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Maybach Zukunft liegt in China

| Autor / Redakteur: Sebastian Viehmann, press-inform / Andreas Grimm, Andree Stachowski

Daimler bekennt sich zu Maybach: Die Marke mit den minimalen Verkaufszahlen soll noch luxuriöser werden. Und entgegen aller Gerüchte scheint ein Verkauf derzeit nicht denkbar.

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Jeder Maybach ist ein handgefertigtes Unikat. Schon das Grundprogramm bietet laut Hersteller mehr als zwei Millionen Möglichkeiten, den Wagen zu konfigurieren. Dazu kommt eine nahezu unbegrenzte Individualisierung, auch eigene Ornamente und Gravuren sind möglich. Es gibt sogar eine Beduftungsanlage. „Wir machen alles möglich, was die Gesetzeslage erlaubt“, sagt Maybach-Markenleiter Patrick Marinoff. So wird es zwar kein Krokodilleder und auch keinen drehbaren Beifahrersitz in einem Maybach geben, aber manch ausgefallener Wunsch wurde schon umgesetzt – ein Kunde aus den Emiraten zum Beispiel ließ sich seinen Maybach innen wir außen komplett weiß ausstatten, inklusive der Gurte und sämtlicher Verkleidungen.

Es gibt da nur ein kleines Problem: Kaum jemand kauft einen Maybach. Bis heute bleibt der Luxusschlitten ein extrem rarer Anblick auf den Boulevards der Reichen und Schönen, 2009 wurden weltweit nur 200 Fahrzeuge verkauft. Ursprünglich sollte der Jahresabsatz an die 1.000 Einheiten heranreichen. S-Modelle, Landaulet, Zeppelin – immer wieder ließ sich Daimlers Edelsparte etwas Neues einfallen, doch es trieb die Verkaufszahlen nicht in die erwünschten Höhen. „Mit dem Facelift haben wir nun ein klares Zeichen gesetzt, dass es weitergeht“, bekräftigt Patrick Marinoff. Den Wagen mit seinen optischen Retuschen und neuen Ausstattungsmerkmalen stellte Daimler auf der Automesse in Peking zur Schau.

Imageprobleme in den USA und China

Die USA und China sind die wichtigsten Maybach-Märkte. Gerade in den USA waren die Hoffnungen groß, die Verkaufszahlen aber sind es bis heute nicht. Wie Insider berichten, stand die Positionierung von Anfang an unter keinem guten Stern. Die Idee, einen „Mercedes Maybach“ als Top of the line-Produkt einzuführen und damit die Daimler-Herkunft offensiv zu bewerben, wurde demnach zugunsten einer eigenständigen Marke abgelehnt. Der Maybach aber wurde von den Amerikanern eher als ein Auto wahrgenommen, dass „irgendwie wie eine S-Klasse“ wirkte.

Damit hat der Maybach, auch wenn er in einer anderen Liga spielt, das gleiche Imageproblem wie der VW Phaeton. Schon so mancher Erst-Reisende in Wolfsburgs Sonnenwagen stellte ahnungslos die Frage, was denn das für eine schicke Passat-Version sei. Andererseits gelten Phaeton-Piloten als hochzufrieden Besitzer ihres Autos: Der Gentleman genießt und schweigt.

Rettung kommt aus Fernost

Maybach setzt nun ganz auf China. „Das Land hat gute Chancen, in der nächsten Zeit unser wichtigster Absatzmarkt zu werden. Der nordamerikanische Markt hat gerade im Luxusbereich sehr stark auf die Krise reagiert, China dagegen hat weiterhin Wachstum gezeigt“, so Patrick Marinoff. Für die S-Klasse ist China bereits der wichtigste Markt geworden, und Limousinen mit langem Radstand sind im Luxussegment ohnehin ein Muss. Nicht umsonst haben sich sowohl Audi beim neuen A8 als auch BMW beim 5er beeilt, um rechtzeitig zur Automesse in Peking prestigeträchtige Langversionen präsentieren zu können.

Alternative Antriebe spielen im chinesischen Luxussegment dagegen keine Rolle. „Wir planen für den aktuellen Maybach keine Hybridversion“, beendet Technik-Chef Jürgen Weissinger Spekulationen, es könne mit einem Maybach Hybrid vielleicht eine Art Ökomobil de Luxe geben. Während im Daimler-Konzern der Trend in Sachen Hubraum und Zylinderzahl eher nach unten geht, kommt Downsizing für Maybach nicht in Frage: „Wenn sie ganz oben mitspielen wollen, brauchen sie einen Zwölfzylinder. Gerade in Ländern wie China ist das ein Statussymbol“, sagt Patrick Marinoff.

Daimler bekennt sich zu Maybach - vorerst

Ein extrem teures übrigens, denn weil der Wagen importiert werden muss, unterliegt er einer speziellen Luxussteuer und kostet den Käufer damit rund doppelt soviel wie in Deutschland. Der chinesische Kunde sei ein typischer „Impulskäufer“, sagt Patrick Marinoff, er würde die Autos am liebsten direkt aus dem Verkaufsraum fahren: „Sozusagen einpacken, Schleife drum, mitnehmen. Daher haben wir Fahrzeuge bereits für den chinesischen Markt vorkonfiguriert, und das heißt auch: Alles, was es an Ausstattung gibt, ist drin“, so Marinoff.

Von Daimlers Bekenntnis zu Maybach bestärkt, denken die Luxus-Strategen bereits vorsichtig über neue Modelle nach, etwa eine kleinere Limousine. „In diesem Bereich ist natürlich vieles denkbar, Rolls-Royce und Bentley haben es ja vorgemacht. Zunächst aber wollen wir das Image der noch jungen Marke Maybach aufbauen und nach oben weiterentwickeln. Diese Strategie haben wir auch mit dem Landaulet verfolgt, einem der exklusivsten Fahrzeuge, die es überhaupt in diesem Segment gibt“, so Marinoff. Diese Exklusivität könne man zu einem späteren Zeitpunkt durchaus für neue Modelle nutzen, doch momentan wolle man Maybach eher „noch weiter von Rolls-Royce absetzen.“

Es bleibt abzuwarten, wie lange man in Stuttgart noch am Prestigeobjekt Maybach festhält, wenn die Verkaufszahlen nicht steigen. Als Daimler in Peking die Kooperation mit dem chinesischen Autobauer BYD bekannt gab, kochte in einigen Medien jedenfalls heftig die Gerüchteküche: Die Chinesen hätten großes Interesse daran, das Luxus-Flaggschiff Maybach zu übernehmen. Patrick Marinoff winkt ab: Das sei allenfalls Wunschdenken bei den Chinesen. Auch Paul Lin, Marketing- und Export-Manager bei BYD, schüttelt den Kopf: Solche Pläne gebe es nicht.

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