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Insolvenz abgewendet Zulieferer Capricorn übernimmt Nürburgring

Autor / Redakteur: gr/gst / Michael Ziegler

Der Nürburgring hat wieder eine Zukunft. Nach langer Suche hat sich ein privater Käufer für die Rennstrecke gefunden. Auf dem Gelände abseits der Strecke soll ein „Technologiecluster“ entstehen.

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Neuer Eigentümer: Der Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn kauft den insolventen Nürburgring. Rund um den Ring soll ein „Technologiecluster“ entstehen.
Neuer Eigentümer: Der Düsseldorfer Autozulieferer Capricorn kauft den insolventen Nürburgring. Rund um den Ring soll ein „Technologiecluster“ entstehen.
(Foto: ADAC)

Der insolvente Nürburgring hat einen privaten Käufer gefunden. Nach mehrmonatigen Gesprächen mit Investoren haben die Sanierer der Rennstrecke, Geschäftsführer Thomas B. Schmidt und Sachwalter Jens Lieser, die legendäre Rennstrecke an einen Düsseldorfer Autozulieferer übergeben. Erwerber ist die neu gegründete Capricorn Nürburgring GmbH, deren Geschäftsführer Dr. Robertino Wild und Adam Osieka sind. Dahinter steht die Düsseldorfer Cabricorn Group. Der mittelständische Motorsport-Zulieferer produziert vor allem Kurbel- und Nockenwellen, Zylinderlaufbuchsen, Kolben und Pleuel.

Laut einer Mitteilung des neuen Eigentümers wechselt die Rennstrecke für 100 Millionen Euro den Eigentümer, wovon „bis zu 25 Millionen Euro für Investitionen in den Ausbau des Nürburgrings und seiner Peripherie sowie für die Entstehung eines neuen automobilen Technologieclusters vorgesehen sind“. Zuvor waren rund 330 Millionen Euro an Steuergeldern in den Ring geflossen. Die 1927 eröffnete insolvente Rennstrecke kommt erstmals in ihrer Geschichte in private Hände.

Wirksam wird der Erwerb der Vermögenswerte zum 1. Januar 2015. Damit bleibt die Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH in der laufenden Saison 2014 verantwortlich für das operative Geschäft. Capricorn hat sich nach eigenen Angaben ein Rücktrittsrecht für den Fall gesichert, dass das Unternehmen bei einem Bescheid der Europäischen Kommission über mögliche Beihilferückforderungen in Anspruch genommen werden würde.

Zukunft als Technologiecluster

Die Zukunft für das Gelände, das seit Sommer 2012 mit der Unsicherheit der Insolvenz der Betreibergesellschaft leben muss, soll die Ansiedlung von Automobil-Technikfirmen bringen. Von einem „Netzwerk mit Hochschulen und führenden Unternehmen aus dem Automobilbereich“ ist die Rede. Dagegen wird die für viel (Steuer-)Geld gebaute Partymeile „Grüne Hölle“ abgerissen und die erst kürzlich nach langem Stillstand gestartete Achterbahn Ringracer stillgelegt.

„Als begeisterter Motorsportfan ist der Nürburgring schon immer meine Leidenschaft gewesen. Wir haben das enorme Potential dieser einzigartigen Rennstätte erkannt und möchten bestehende Strukturen optimieren, aber vor allem die Vision eines Automobilen Technologie Clusters umsetzen“, sagt Robertino Wild, geschäftsführender Gesellschafter der Capricon Group. Bedenken, durch den Eigentümerwechsel würden die Tore des Rings für die Öffentlichkeit geschlossen, tritt Wild entgegen. „Der Nürburgring wird öffentlich zugänglich bleiben.“ Vielmehr wolle man Vertreter aus der Region über einen Beitrat einbinden.

„Verantwortung für die Menschen vor Ort und die Wahrung der Interessen in der Region sind der Schlüssel für einen nachhaltigen Erfolg. Sie sind der Grundstein für die neue wirtschaftliche Perspektive am Nürburgring. Geht es dem Nürburgring gut, dann geht es auch den Menschen in der Region gut“, fasst Adam Osieka, Geschäftsführer der Capricorn Nürburgring GmbH, zusammen.

Bisher ist die insolvente Nürburgring GmbH nahezu komplett im Besitz des Landes Rheinland-Pfalz. Das Areal umfasst seit einigen Jahren neben der Rennstrecke auch einen Freizeitpark und Hotels. Dafür hatte einst die landeseigene Investitions- und Strukturbank (ISB) ein Darlehen über 330 Millionen Euro gewährt. Weitere Hilfen waren direkt vom Land geflossen. Die Nürburgring GmbH hatte im Juli 2012 trotzdem Insolvenz angemeldet, nachdem Pachtzahlungen ausgeblieben waren.

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