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Abgasskandal

Zeuge nennt Winterkorn im Dieselskandal früh informiert

| Autor/ Redakteur: Andreas Grimm / Sven Prawitz

Die Darstellung des Volkswagenkonzerns, die Führungsspitze habe erst spät vom Dieselskandal erfahren, erhält neue Kratzer. Laut den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft soll Ex-Konzernchef Martin Winterkorn Monate vor dem Bekanntwerden informiert gewesen sein.

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Wann hat Ex-VW-Chef Martin Winterkorn von der Diesel-Affäre erfahren? Laut Zeugenaussagen schon deutlich vor deren Bekanntwerden.
Wann hat Ex-VW-Chef Martin Winterkorn von der Diesel-Affäre erfahren? Laut Zeugenaussagen schon deutlich vor deren Bekanntwerden.
(Foto: VW)

Eine Recherche des Redaktionsnetzwerks von NDR, WDR und „Süddeutsche Zeitung“ weckt neue Zweifel am Ablauf des Diesel-Skandals und der Unkenntnis der Verantwortlichen im Unternehmen. Im Kern geht es dabei um die rechtlich relevante Frage, wann der damalige VW-Chef Martin Winterkorn von den Manipulationen erfahren hat. Das war den Recherche-Ergebnissen zufolge deutlich früher der Fall als bislang behauptet.

Laut den Aussagen des ehemaligen Chefs der VW-Motorenentwicklung in den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig soll Winterkorn bereits im Jahr 2007 von Problemen bei der Abgasreinigung für den US-Markt erfahren haben. Brisant hinsichtlich der schadensersatzrechtlichen Forderungen von Investoren ist zudem die Aussage, dass der Ex-Manager bereits Monate vor dem Bekanntwerden des Dieselskandals detailliert über den Abgas-Betrug informiert gewesen sein soll.

War Winterkorn bereits 2015 informiert?

Demnach mussten Winterkorn spätestens im Mai 2015 die Vorgänge klar gewesen sein. Bei einem Treffen mit dem Chef-Motorenentwickler sowie weiterer Ingenieure sei er über die Umschaltlogik in der Abgas-Software der Dieselfahrzeuge und damit über die Abgas-Manipulation informiert worden. Inhaltlich sei von 600.000 betroffenen Fahrzeugen in den USA und Kanada die Rede gewesen.

VW dementiert bislang diese frühe Kenntnis Winterkorns. Dieser habe erst im September 2015 vom Abgas-Betrug erfahren. Tatsächlich scheinen sich in den Aussagen anderer Zeugen keine ähnlich belastenden Hinweise finden. Gleichwohl schildert der Motorenentwickler die Abläufe detailreich und damit wohl glaubwürdig.

Ursprung des Skandals bereits im Jahr 2007

Die 160 Seiten umfassende Aussage des Managers ist Teil der Ermittlungsakten, die die Braunschweiger Staatsanwaltschaft den Anwälten der rund 40 Beschuldigten im Diesel-Betrugsverfahren Mitte Juli zur Einsicht übermittelt hat. Der Aktenbestand umfasst 81 Hauptaktenordner. Bis Oktober haben die Anwälte nun Gelegenheit, zu den Ermittlungen Stellung zu nehmen.

Der Bericht des Redaktionsnetzwerks untermauert nochmals, dass der Skandal bereits im Jahr 2007 seinen Ausgang nahm. Damals erkannte die VW-Motorenentwicklung, dass die strengen US-Abgasgrenzwerte nicht mit sauberen Mitteln erreicht werden würden. Auf Hinweise, dass Software-Eingriffe „zu Diskussionen mit den Behörden“ führen könnten, habe Winterkorn nicht reagiert, sondern zum Weitermachen aufgefordert.

Unkenntnis der Führungsspitze „undenkbar“

Die Auswertungen der Aussagen passen zur Aussage des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch. Er hat Ende 2016 bei der Staatsanwaltschaft erklärt, für ihn sei es „undenkbar“, dass der Diesel-Abgasbetrug nicht bis in die Führungsspitze hinein bekannt gewesen sei. Es sei aber auch typisch für den Konzern gewesen, heikle Punkte „nicht schriftlich“ festzuhalten. Sein Eindruck sei, dass die Verantwortlichen im VW-Konzern versuchten, die ganze Verantwortung auf die „untere Ebene abzuschieben“, sagte Piëch.

Der VW-Konzern erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk, es liege in der Natur der Sache, dass bei derart komplexen Sachverhalten unterschiedliche Aussagen und Erinnerungen von Beteiligten vorlägen. Es verbiete sich daher, einzelne Aussagen zu kommentieren.

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Über den Autor

 Andreas Grimm

Andreas Grimm

Redakteur, Redaktion »kfz-betrieb«