Jahresbilanz mit Wermutstropfen ZF-Chef Wolf-Henning Scheider geht Anfang 2023

Von Claus-Peter Köth

ZF erreicht seine Jahresziele 2021 bei Umsatz und Ergebnis. Im laufenden Jahr will der Zulieferer erstmals die 40-Milliarden-Euro-Grenze knacken. Am Ende der Bilanzpressekonferenz sorgte CEO Wolf-Henning Scheider für einen Paukenschlag.

Anbieter zum Thema

ZF-CEO Wolf-Henning Scheider verlässt den Zulieferer zum Ende seines Vertrags Anfang 2023.
ZF-CEO Wolf-Henning Scheider verlässt den Zulieferer zum Ende seines Vertrags Anfang 2023.
(Bild: ZF)

Der Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider hat den Aufsichtsrat der ZF Friedrichshafen AG in seiner letzten Sitzung informiert, dass er seinen im Januar 2023 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wolle. Nach über drei Jahrzehnten in der Automobilindustrie und Erreichen des 60. Lebensjahres habe er sich entschlossen, seine aktive Zeit in der Branche zum Jahresende zu beenden, um sich anderen Herausforderungen außerhalb der Automobilindustrie zu widmen. Das sei eine rein private Entscheidung, die Arbeit bei ZF sei die bislang erfüllendste Zeit seiner Karriere gewesen“, betonte Scheider und verwies auf die exzellente Zusammenarbeit mit den Eigentümern, Vorstandskollegen und Mitarbeitern.

„Wolf-Henning Scheider hat in den vergangenen vier Jahren ganz entscheidend dazu beigetragen, dass ZF sich in seinen Geschäftsfeldern zu einem führenden Anbieter für modernste elektronische und mechatronische Systeme weiterentwickelt hat“, bedauert der Aufsichtsratsvorsitzende von ZF, Heinrich Hiesinger, die Entscheidung. Scheider werde seinen laufenden Vertrag erfüllen und sich mit ganzem Engagement der Erreichung der für 2022 gesteckten Ziele widmen.

Bildergalerie

Kennzahlen: Ziele erreicht

ZF hat im vergangenen Jahr in einem erneut sehr schwierigen wirtschaftlichen Umfeld seine finanziellen Ziele erreicht. Mit 38,3 Milliarden Euro lag der Umsatz um 17,5 Prozent deutlich über dem Vorjahreswert von 32,6 Milliarden Euro und übertraf auch jenen des Jahres 2019 (36,5 Milliarden Euro). Das bereinigte EBIT betrug 1,9 (2020: 1,0) Milliarden Euro; die EBIT-Marge lag bei 5,0 (2020: 3,2) Prozent. „Trotz des im Jahresverlauf einsetzenden starken Gegenwinds sind wir auf Kurs geblieben und haben unsere bereits zu Jahresbeginn gesetzten Ziele erreicht“, sagte CEO Wolf-Henning Scheider, am Donnerstag bei der Bilanzvorlage. Zugleich habe man sich weiter strategisch auf die Zukunft der Mobilität ausgerichtet und substanzielle neue Kundenaufträge in den drei Kernfeldern Elektromobilität, autonomes Fahren und Software-Entwicklung erhalten.

„Mit Engagement, Ausdauer und Teamgeist haben unsere Beschäftigten entscheidend dazu beigetragen, dass wir den Herausforderungen dieser außergewöhnlichen Zeit erfolgreich begegnet sind“, sagte Scheider. „Wir haben uns an die neue Normalität angepasst und sind noch agiler, flexibler und digitaler geworden.“ Besonders das zweite Halbjahr habe aufgrund von Störungen in der globalen Lieferkette und kurzfristig geänderten Abrufzahlen höchste Flexibilität in Produktion und Materialwirtschaft verlangt – und dies nach wie vor unter Pandemiebedingungen.

Neue Divisionen und Zukäufe

Scheider betonte, dass ZF strategische Meilensteine erreicht und weitere Weichenstellungen für die Zukunft vorgenommen habe. Als Beispiele nannte er den erfolgreichen Start der zu Jahresbeginn 2022 gegründeten Division Electrified Powertrain Technology, die Integration des Zukaufs Wabco in die neue Division Commercial Vehicle Solutions und die Zusammenarbeit mit Microsoft für die Schaffung der ZF Cloud.

