Nutzfahrzeuge in Frankfurt am Main.
(Foto: Stephan Richter)

„Die konjunkturelle Entwicklung auf wichtigen Nutzfahrzeugmärkten gibt uns Rückenwind für die 65. IAA Nutzfahrzeuge, die im September in Hannover beginnt. Westeuropa ist bei schweren Nutzfahrzeugen im bisherigen Jahresverlauf um drei Prozent gewachsen, der US-Markt hat bis Mai zweistellig zugelegt, China um vier Prozent“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf dem Internationalen Presseworkshop Nutzfahrzeuge vor rund 150 internationalen Journalisten in Frankfurt am Main. Der Presseworkshop wird vom VDA traditionell im Vorfeld der IAA Nutzfahrzeuge durchgeführt.

Insbesondere der westeuropäische Markt für schwere Nutzfahrzeuge (über sechs Tonnen) habe sich bis April mit einem Wachstum von drei Prozent stärker entwickelt, als vor dem Hintergrund des Vorkaufseffekts von Euro-VI-Fahrzeugen zu erwarten war. Die Einführung der Euro-VI-Norm zu Beginn des Jahres 2014 hatte vor allem im 4. Quartal 2013 noch zu erheblichen Käufen von Euro-V-Fahrzeugen geführt.

Vorkauf durch „Euro-V-Effekt“

„Auch in Deutschland ist der bisherige Jahresverlauf sehr erfreulich: Bis Ende Mai 2014 wurden über 34.000 schwere Nutzfahrzeuge (über sechs Tonnen) neu zugelassen, das sind zwölf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum“, sagte Wissmann. Auch hier mache sich der „Euro-V-Effekt“ bemerkbar. Das Wachstumstempo werde voraussichtlich im weiteren Jahresverlauf aufgrund des Basiseffekts nachgeben. Bei den leichten Nutzfahrzeugen (bis sechs Tonnen) gab es bis Mai in Deutschland 88.000 Neuzulassungen (+7 Prozent). Besonders dynamisch habe sich das Geschäft der Anhänger und Aufbauten entwickelt: „Hier liegen die Neuzulassungen bis Mai um 14 Prozent im Plus“, unterstrich der VDA-Präsident. Die gute Lage zeige sich auch bei den Beschäftigten: „Jeder vierte der mehr als 760.000 Mitarbeiter, die in der Automobilindustrie im Inland beschäftigt sind, ist im Nutzfahrzeugbereich tätig. Das sind rund 190.000 Mitarbeiter“, betonte Wissmann.

Kritisch äußerte sich der VDA-Präsident zu den Lkw-Mautplänen. So weist das neue Wegekostengutachen für Bundesstraßen erneut deutlich höhere Kosten pro Lkw-Kilometer aus. „Wird dies so umgesetzt, würden die Mautsätze für Bundesstraßen mehr als doppelt so hoch ausfallen wie auf den Autobahnen. Das hätte erhebliche strukturpolitische Auswirkungen – vor allem, wenn, wie geplant, ab 2018 alle Bundesstraßen bemautet werden sollen. Damit schadet man den strukturschwachen Regionen in unserem Land. Wir schlagen daher vor, dass auf vierstreifigen Bundesstraßen zunächst weiter der Autobahnmautsatz gelten soll“, betonte der VDA-Präsident. Bis zum Jahr 2018 könnten dann die Wirkungen der Maut auf den Bundesstraßen insgesamt genau analysiert werden.

Reduktion des Kraftstoffverbrauchs ist die zentrale Herausforderung

Für Hersteller von Nutzfahrzeugen sei die weitere Reduktion des Kraftstoffverbrauchs – und damit der CO2-Emissionen – „die zentrale Herausforderung“, unterstrich Wissmann. „Allerdings sind schwere Nutzfahrzeuge nicht vergleichbar mit Pkw oder Transportern, für die es ja bereits EU-weite CO2-Regulierungen gibt. Die Nutzfahrzeugbranche ist wie eine Fußballmannschaft: Es gibt nicht nur Abwehrspieler, sondern auch ein Mittelfeld und Stürmer. Beim schweren Lkw ist die Variantenvielfalt der Fahrzeuge so groß, dass es keinen ‚CO2-Einheitswert‘ geben kann. Die Bandbreite reicht vom Baustellenkipper über Lieferfahrzeuge bis zum Fernverkehrs-Lkw. Auch Stadt- und Reisebusse zählen dazu. Viele Fahrzeuge werden maßgeschneidert für die Kunden gefertigt. Der Verbrauch wird von sehr vielen Faktoren beeinflusst: Größe, Gewicht, Einsatzbereich, Fahrleistung, aber auch Anwendungsbedingungen und vor allem die Ladung von Lkw sind verschieden“, erläuterte Wissmann.

„Es ist der Markt, der schon seit vielen Jahren bei schweren Nutzfahrzeugen für ständig sinkenden Kraftstoffverbrauch sorgt – ganz ohne CO2-Regulierung. Die Transportunternehmer kalkulieren mit spitzem Bleistift – sie müssen in ihrem Geschäft auf jeden Cent achten und fordern daher immer effizientere Lkw. Schon heute gibt es Lkw, die bei hoher Auslastung im Fernverkehr lediglich einen Liter Diesel je transportierter Tonne auf 100 Kilometer verbrauchen“, betonte Wissmann. Er sprach sich für größere Flexibilität bei den Fahrzeugabmessungen sowie für mehr Aerodynamik und zusätzlichen Bauraum für alternative Antriebe aus: „Auch damit können wir CO2-Emissionen senken.“

(ID:42764471)