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Zulieferer ZF will Haldex übernehmen

| Autor / Redakteur: ampnet/ZF / Thomas Günnel

ZF will den schwedischen Zulieferer Haldex übernehmen. Ein entsprechendes Angebot legte der Konzern heute (4. August) vor. Außerdem veröffentlichte das Unternehmen die Geschäftszahlen des ersten Halbjahres 2016.

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ZF will den schwedischen Zulieferer Haldex übernehmen. Ein entsprechendes Angebot legte der Konzern heute (4. August) vor.
ZF will den schwedischen Zulieferer Haldex übernehmen. Ein entsprechendes Angebot legte der Konzern heute (4. August) vor.
(Bild: ZF Friedrichshafen )

Für 4,4 Milliarden Schwedische (SEK) Kronen (rund 460 Millionen Euro) will der Zulieferer ZF das gesamte Aktienkapital der schwedischen Haldex Aktiebolag übernehmen. Ein entsprechendes Angebot haben die Friedrichshafener heute vorgelegt. Darin wird den Aktionären ein Preis pro Aktie von 100 SEK, umgerechnet rund 10,44 Euro, in bar angeboten. Das Haldex-Management unterstützt die Übernahme. Gegenüber ZF hat Göran Carlson, der Vorsitzende des Board of Directors bei Haldex, sich dazu verpflichtet, das Angebot anzunehmen. Carlson ist mit 5,7 Prozent des Aktien- und Stimmrechtkapitals größter Anteilseigner von Haldex. Das Board of Directors von Haldex hat sich einstimmig für eine Empfehlung dieses Angebots ausgesprochen. Beide Unternehmen erklären heute, der Zusammenschluss ermögliche es, Produkte für Nutzfahrzeuge im Bereich Antriebs- und Fahrwerktechnik sowie für Bremssysteme und Module für Luftfederungen aus einer Hand anzubieten. Mit dem Zusammenschluss – so ZF in einer Presseerklärung –, könne man die gesamte Wirkungskette bei Nutzfahrzeugen abdecken. Die Übernahme ermöglicht ZF außerdem den Transfer von Technologie-Knowhow in den Bereichen Kraftstoff-Effizienzlösungen, autonomes Fahren und Sicherheitssysteme vom Pkw- auf den Nutzfahrzeugbereich.

Das Angebot unterliegt einer Reihe üblicher Abschlussbedingungen, einschließlich einer Annahmequote von 90 Prozent der im Umlauf befindlichen Haldex-Aktien und Genehmigung der zuständigen Wettbewerbsbehörden. ZF wird die Transaktion den Behörden in Kürze vorlegen.

Geschäftszahlen erstes Halbjahr 2016

Ebenfalls am 4. August veröffentlichte ZF die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr 2016. In den ersten sechs Monaten 2016 stieg der Umsatz auf 17,8 Milliarden Euro und das bereinigte operative Ergebnis (EBIT) auf 1,1 Milliarden Euro. Die Nettoschulden verringerten sich auf 7,2 Milliarden Euro. Die Geschäftszahlen sind laut Unternehmen nur bedingt mit dem Vorjahreszeitraum vergleichbar, da das erste Halbjahr 2015 maßgeblich durch Sondereffekte aus dem Kauf des US-Automobilzulieferers TRW und dem Verkauf des 50-prozentigen Anteils an ZF Lenksysteme geprägt war. Der Konzernumsatz von ZF betrug im ersten Halbjahr 17,8 Milliarden Euro. Dies entspricht einem organischen Wachstum von fünf Prozent, wenn man den aktuellen Zahlen den zusammengerechneten Pro-Forma-Umsatz von ZF und ZF TRW vom 1. Januar bis 30. Juni 2015 gegenüberstellt. Wechselkursschwankungen haben das Wachstum leicht gedrückt. Bereinigt um Währungseffekte und sonstige Käufe und Verkäufe lag das Wachstum bei zwei Prozent.

Automotive wächst in Nordamerika und Europa

Die Automobilumsätze von ZF wuchsen im ersten Halbjahr 2016 insbesondere in Nordamerika und Europa. Bereinigt um Wechselkurse und M&A-Effekte verzeichnete ZF auch in der Region Asien-Pazifik ein leichtes Umsatzwachstum. In der Nutzfahrzeugtechnik standen einem soliden Wachstum in Europa schwache Märkte in Russland und Südamerika entgegen. Die insgesamt deutlich gestiegenen Umsätze in der Division Industrietechnik gehen einerseits auf den Zukauf der Großgetriebesparte von Bosch Rexroth zurück und andererseits auf hohe Wachstumsraten in der Windkraft. Rückläufig war hingegen das Geschäft in der Baumaschinenbranche. Rund sieben Prozent der ZF-Konzernumsätze stammen aus dem Bereich Industrietechnik.

Elektromobilität mit Wachstumsperspektive

Erstmals ausgewiesen ist der Umsatz der im Januar neu gegründeten Division E-Mobility in Höhe von 407 Millionen Euro. In dieser Division hat ZF alle Aktivitäten zur Elektromobilität für die Automobilbranche gebündelt. Aktuelle Schätzungen gehen davon aus, dass der Markt für hybride oder rein elektrische Fahrzeuge bis 2025 um den Faktor sieben bis zehn wachsen soll. Der um Effekte aus Unternehmenskäufen und -verkäufen bereinigte operative „Free Cash Flow“ summierte sich im ersten Halbjahr 2016 auf 401 Millionen Euro und liegt um 229 Millionen Euro über dem Vorjahresniveau. Damit und aus bestehender Liquidität konnten die Schulden aus der TRW-Übernahme um brutto knapp 500 Millionen Euro weiter verringert werden. Die Nettofinanzverbindlichkeiten sanken im ersten Halbjahr um 175 Millionen Euro auf 7,2 Milliarden Euro. Der Erlös von rund 450 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf des Geschäftsfelds Befestigungssysteme und Komponenten zum 1. Juli 2016 fällt ins zweite Halbjahr und ist in diesen Zahlen noch nicht enthalten.

Jahresprognose 2016

Trotz schwankender Wechselkurse schätzt ZF die Geschäftsentwicklung für das Gesamtjahr 2016 stabil ein und prognostiziert einen Umsatz von rund 35 Milliarden Euro, eine bereinigte EBIT-Marge von rund sechs Prozent und eine bereinigte EBITDA-Marge von über zehn Prozent. „Den Schwung aus dem ersten Halbjahr mit einer deutlich verbesserten Marge wollen wir trotz teilweise herausfordernder Rahmenbedingungen für das gesamte Geschäftsjahr aufrecht erhalten“, sagt ZF-Chef Sommer. „Gleichzeitig müssen wir vor allem die deutschen Standorte mit einer erhöhten Flexibilität und angepassten Kostenstrukturen wettbewerbsfähiger machen.“

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