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Schaeffler Zukunft am seidenen Faden

| Redakteur: Bernd Otterbach

Die Lage des Schaeffler-Konzerns, der sich mit der auf Pump finanzierten Übernahme von Continental total verhoben hat, ist dramatisch. In der Branche wird damit gerechnet, dass die Banken bald die Kontrolle in Herzogenaurach übernehmen. Darüber hinaus steht nun sogar zur Debatte, die Conti-Übernahme rückgängig zu machen. Damit wäre das Desaster für den fränkischen Familienkonzern vollkommen.

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Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete am Montag, die Schaeffler-Kreditgeber erwägten eine Rückabwicklung des Conti-Kaufs und diskutierten darüber, alle Conti-Aktien, die derzeit bei Schaeffler liegen, durch die Banken übernehmen zu lassen. Danach müsse allerdings eine Kapitalerhöhung bei Continental folgen. Das werde den Anteil, der sich in den Händen der Banken befinde, dann möglicherweise wieder unter 50 Prozent drücken.

Gegen dieses Szenario könnte allerdings sprechen, dass die Banken dann wohl eine hohe Wertberichtigung in ihren Büchern hätten: Sie hatten den Conti-Kauf für 75 Euro je Aktie finanziert, doch heute ist die Aktie nur noch 12 Euro wert. Schaeffler hält derzeit knapp unter 50 Prozent an Conti, weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt.

„Rückabwicklung des Conti-Kaufs vorstellbar“

Schaeffler hatte die Übernahme stets damit begründet, die beiden Konzerne ergänzten sich technologisch perfekt. Auch die IG Metall ist dieser Meinung. „Es ist sinnvoll, den Verbund zu erhalten“, bekräftigte der Schaeffler-Betreuer bei der IG Metall, Wolfgang Müller, am Montag. Doch ihm ist auch klar, dass die Banken das anders sehen könnten: „Die haben natürlich ihre kurzfristigen Rendite-Interessen im Blick“, klagt der Gewerkschafter. „Eine Rückabwicklung ist durchaus vorstellbar.“ Wenn die Banken alle Conti-Aktien übernehmen, rückt die Insolvenz und Zerschlagung des Schaeffler-Konzerns nach Müllers Einschätzung noch näher.

Eigenkapital aufgezehrt

Schaeffler selbst betonte am Montag, man wolle die Conti-Beteiligung halten. „Die Gerüchte, Schaeffler habe zugestimmt, die Conti-Aktien an Banken abzugeben, sind nicht zutreffend“, erklärte Sprecher Detlef Sieverdingbeck. Doch das Eigenkapital der mit mehr als zehn Milliarden Euro verschuldeten Franken ist aufgezehrt. Georg Schaeffler, dem mittlerweile 80 Prozent des Unternehmens gehören, bezifferte den Kapitalbedarf kürzlich auf bis zu sechs Milliarden Euro. Ein Investor ist nicht in Sicht.

Als realistisch gilt in Branchenkreisen das Szenario, dass die Gläubigerbanken bei Schaeffler Schulden in Eigenkapital umwandelten, auf diese Weise neue Anteilseigner würden und damit das Sagen in Herzogenaurach hätten. Mehr als fraglich sei, ob der Familie Schaeffler noch eine Sperrminorität von 25 Prozent zugestanden werde.

Commerzbank entscheidet über Schaeffler-Zukunft

Denn die Banken sind selbst stark unter Druck. Vor allem die Commerzbank steht mit Milliarden im Feuer - die Bank hat selbst Staatshilfen bekommen, der Staat ist dort inzwischen Miteigentümer. Die Royal Bank of Scotland (RBS), ebenfalls Kreditgeber, ist auch weitgehend verstaatlicht und hat 2008 mit 24 Milliarden Pfund den größten Verlust in der britischen Unternehmensgeschichte verzeichnet. Die RBS sei „bewegungsunfähig“, es komme bei Schaeffler nun vor allem auf die Commerzbank an, hieß es in Finanzkreisen.

Politik bleibt zurückhaltend

Schaeffler benötigt zum Überleben nun Milliarden-Staatshilfen. Doch trotz der Tränen, die die Schaeffler-Eigentümerin bei einer Demonstration in Herzogenaurach vergossen hatte, bleiben führende Politiker zurückhaltend. Bundeskanzlerin Angela Merkel macht mögliche Staatshilfen von einem tragfähigen Zukunftskonzept abhängig - ein solches aber liegt bislang nicht vor.

Bei der Continental, die der Übernahme lange erbitterten Widerstand geleistet hatte, ist die Stimmung gegenüber Schaeffler auf dem Tiefpunkt. Die Hannoveraner ärgert es vor allem, dass Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler stets im selben Atemzug von der Schaeffler/Conti-Gruppe spricht. Dabei sei Conti bis dato gar kein Teil von Schaeffler, sondern ein eigenständiger Konzern, der sehr gut ohne Schaeffler überleben könnte, heißt es im Umfeld des Unternehmens.

dpa

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