Zulieferer Zukäufe steigern Umsatz von Mahle

Autor / Redakteur: Jürgen Goroncy / Jens Scheiner

Mahle hat im Jahr 2014 einen Umsatz von knapp zehn Milliarden Euro erzielt. Das Wachstum mit etwa 43 Prozent ist vor allem auf den erstmals ganzjährigen Einbezug der Mahle Behr-Gruppe und der Letrika-Gruppe zurückzuführen.

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Mahle hat durch Zukäufe seinen Umsatz im Jahr 2014 stark erhöht.
Mahle hat durch Zukäufe seinen Umsatz im Jahr 2014 stark erhöht.
(Foto: Mahle)

Im Geschäftsjahr 2014 hat sich der Konzernumsatz um 43,2 Prozent auf 9,942 Milliarden Euro erhöht. Mit einem Gesamteffekt von nahezu drei Milliarden Euro haben Veränderungen des Konsolidierungskreises wesentlich zum Anstieg beigetragen, insbesondere der erstmalig ganzjährige Einbezug der Umsätze der Mahle Behr-Gruppe. Außerdem wirkte sich die Vollkonsolidierung der Letrika-Gruppe ab September 2014 umsatzerhöhend aus. Die Wechselkurseinflüsse in Höhe von insgesamt 127,6 Millionen Euro hatten einen negativen Effekt auf den Konzernumsatz. Am stärksten schlugen die Abwertung des brasilianischen Reals, des argentinischen Pesos und des japanischen Yens zu Buche. „Bereinigt um diese Effekte wurde ein organisches Umsatzwachstum von zwei Prozent erzielt“, so Konzernchef Heinz. K. Junker, der am 01. Juli in den Aufsichtsrat wechselt und die operative Leitung des Konzerns an Wolf-Hernning Scheider übergibt.

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Der Geschäftsbereich Motorsysteme und -komponenten erwirtschaftete wechselkursbereinigt ein Umsatzplus von rund drei Prozent. Positiv wirkten sich insbesondere die gestiegenen Absatzvolumina in der Region Asien/Pazifik aus. Produktbezogen kam es neben dem Anlauf der Serienproduktion von Pkw-Stahlkolben bei Renault, und durch die Kooperation auch bei Daimler, insbesondere bei Hohlventilen und gebauten Nockenwellen zu Umsatzzuwächsen, also bei Effizienzprodukten zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs.

Der Geschäftsbereich Filtration und Motorperipherie realisierte wechselkursbereinigt ein Wachstum von drei Prozent. Größte Zuwächse wurden bei komplexen Flüssigkeitsfilter-, Ventildeckel- und Luftansaugmodulen erzielt. Auch das noch junge Pumpensegment trug mit geregelten Ölpumpen wesentlich zum Wachstum bei. Der aus der Erstkonsolidierung der Mahle Behr-Gruppe entstandene Geschäftsbereich Thermomanagement steuerte 2014 mit rund drei Milliarden Euro etwa 30 Prozent des Konzernumsatzes bei. Mit Blick auf das Gesamtjahr entwickelte sich der Geschäftsbereich operativ positiv und trug wesentlich zum Wachstum des Konzerns bei. Der Umsatz des Geschäftsbereichs Aftermarket hat sich im Vergleich zum Vorjahr aufgrund der relativ schwachen Märkte in Südamerika, Osteuropa und im Nahen Osten nur leicht erhöht.

Europa umsatzstärkste Region

Bezogen auf die Regionen, wurden 52 Prozent der Umsätze in Europa erwirtschaftet. Ursache für den Anstieg im Vergleich zum Vorjahr sind Erstkonsolidierungseffekte durch Mahle Behr und die Letrika-Gruppe. Auf Nordamerika entfallen rund 23 Prozent und auf Südamerika sieben Prozent des Gesamtumsatzes. Die Region Asien/Pazifik trug 18 Prozent zum Konzernumsatz bei. Das Bruttoergebnis hat sich um knapp 500 Millionen Euro auf 1,905 Milliarden Euro verbessert. Damit lag die Bruttomarge bei 19,2 Prozent. Der prozentual leichte Rückgang lässt sich wesentlich auf den erstmalig ganzjährigen Einbezug des Bereichs Thermomanagement und die Erstkonsolidierung von Letrika zurückführen. Abschreibungen auf die im Rahmen der Kaufpreisallokationen für Mahle Behr und die Letrika-Gruppe pflichtgemäß aufgedeckten stillen Reserven führten zu Belastungen in Höhe von insgesamt 95,4 Millionen Euro und dämpften damit sowohl die Bruttoergebnis- als auch die EBIT-Marge.

