Suchen

Genfer Salon Zwischen Luxus und Hausmannskost

| Autor / Redakteur: SP-X / Andreas Grimm, Andree Stachowski

Am Genfer See spiegelt sich derzeit die Zweiklassen-Gesellschaft im Automobilbau wieder. Auf der einen Seite Luxushersteller ohne Absatzsorgen, auf der anderen die kriselnden Volumenmarken.

Firma zum Thema

Auftakt in Genf: Am Dienstag stellten die Hersteller neue Produkte und Konzepte der Presse vor.
Auftakt in Genf: Am Dienstag stellten die Hersteller neue Produkte und Konzepte der Presse vor.
(Foto: United Pictures)

Besucher des Genfer Salons pendeln zwischen Aufstieg und Niedergang, zwischen Hoffnung und demonstrativer Gelassenheit. Hier die gebeutelten Autohersteller wie Opel, Renault, Fiat oder die PSA-Marken, dort die deutschen Premiummarken oder die Hersteller von Supersportwagen, die es sich in ihrer Nische gut gehen lassen. Überhaupt die Boliden: Sie bestimmen auf der Frühjahrsmesse das Bild. Dass die Exponate der Volumenhersteller da im Halbschatten stehen, hat nicht nur mit dem PS-Glanz der exklusiven Sportler zu tun, sondern auch mit einer gewissen Ideenarmut im bürgerlichen Lager. Eines zeigt der Rundgang deutlich: In der Breite fehlen die wirklich zukunftweisenden Neuvorstellungen.

Natürlich, die Massenmarken haben schwer mit der europäischen Pkw-Krise zu kämpfen. Mancherorts scheint man sich schon auf einen längeren Winterschlaf vorzubereiten. Statt Zukunftsvisionen vorzustellen wie noch zu Beginn des Jahrzehnts, geht es diesmal eher um die Festigung des Bestehenden beziehungsweise um das Ende des Verfalls. Oder um es mit dem neuen Opel-Chef Karl-Thomas Neumann zu sagen: „Wir sind nicht in der Lage, Geld zu verdienen, obwohl wir eine Million Autos verkaufen.“ Fiat und PSA drückt dasselbe Problem.

Experimente sind in dieser Situation vermutlich tatsächlich nicht erste Wahl im Management. Einen Großteil der 116 Premieren bestreiten daher Nachfolger bekannter Modelle. So etwa Volkswagens wichtigste Premiere, der Golf Variant. Die Neuauflage ist etwas größer, aber viel geräumiger und etwas praktischer geworden, verzichtet aber wie bereits die Limousine auf revolutionär Neues. Das kann man ihm genau so wenig vorwerfen wie dem ebenfalls neuen Skoda Octavia, der an seinem Erfolgsrezept mit großzügigem Raumangebot und preissensibler Bauweise festhält.

Evolution statt Revolution

Ergänzt wird das Volumensegment unter anderem durch Toyota Auris Touring Sports, Kia Carens und Nissan Note. Alles vernünftige Autos, ordentlich gemacht, aber klar der Tradition ihrer Vorgänger verpflichtet. Das Basisprogramm eines jeden Herstellers. Evolution statt Revolution lautet das verständliche Motto. Autos verkaufen, das sei in diesen Zeiten wirklich harte Arbeit, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer.

Nicht viel origineller mutet da der fortgesetzte SUV-Trend an, der nun auch die Klein- und Kleinstwagen erreicht hat. Eine ganze Reihe Crossover-Stadtflitzer feiern in diesem Jahr Premiere. Angefangen mit dem Peugeot 2008, über den Renault Captur und den Ford Eco Sport bis hin zu Mini-Mobilen wie der VW Cross Up und dem Fiat 500L Trekking. Die Zutaten beschränken sich in der Regel auf eine höher gelegte und etwas bulliger gestaltete Karosserie sowie Anbauteile in Matsch-und-Schlamm-Optik. Allradantrieb gibt es in den wenigsten Fällen.

Ein paar Premieren mit echtem Neuerungswert gibt es aber doch. Allen voran der erstmals aufgelegte BMW 3er GT, der Elemente von Kombi und Coupé vereint und so zum schnittigen Reisewagen in der Mittelklasse-Familie wird. Oder der Mercedes CLA, der das Coupé-Styling auf eine kompakte Limousine überträgt. Auch Opel verlässt mit dem Cascada seine ausgetretenen Pfade. Das Cabrio mit Stoffdach basiert zwar auf dem Astra, ist aber ein Nummer größer und eine Note edler. So wollen die Rüsselsheimer als Preisbrecher im Segment der großen offenen Viersitzer punkten, das aktuell fest in den Händen der Edelmarken ist.

(ID:38457660)