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Lancia Thema Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

| Autor / Redakteur: SP-X / Bernd Otterbach

Die Aufgabe ist ähnlich groß, wie die Autos, die derzeit von den USA gen Italien schippern: wie macht man aus einem eckigen Straßenkreuzer, eine elegante italienische Limousine? Lancia geht es an und der Versuch ist nicht strafbar.

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„Ich muss nur noch kurz die Welt retten“, tönt es derzeit immer wieder singend aus den Autoradios in Deutschland. Den Spruch haben sich die italienischen PR-Strategen anlässlich der Vorstellung des Lancia Thema geschenkt. Ansonsten geizten sie nicht mit Superlativen wie „einzigartig, formvollendet, großartig“, die unterstreichen sollen, dass die neue Mittelklasselimousine der Traditionsmarke wieder Maßstäbe bei Eleganz und Verarbeitungsqualität setzt.

Dem entsprechend hoch sind die Erwartungen als es an die praktische Erprobung des Italieners geht. Bekannt ist, dass es sich bei dem Thema um keine Neuentwicklung handelt, sondern der Chrysler 300 C nun unter italienischer Flagge formiert. Und es ist auch klar, dass der Amerikaner sich bisher weder durch Eleganz noch durch hervorragende Verarbeitungsqualität besonders hervor getan hat. Aber diese Schwächen sollen nun alle behoben sein.

Das Karosseriedesign wirkt zwar nicht mehr so bullig wie bei beim 300 C, aber ob es – gemessen an den sonstigen Lancia-Maßstäben – schon als elegant durchgeht, sei dahin gestellt. Die 5,07 Meter lange und 1,90 breite Limousine sieht zumindest auf den ersten Blick nicht übel aus. Kurze Überhänge, gute drei Meter zwischen den Achsen, 20–Zoll-Felgen sowie schöne Leuchten sorgen dafür, dass wir im Straßenverkehr von den anderen Verkehrsteilnehmern interessiert begutachtet werden.

Lancia bietet zum Markstart am 12. November drei Motoren an. Zwei Diesel und einen Ottomotor. Bei den Aggregaten handelt es sich um Sechszylinder. Die Diesel stammen von dem Fiat eigenen Zulieferer VM Motori, der 3,6-Liter-Ottomotor mit 210 kW/286 PS von Chrysler. Dieser verfügt über eine Achtgang-Automatik von ZF. Die Selbstzünder (140 kW/190 PS oder 176 kW/239 PS) sind noch an eine Fünfgang-Automatik gekoppelt. Im Laufe des nächsten Jahres erhalten sie aber auch das ZF-Getriebe.

Zu ersten Testfahrten stand nur der stärkere Diesel bereit, der in Deutschland der Volumenmotor sein wird. Er ist zwar kein Sportler, überzeugt aber durch Laufruhe und gelassene Kraftentfaltung. Kraft hat er mit seinem maximalen Drehmoment von 550 Nm genug.

Die vielen Ampelstopps während der Fahrt durch Turin ermöglichen eine eingehende Beschäftigung mit dem Interieur. Es zeigt sich, dass Anspruch und Wirklichkeit nicht kongruent sind. Die Armlehnen der Türen bestehen aus Leder. Das fühlt sich gut an. Leider ist aber der Übergang zur unteren Türverkleidung nicht sauber gearbeitet, zudem besteht die aus billig wirkendem Hartplastik. Der Deckel der großen Verstaubox in der Mittelkonsole ist ebenfalls mit Leder bezogen. Das kann aber nicht verbergen, dass die Schließmechanik rappelig und laut ist. Zudem dürfte der unter dem Lederbezug zum Vorschein kommende Kunststoff bei den Referenzfahrzeugen der deutschen Platzhirsche noch nicht einmal zur Abdeckung des Ersatzrades verwendet werden. Die Bezüge von Dachhimmel und Sonnenblenden sowie der Teppich im Kofferraum machen ebenfalls keinen hochwertigen Eindruck.

Nein, alles ist natürlich nicht schlecht. Fürs Geld gibt es vergleichsweise viel Ausstattung. Der ab 41.400 Euro erhältlich Thema verfügt ab Werk über ein ordentliches Komfortniveau mit Zweizonen-Klimaautomatik, 18-Zoll-Felgen, Ledersitzen und einer Rückfahrkamera. Die Topversion für 50.100 Euro bietet u.a. 20-Zoll-Felgen, beheizbare Rücksitze, Navi sowie eine kleine Auswahl an Assistenzsysteme wie Totwinkel-Warner oder Abstandsregelautomat.

Die Ledersitze sind komfortabel, die Instrumente sind schön gestaltet und das Platzangebot ist gut. Allerdings ist das Gepäckvolumen mit 462 Litern eher unterdurchschnittlich.

Rund 1.000 Lancia Thema – gut ausgestattet - hofft man jährlich in Deutschland verkaufen zu können. Dafür wäre es aber sicherlich hilfreich, wenn man bei Lancia/Chrsyler noch an der Qualitätssicherung arbeiten würde. Sparen könnte man hingegen bei der Verwendung von Superlativen.

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