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Aufgrund weiterer hoher Aufwendungen für neue Technologien zur Kraftstoff- und CO2-Reduktion haben sich die Forschungs- und Entwicklungskosten nochmals erhöht. Der Saldo der sonstigen betrieblichen Erträge und Aufwendungen ist um 55,9 Millionen Euro auf 102,2 Millionen Euro gestiegen. Dies ist neben Sondereffekten insbesondere auf eine erhebliche Verbesserung des operativen Geschäfts zurückzuführen.

Top-3-Position im Visier

Für die nahe Zukunft strebt das Unternehmen an, seine Marktstellung unter den weltweit 20 größten Automobilzulieferern zu festigen und auszubauen. Ziel ist es, eine weltweite Top-3-Position in allen Kernproduktsegmenten des Konzerns zu erhalten oder zu erreichen. Außerdem will das Unternehmen vom Verbrennungsmotor und von Kolben unabhängiger werden. Der Erwerb von Behr und Letrika sind Beispiele für diese Strategie. So ist der Renault Twizy mit einem Elektromotor und der Steuerung von Letrika ausgerüstet. Gegenwärtig trägt das Geschäft mit Kolben nur noch zehn Prozent zum Umsatz bei.

In diesem Zusammenhang hat Mahle im Februar 2015 mit dem US-Autozulieferer Delphi Automotive PLC einen Vertrag zur Übernahme der Thermomanagement-Sparte geschlossen. Diese umfasst ein Umsatzvolumen von rund 1,2 Milliarden US-Dollar und verfügt über rund 7.600 Mitarbeiter an 13 Standorten weltweit. Die Akquisition dient dem konsequenten Ausbau des wichtigen Wachstumsbereichs Thermomanagement, welcher bei allen potenziellen zukünftigen Antriebsalternativen eine zunehmend bedeutende Rolle spielt. Nach Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden wird mit einem Closing im Sommer 2015 gerechnet. In einem weiteren Schritt wird der Erwerb des Joint Ventures von Delphi Thermal in China angestrebt.

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Erfolgreiches erstes Quartal

Zudem soll die gezielte Ergänzung des Produktportfolios weiterhin vorangetrieben werden. Mit der Akquisition der slowenischen Letrika-Gruppe hat Mahle 2014 einen wichtigen Schritt zur strategischen Erweiterung der Mechatronik- und Elektrikaktivitäten realisiert. Durch einen Ausbau der globalen Entwicklungs- und Produktionsaktivitäten plant das Unternehmen in diesem Bereich mittelfristig einen Umsatz von mehr als 500 Millionen Euro zu erwirtschaften.

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Im ersten Quartal des Jahres 2015 konnte Mahle beim Umsatz erneut deutlich zulegen. Die Umsatzerlöse wurden im Vorjahresvergleich um insgesamt 320 Millionen Euro gesteigert; dies entspricht einem Umsatzwachstum von über 13 Prozent. Positiv unterstützte im ersten Quartal die Währungskursentwicklung, insbesondere des US-Dollars, das organische Wachstum. Für das Jahr 2015 geht Junker von einem Anstieg der Umsatzerlöse auf eine Bandbreite zwischen 10,5 und 11,5 Milliarden Euro aus. Dies steht unter dem Vorbehalt der Wechselkursentwicklungen und basiert auf einer vorsichtig optimistischen Erwartungshaltung bezüglich der Entwicklung der weltweiten Automobilmärkte. Die große Umsatzbandbreite ist auch auf das zurzeit noch nicht zu präzisierende Datum der Erstkonsolidierung der Delphi-Thermal-Aktivitäten zurückzuführen.

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