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Boysen Ziele nicht erreicht

| Redakteur: Bernd Otterbach

Die Krise der Autoindustrie hat auch bei Boysen Spuren hinterlassen: „Trotz vorsichtiger Planung und einer Aufholjagd ab September haben wir unsere Ziele 2009 nicht erreicht“, sagte Boysen Geschäftsführer Rolf Geisel am Freitag. Langfristig will Geisel ein zweites Standbein jenseits der Abgastechnik aufbauen.

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Der Umsatz der Boysen Gruppe ist im vergangenen Geschäftsjahr 2009 um 1,7 Prozent auf 634 Millionen Euro zurückgegangen (Vorjahr 645 Millionen Euro). Die Investitionen beliefen sich auf 37,5 Millionen Euro. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Lauf des Jahres von 1.610 auf 1.680. Zum Ertrag macht der mittelständisch strukturierte Automobilzulieferer traditionell keine näheren Angaben.

„Dass wir es nach Verlusten im ersten Halbjahr 2009 doch noch geschafft haben, am Ende schwarze Zahlen zu schreiben, erfüllt uns mit Genugtuung“, erklärte Rolf Geisel. Das positive Ergebnis tröste ein wenig über den rückläufigen Umsatz hinweg. Mit dem Umsatzrückgang endete für den Altensteiger Automobilzulieferer eine jahrzehntelange Wachstumsphase. Von 1979 bis 2008 hatte der Spezialist für Abgastechnik fast jedes Jahr zweistellige Umsatzzuwächse verbuchen können.

Alle Register im Personalbereich gezogen

„Die erfolgreiche Markteinführung der neuen E-Klasse sowie neue Motorisierungen unseres Kunden Daimler haben uns davor bewahrt, tiefer in die Krise hineingezogen zu werden“, sagte Geisel. Darüber hinaus habe Boysen mit einer Reihe von Strukturreformen und einem harten Sparkurs auf die rückläufige Nachfrage reagiert. Auch im Personalbereich habe man sämtliche Register gezogen. Das Unternehmen habe sich von Leiharbeitern getrennt, das Minus auf den Arbeitszeitkonten auf bis zu 200 Stunden erweitert und in verschiedenen produktiven Bereichen kurzgearbeitet. „Wir sind froh, dass wir unsere Stammbelegschaft halten und die Zahl der Arbeitsplätze in der Gruppe zum Ende 2009 gegenüber dem Vorjahr sogar leicht erhöhen konnten“, so Geisel weiter. „Auch das Thema Kurzarbeit, das uns noch bis ins zweite Quartal dieses Jahres beschäftigt hat, ist mittlerweile vom Tisch.“

Trotz Krise hat der Automobilzulieferer im zurückliegenden Geschäftsjahr in der Größenordnung von 6 Prozent vom Umsatz in die Zukunft investiert. Ein Großteil der Summe wurde zur Sicherung der Arbeitsplätze an den inländischen Standorten aufgewendet. Der mit rund 18 Millionen Euro größte Einzelposten entfiel auf das neue Versuchsgebäude im Boysen Entwicklungs- und Verwaltungszentrum, das Mitte des Jahres bezogen wurde.

Mit der Krise komplett abgeschlossen

„Inzwischen haben wir mit der Krise komplett abgeschlossen“, so Geisel. „Boysen ist heute ein kerngesundes Unternehmen mit einer Eigenkapitalquote von weit über 40 Prozent und wir haben guten Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken.“

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet der Boysen-Chef wieder mit einem kräftigen Umsatzwachstum. Das erste Halbjahr sei deutlich besser verlaufen als erwartet. Wenn der Aufwärtstrend anhalte, werde der Gruppenumsatz 2010 die 700 Millionen Marke überspringen.

„Unser Wachstum in diesem wie in den nächsten Jahren wird getragen vom Export beziehungsweise von der positiven Entwicklung der Märkte in den USA und vor allem in China“, sagte Geisel. Im Gefolge der Fahrzeughersteller will auch Boysen seine Fertigungskapazitäten in beiden Ländern ausbauen. Dazu werde das Unternehmen in 2010 rund 15 Millionen Euro in neue Fabrikgebäude und Produktionsanlagen investieren. Gleichzeitig werde Boysen alles daran setzen, die vorhandenen Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten. Beim Personal rechnet Geisel ebenfalls mit einem Zuwachs. Die Zahl der Beschäftigten in der Gruppe soll im laufenden Geschäftsjahr um rund 100 auf 1.800 steigen.

Um dauerhaft zu wachsen, werde Boysen ab 2011 auch Abgastechnik für Nutzfahrzeuge produzieren. Der weitere Ausbau des neuen Geschäftsfeldes solle helfen, absehbare Auftragsverluste im Pkw-Sektor zu kompensieren. Im Moment sei der Einstieg in den Nutzfahrzeugmarkt für das Unternehmen vor allem mit erheblichen Investitionen verbunden.

Zweites Standbein neben der Abgastechnik geplant

Einen Schlüssel für einen künftigen Unternehmenserfolg sieht Geisel im Bereich Forschung und Entwicklung. „Wir haben unsere personellen Kapazitäten in dem Bereich im vergangenen Jahr weiter ausgebaut“, sagte der Unternehmer. Durch den anhaltenden Trend zum Downsizing in der Motorentechnik seien negative Auswirkungen auf die Wertschöpfung zu erwarten. Sämtliche vom Verbrennungsmotor unabhängigen Antriebskonzepte gingen zu Lasten des Boysen-Kerngeschäfts. Infolge dessen werde der Spezialist für Abgastechnik seine Entwicklungskompetenz in Richtung neuer Geschäftsfelder erweitern. „Unseren Neubau Versuch III haben wir bereits so ausgelegt, dass er uns Raum und Möglichkeiten gibt, auch Entwicklungsprojekte im nichtautomobilen Bereich zu realisieren“, sagte Geisel.

„Langfristig“, kündigte Geisel mit Blick auf das Thema Elektromobilität an, „werden wir uns ein zweites unternehmerisches Standbein jenseits der Abgastechnik aufbauen.“ Derzeit liefen noch verschiedene Untersuchungen, auf welchen neuen Geschäftsfeldern das Unternehmen vorhandenes Know-how gewinnbringend einsetzen könne. Entscheidungen seien aber noch nicht gefallen. „Wir sehen uns in dieser Frage aber auch nicht unter Druck“, so Geisel. „Wenn sich die Dinge weiter so entwickeln wie bisher, können wir vielleicht Ende des Jahres Genaueres zu diesem Thema sagen.“

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