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IBU, FMI und VDFI Zulieferer gehen auf Konfrontationskurs

| Autor / Redakteur: Josef Kraus / Bernd Otterbach

Bei den Automobilzulieferern stehen die Zeichen auf Sturm. Drei Verbände werfen den Herstellern öffentlich vor, nach dem Zusammenhalt in der Krise wieder auf Konfrontation mit ihren Lieferanten zu setzen. In Zeiten steigender Rohstoffpreise stehe die Zulieferkette vor einer erheblichen Belastungsprobe, heißt es.

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In der Krise lobten die Automobilhersteller die mittelständischen Automobilzulieferer noch als wichtigen Garant für Liefertreue, Qualität und Innovationsfähigkeit. Kaum dreht sich die Entwicklung wieder ins Plus, ist das vorbei, wie der Industrieverband Blechumformung e.V. (IBU), der Fachverband Metallwaren- und verwandte Industrien e.V. (FMI) und der Verband der deutschen Federn-Industrie e.V. (VDFI) gemeinsam mitteilen.

OEMs drücken Zulieferer beim Preis

Die OEMs drücken seit Wochen ohne Rücksicht die Preise und verlagern wirtschaftliche Risiken auf ihre Lieferanten, lautet der Vorwurf, ein Ende ist nicht in Sicht. Die nach wie vor mit den Folgen der Krise kämpfenden mittelständischen Automobilzulieferer stünden schon wieder mit dem Rücken zur Wand.

Bernhard Jacobs, Geschäftsführer des Industrieverbands Blechumformung, sagt: „Die positive Entwicklung der Automobilindustrie gehört nicht alleine den Herstellern und der Politik. Dass insbesondere die OEMs jetzt schon wieder an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen, ist nicht nachvollziehbar.“

Preisdruck ohne Rücksicht auf steigende Kosten

Das Vorgehen der Hersteller ist einfach, heißt es in der Mitteilung: ohne deutliche Preisnachlässe kein Auftrag. Diese Praktiken würden Einkäufer-Boni, Savings oder Ratio genannt; Ziel sei es, das Zulieferunternehmen maximal im Preis zu drücken – ohne Rücksicht auf die real steigenden Kosten bei Vormaterial, Personal und Energie.

Die Zulieferer müssen sich neue Aufträge also durch Nachlässe erkaufen – zum Teil müssen sie sogar selbst vor Auftragserteilung Zahlungen an die Hersteller leisten, die das sogenannte erwartete mehrjährige Ratiopotenzial widerspiegeln sollen. Zusatzleistungen der Lieferanten inklusive: Riss- und Restschmutzprüfungen beispielsweise setzten die Hersteller als kostenlose Dreingabe der Lieferanten heute oft wie selbstverständlich voraus.

„Rücksichtsloses Ausspielen der Marktmacht“

„Vertragskultur war gestern“, sagt dazu Werner Liebmann, Geschäftsführer des Fachverbands Metallwaren- und verwandte Industrien in Düsseldorf (FMI). „Wir haben nichts gegen einen Preiswettbewerb, der mit fairen Mitteln einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage herstellt. Wenn aber große Hersteller oder Systemlieferanten ihre Marktmacht nutzen, um Preise soweit zu drücken, dass die mittelständischen Zulieferer unter der Gewinnschwelle liegen, dann ist das aus unserer Sicht unverantwortlich.“

Die zumeist mittelständischen Unternehmen machen dieses Spiel trotzdem häufig mit. „Wir müssen unsere Kunden halten und können derzeit nur auf bessere Zeiten – und bessere Preise – hoffen“, sagt ein Manager eines mittelgroßen Zulieferers laut Mitteilung. Das Unternehmen brauche eine faire Partnerschaft, in der die Kunden die Existenz und die Kalkulation des Zulieferers im Angesicht stark steigender Materialkosten anerkennen und respektieren.

Automobilzulieferer in kritischer Situation

„Das fordern wir immer und immer wieder“, so der Manager. Die verständnisvollen Antworten der OEMs im Scheinwerferlicht von Preisverleihungen und ihr aggressives Handeln würden dabei diametral auseinandergehen.

Wie kritisch die Situation der mittelständischen Automobilzulieferer nach wie vor ist, zeigt eine Analyse der IKB (Downloadmöglichkeit am Ende des Artikels). Das Institut hat die Jahresabschlüsse 2009 und die Halbjahreszahlen 2010 vieler Branchenunternehmen analysiert.

Das Ergebnis: Die deutschen Automobilzulieferer haben 2009 tiefrote Zahlen geschrieben. Im Schnitt erzielten sie Verluste in Höhe von 2,6 Prozent des Umsatzes mit entsprechendem Substanzverlust auf der Eigenkapitalseite. Hinzu kommt laut der IKB-Analyse, dass offenbar einige Hersteller nach Überwindung der Krise den Preisdruck auf ihre Zulieferer wieder erhöhen.

Analyse zeigt Ausmaß der schlechten Zulieferer-Lage nicht komplett

Die Verbände merken hierzu an, dass die IKB in ihre Analyse in erster Linie die wirtschaftlich stärksten Branchenunternehmen einbezieht. Die Gesamtsituation der Branche dürfte sich nach ihrer Einschätzung deutlich negativer darstellen.

Wolfgang Hermann, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Federnindustrie, sagt: „Wir appellieren als Branchenverbände an die OEMs und die Systemlieferanten, die Stabilität der Zulieferkette dauerhaft zu erhalten. Kurzfristige Preisdrückerei gefährdet, was über Jahrzehnte aufgebaut wurde.“

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