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Elektronik Zulieferer wollen Geschäft mit Lichtprojektionen machen

Autor: Sven Prawitz

Lichtprojektionen sollen nicht nur die Sicherheit im Straßenverkehr erhöhen, sondern auch das Design einer Marke prägen. Osram Continental setzt stark auf diesen Markt und möchte von der steigenden Fahrzeuginszenierung profitieren.

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Großes Potenzial sieht Rosenauer in einer stärkeren Vernetzung der Scheinwerfer mit den Sensoren eines Fahrzeugs.
Großes Potenzial sieht Rosenauer in einer stärkeren Vernetzung der Scheinwerfer mit den Sensoren eines Fahrzeugs.
(Bild: Osram Continental)

In Lichtprojektionen liegt ein großes Potenzial. Mit dieser Botschaft warb der Zulieferer Osram Continental Mitte dieses Jahres bei potenziellen Kunden für seine Produkte. So könne es die Sicherheit im Straßenverkehr wesentlich erhöhen, beispielsweise ein Signallicht oder einen Hinweis eines Abbiegeassistenten auffällig zu projezieren, ist sich Michael Rosenauer, Leiter der Vorentwicklung bei Osram Continental, sicher: „Dynamische Projektionen werden von einem Betrachter wesentlich schneller wahrgenommen.“

In die Situation involvierte Personen würden dadurch schneller auf das Ereignis reagieren können. Bei den Frontscheinwerfern wäre laut dem Experten prinzipiell zweierlei besonders aussichtsreich: „Entweder werden sogenannte aktive Systeme mit LED-Mikromatrix eingesetzt oder passive Systeme mit Digital-Mirror-Device-Technik.“ Gerade die weiterentwickelte Technik der Mikrospiegel und der DLP-Bausteine (digital light processing) von Texas Instruments biete neue Möglichkeiten, so Rosenauer.

Hitzebeständige Silikonlinsen

Der Zulieferer kombiniert die Mikrospiegel mit seinen aus den bisherigen Lichtmodulen bewährten Silikonlinsen. Sie sind laut Rosenauer hitzebeständig und können deshalb sehr nah an der Lichtquelle platziert werden. „Auf diese Weise lässt sich ein großer Teil des erzeugten Lichts sammeln und nutzen, was wiederum den Wirkungsgrad erhöht.“

Ein weiteres Anwendungsgebiet von Projektionen ist die Begrüßung des Fahrers: „Wir sehen Potenzial für Anwendungen im Bereich der Fahrzeuginszenierung, beispielsweise für Welcome oder Leaving Home Lights und deren Erweiterung in den Innenraum.“ Künftig werde nach Rosenauers Einschätzung hinsichtlich Licht nicht mehr nach Front, Heck oder Interieur unterschieden. Um die Automarken stärker zu differenzieren, würden die Hersteller Licht zunehmend ganzheitlich betrachten.

Diese Entwicklung schreitet gerade rasant voran.

Auch wenn die Entwicklungsbudgets der OEMs spürbar verkleinert würden: „Grundsätzlich ist und bleibt Lichttechnik für die Automobilhersteller ein wichtiges Thema“, erwartet Rosenauer. Für Osram Continental gehe es deshalb darum, ebenfalls Kosten zu sparen. Helfen soll ein Produktbaukausten, der einen Großteil der Anwendungen abdecken soll. „Wir entwickeln nicht für jede Anwendung ein neues Produkt“, heißt die Devise.

Außerdem sei geplant, die Lichtmodule stärker mit der Fahrzeugsensorik zu vernetzen und darüber hinaus auf die neue Elektronikarchitektur moderner Autos anzupassen. „Diese Entwicklung schreitet gerade rasant voran“, stellt Michael Rosenauer fest. Und: „Grundsätzlich ist eine weiterentwickelte Elektronikarchitektur für künftige Lichtfunktionen in jedem Fall von Vorteil.“

Neues Bordnetz ein Vorteil

Profitieren möchte man von den echtzeitfähigen Funktionen und den besser vernetzten hochauflösenden Sensoren. Es gibt Optionen, Scheinwerfermodule an das Automotive Ethernet anzuschließen – schließlich arbeitet man mit Datenraten im Gigabitbereich. „Mit den neuen Elektronikarchitekturen werden wir schneller und synchron verschiedene Funktionen umsetzen können“, blickt der Chefvorentwickler positiv auf die neuen Möglichkeiten des Konzepts.

Gleichwohl macht Rosenauer kein Hehl daraus, dass der Automobilzulieferer durch die im neuen Bordnetz avisierte Trennung von Elektronik und Software Arbeitsumfänge verlieren könnte: „Es könnte sein, dass im Scheinwerfermodul lediglich Grundfunktionen für den Betrieb der Lichtquellen enthalten sein werden, während die einzelnen Lichtfunktionen auf einem höheren Level auf dem Server-PC integriert sind.“

Dennoch müsse auch künftig Elektronik im Scheinwerfer gewisse Aufgaben übernehmen; beispielsweise brauche es LED-Treiber für Failsafe-Funktionen. Großes Potenzial sieht Rosenauer in einer stärkeren Vernetzung der Scheinwerfer mit den Sensoren eines Fahrzeugs. Im Scheinwerfer verbaute Lidarsensoren könnten etwa einen Teil der ermittelten Rohdaten bereits vor Ort klassifizieren.

Mit den daraus entstehenden Objektlisten ließen sich dann mit dem Scheinwerfer gewisse Grundfunktionen schnell umsetzen. Oder: „Wenn Rohdaten in der Kamera klassifiziert werden, bevor diese an den Bus übermittelt werden, ließe sich diese Klassifizierung direkt in das Scheinwerfermodul übernehmen“, so Rosenauer. Das adaptive Licht könnte dann zum Beispiel eine Kurve bereits ausleuchten, bevor das Lenkrad eingeschlagen würde.

Hier arbeite man mit der Mutter Continental zusammen, um „die LED-Systeme so echtzeitnah wie möglich an die Straßensituation und das Umgebungsmodell zu koppeln“, so der Chefvorentwickler. Das Ergebnis seien deutlich schnellere Verarbeitungszeiten; beim blendfreien Fernlicht werde damit etwa die Dunkelzone um den entgegenkommenden Fahrer verkleinert.

Keine Zulassung in Sicht

Während die neuen Elektronikarchitekturen nun langsam in Serie gehen, ist bei den Lichtprojektionen noch nicht abzusehen, wann diese im Straßenverkehr zugelassen werden. Osram Continental benötigt dringend Erfolgserlebnisse. Das Gemeinschaftsunternehmen geht diesen Herbst in sein drittes Jahr. Medienberichten zufolge macht der Zulieferer Verluste. Ob Continental unter seinem Sparkurs weiter am Joint Venture festhalten wird, ist ungewiss. Auch über AMS, dem neuen Eigentümer von Osram, gibt es Gerüchte: Das Management wolle, dass sich Osram von Teilen seiner Automotive-Aktivitäten trenne, heißt es im „Handelsblatt“.

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 Sven Prawitz

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Technikjournalist