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Schaeffler Wut und Existenzangst

| Redakteur: Claus-Peter Köth

Die Stimmung der Mitarbeiter im Hause Schaeffler ist schlecht. Für viele wird das vermeintliche Schnäppchen Continental immer mehr zum Problemfall.

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„Wenn wir in den nächsten vier Wochen keine Investoren für den Conti-Kauf finden, dann weiß ich nicht, was noch alles passiert. Uns steht das Wasser bis zum Hals“, sagt ein zerknirschter Mitarbeiter der Schaeffler-Gruppe. „Und das alles aus Größenwahn“, ergänzt er mit einer Mischung aus Wut und Existenzangst.

Gerade hatte er in einer Abteilungsversammlung erfahren, wie ernst es um das Unternehmen steht. Schaeffler kehrt mit dem eisernen Besen. Sämtliche Drittfirmen wie Putzkolonnen wurden vor die Türe gesetzt. Und auch bei den Leiharbeitern und Verleihfirmen wird Tabula rasa gemacht. Schichtmodelle werden umgestellt, Arbeitszeitkonten abgebaut und sämtliche Investitionen noch einmal auf ihre absolute Notwendigkeit geprüft. „So ohne weiteres können wir nicht mal mehr einen Bleistift bestellen“, sagt der Mitarbeiter.

„Natürlich geht die Absatzkrise in der Automobilindustrie auch an Schaeffler nicht spurlos vorüber“, beschwichtigt Schaeffler-Sprecher Dr. Thomas Reuß gegenüber »Automobil Industrie«. Darauf habe man jetzt reagieren müssen – nicht mehr und nicht weniger! Und er gehe fest davon aus, dass Schaeffler mit den jetzt vereinbarten Maßnahmen die kommende Durststrecke von etwa anderthalb Jahren überstehen wird – ohne noch einmal nachschärfen zu müssen.

Der Conti-Deal sei jedenfalls nicht Ursache für das Kostensenkungsprogramm. „Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagt Reuß. Das Conti-Geschäft sei komplett durchfinanziert, „zu hundert Prozent“. Gleichwohl gibt er zu, dass die Bedienung der für den Conti-Kauf aufgenommenen Kredite durch die Absatzkrise in der Automobilindustrie nun schwieriger wird.

60 Millionen Euro Zinsen pro Monat

Laut »AI«-Informationen muss Schaeffler für das Conti-Geschäft pro Monat rund 60 Millionen Euro Zinsen an die Banken zahlen. Eine Summe, die Reuß nicht bestätigen will.

Tatsache ist, durch die Finanzmarktkrise wurden der Schaeffler-Gruppe viel mehr als die gewünschten 49,9 Prozent der Conti-Anteile angedient. Jetzt muss Schaeffler rund 10 Milliarden Euro an Kredite aufnehmen, um eine Beteiligung von 90 Prozent finanzieren zu können. Hinzu kommen die 11 Milliarden Euro Schulden, die Conti aus dem Kauf von Siemens VDO mitbringt.

Die heiß ersehnten Investoren sollen nun einen Teil der 90 Prozent an Conti abnehmen, um Schaeffler wieder Luft zum Atmen zu verschaffen. Spekulationen, dass das Familienunternehmen auch Investoren für die Schaeffler KG selbst suche, wiesen Eignerin Maria-Elisabeth Schaeffler sowie Unternehmenschef Jürgen Geißinger kürzlich vehement zurück.

Indes wird der Verkauf der Gummisparte von Continental (Reifensparte und ContiTech) immer wahrscheinlicher. „Ein Konsortium aus drei Privat-Equity-Firmen könnte den Kaufpreis zwischen 5 und 10 Milliarden Euro auch in der jetzigen Situation stemmen“, sagen Investmentbanker. Außerdem habe Conti-Chef Karl-Thomas Neumann laut »Handelsblatt« schon seine Zustimmung für diesen Deal signalisiert. „Continental müsse prüfen, wie das Unternehmen seinem Großaktionär helfen könne“, wurde Neumann zitiert.

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