In ihr werden weltweit alle Unternehmensdaten und -prozesse digitalisiert, vernetzt und verfügbar gemacht. Ebenso habe ZF sein Produktprogramm weiter auf das elektrische und softwaredefinierte Fahrzeug der Zukunft ausgerichtet und für diese Lösungen substanzielle Aufträge internationaler Pkw- und Nutzfahrzeughersteller erhalten.

Die Brutto-Verbindlichkeiten sanken im Jahresverlauf um 752 Millionen Euro auf 12,5 Milliarden Euro; die Eigenkapitalquote lag Ende 2021 bei rund 19 Prozent. Weiter gesteigert hat ZF seine Aktivitäten in der Forschung und Entwicklung: Die F&E-Quote erreichte im Vorjahr 8,0 (2020: 7,7) Prozent, was Ausgaben für Forschung und Entwicklung in Höhe von 3,1 (2020: 2,5) Milliarden Euro entspricht – ein neuer Höchstwert in der ZF-Geschichte.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2040

ZF strebt an, bis 2040 klimaneutral zu sein. Um dieses Ziel zu erreichen, setzt das Unternehmen an unterschiedlichen Stellen an. Bereits im Jahr 2030 wird ZF seinen Strombedarf vollständig aus nachhaltigen Quellen beziehen. Über 2021 abgeschlossene Lieferverträge mit Erzeugern von Wind- und Sonnenenergie werden etwa die ZF-Werke in Deutschland in den Jahren 2022 bis 2025 mit jeweils bis zu 210 Gigawattstunden grünen Stroms versorgt.

Durch die vereinbarten Mengen, die dem Stromverbrauch von 72.000 Haushalten entsprechen, reduzieren sich die CO2-Emissionen um jährlich 80.000 Tonnen. „Wir setzen gezielt auf konkrete Maßnahmen und schließen Verträge“, ergänzte Scheider, „um damit unmittelbar einen nachweisbaren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Im Rahmen seiner Nachhaltigkeitsstrategie hat ZF im Vorjahr erstmals auch zwei grüne Anleihen in einer Gesamthöhe von einer Milliarde Euro platziert. Grundlage dafür sei das Green Finance Framework, in dem der Zulieferer die Rahmenbedingungen und Kriterien für nachhaltige Finanzierungen festgelegt habe. Die Erlöse aus den Anleihen sollen in die Windkraft-Sparte und die Elektromobilität fließen.

Ausblick mit Vorbehalt

Nach der positiven Marktentwicklung 2021 bleibt das konjunkturelle Umfeld laut ZF hoch anspruchsvoll und volatil. Auch wenn die Versorgung mit Halbleitern sich im zweiten Halbjahr 2022 voraussichtlich verbessern wird, erschweren die weiter bestehende Covid-19-Pandemie, allgemeine Lieferengpässe sowie die steigende Inflation einen Ausblick auf das laufende Jahr. Verstärkt werde dies durch den Krieg in der Ukraine und seine weltweiten negativen Auswirkungen.

Die Unterbrechung von Lieferketten der Automobil- und Nutzfahrzeughersteller habe bereits zu ersten Produktions-Stillständen geführt. Obwohl ZF derzeit kaum von kriegsbedingten Lieferausfällen betroffen sei, führten die Stillstände zum Ausfall von Abrufen. Inwiefern sich eine mögliche weitere Eskalation des Kriegs in der Ukraine auf die weltweite Konjunktur und das Branchenwachstum im Geschäftsjahr 2022 auswirken wird, könne derzeit nicht vorhergesagt werden.

„Wir stellen aus den genannten Gründen unsere Prognose ganz explizit unter Vorbehalt“, erklärte Scheider. Er rechne für 2022 mit einem moderaten Wachstum des Konzernumsatzes auf ein Volumen von mehr als 40 Milliarden Euro. Dieses Wachstum führe voraussichtlich zu einer bereinigten EBIT-Marge zwischen 4,5 und 5,5 Prozent.

(ID:48103872)