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Getrag Zwei Gänge für den E-Motor

| Autor / Redakteur: Jan Rosenow / Jan Rosenow

Der Zulieferer hat ein neuartiges Getriebe für Elektroautos entwickelt. »Automobil Industrie« hat den Getriebeprototypen exklusiv probefahren.

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Ein Fiesta in Köln – das ist alles andere als ungewöhnlich. Doch der unauffällige, dunkelgraue Kleinwagen, der vor der Zentrale von Getrag Ford Transmissions in der Domstadt parkt, ist kein Fiesta wie jeder andere: In den kompakten Ford hat der Getriebespezialist Getrag einen Prototypen für ein Getriebe eingebaut, das einen elektrischen Antriebsmotor und einen Range Extender auf besonders effiziente Weise zusammenbringen soll.

Heutigen Konstruktionen hat das Getriebe zweierlei voraus, erläutert Projektleiter Georg Hillebrand: Zum einen gibt der elektrische Fahrmotor seine Kraft über ein Zweigang-Schaltgetriebe an die Räder weiter. Dadurch lässt sich ein kleinerer Motor verwenden. Zweitens kann der Range Extender – ein Dreizylinder-Benziner mit 50 kW/68 PS – ebenfalls direkt die Räder antreiben. Damit liegt der Gesamtwirkungsgrad in dieser Betriebsart höher und der Generator, der die Batterie auflädt, kann kleiner ausfallen. „Unser Konzept eignet sich für Klein- und Kompaktwagen. Es soll vor allem bezahlbar sein und wenig Platz benötigen“, fasst Georg Hillebrand die Entwicklungsschwerpunkte zusammen.

Dynamisch auch mit wenig Leistung

Verstanden. In den kleinen Fiesta passen die zusätzlichen Komponenten jedenfalls sauber hinein, auch wenn die Lithium-Ionen-Batterie noch den gesamten Kofferraum ausfüllt. Doch erstens handelt es sich um einen handgefertigten Prototyp, und zweitens funktioniert das Konzept auch mit einem deutlich kleineren Stromspeicher, wenn der OEM das wünscht.

Doch nun steht die Probefahrt an, die »kfz-betrieb« ONLINE als erste Fachredaktion überhaupt durchführen darf. In den Prototyp hat Getrag einen E-Motor eingebaut, der mit 88 kW/120 PS Spitzenleistung höchst dynamische Fahrleistungen ermöglicht. Das macht richtig Spaß – doch mit einem Fingertipp auf den Touchscreen, der die komplexe Antriebseinheit steuert, drosselt Georg Hillebrand die Motorleistung auf 55 kW/75 PS und erntet erst einmal Unmut vom Fahrer.

Der erwünschte Lerneffekt tritt aber schnell ein. Als der Ingenieur mit einem zweiten Handgriff das Zweiganggetriebe aktiviert, zeigen die Mundwinkel des Testfahrers wieder nach oben. Im kurzen ersten Gang beschleunigt der Wagen nämlich trotz kastrierter Leistung dynamisch genug für flottes Fahren. Bei rund 30 km/h wechselt das Doppelkupplungsgetriebe dann in die zweite Fahrstufe.

Der Dreizylinder liefert nur die Grundlast

Nächste Lektion: Die Batterie ist zwar noch fast voll, doch natürlich kann Georg Hillebrand an seinem magischen Touchscreen auch das Gegenteil simulieren. Schon springt der Benzinmotor an. Seine Arbeit ist zwar außerordentlich gut zu hören – der nagelneue Ford-Dreizylinder, den Getrag für sein Projekt schon vor dem Serienstart nutzen durfte, läuft noch etwas rau – aber nicht zu spüren. Dabei speist er seine Kraft über eine Klauenkupplung direkt in das zentrale Getriebe ein und treibt so die Räder an. Allerdings liefert er nur eine „Grundlast“, während der E-Motor nach wie vor für die dynamischen Beschleunigungsvorgänge zuständig ist. Die zweite E-Maschine im Motorraum, ein kompakter 14-kW-Generator, kümmert sich derweil um den Ladezustand der Batterie.

In dieser Betriebsart läuft der sogenannte Range Extender damit als paralleler Hybrid, der aber einen höheren Wirkungsgrad aufweist als der serielle Modus, den etwa Opel beim Ampera bevorzugt.

Fazit: Mit seinem Konzept „Boosted Range Extender“ hat Getrag einen eigenen Weg gefunden, Elektroautos eine alltagstaugliche Reichweite zu verleihen. Besonders stolz sind die Konstrukteure auf die Kompaktheit der Antriebskomponenten und den hohen Gesamtwirkungsgrad im Range-Extender-Betrieb. Rund drei Jahre, so schätzt Georg Hillebrand, dürfte es noch dauern, bis der Antrieb serienreif ist. Über mögliche Kunden wollte sich der Projektleiter noch nicht äußern. Dass Ford die Entwicklung unterstützt hat, ließe keinen Rückschluss auf einen Serieneinsatz bei den kölnern zu – heißt es jedenfalls.

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