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Genfer Salon

Zwischen Luxus und Hausmannskost

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Was trotzdem fehlt, sind zukunftsweisende Modelle. Zwar hat VW nach jahrelanger Arbeit endlich eine Serienversion des Ein-Liter-Autos XL1 vorgestellt, gebaut wird der skurrile Leichtbau-Kleinwagen mit Diesel-Hybridantrieb aber nur in homöopathischen Dosen. Schwester Audi entdeckt mit dem A3 G-Tron den Erdgasantrieb neu, hat für das löchrige Tankstellennetz aber auch keine praktikable Lösung. Zwar stellen die Ingolstädter mit dem A3 E-Tron auch einen modernen Plug-in-Hybrid vor – auf den Markt kommt er aber erst in rund einem Jahr.

Konzeptauto und Chinesen-Schock

Somit stammt die originellste Lösung für die Verkehrs- und Umweltprobleme der Zukunft vom schweizerischen Konzeptauto-Spezialisten Rinspeed. Der Micromax bietet dank seiner neuartigen Steh-Sitze auf der Grundfläche eines Kleinwagens Platz für vier Personen und Gepäck. Der Antrieb erfolgt elektrisch, die Fahrzeuge sind untereinander vernetzt und können Staus umfahren. Eine Serienumsetzung allerdings wird es nicht geben.

Im Kampf gegen die aufflammende Langeweile im automobilen Neuheitenreigen kann da fast nur Qoros helfen. Die neugegründete chinesische Marke setzt zum Sprung nach Europa an und will gleich VW Golf und Co. ernsthafte Konkurrenz machen. Sieht man sich den professionellen Auftritt in Genf und die zumindest optisch gelungenen Fahrzeuge an, könnte das besser klappen als die bisherigen Versuche von Marken aus dem Reich der Mitte. Und ein kleiner China-Schock täte der Branche vielleicht sogar gut.

Exklusivität in minimaler Ausführung

Am Ende bleibt den Autoliebhabern doch nur der Weg zu den Edelmarken, um nicht das Gefühl für eine gute automobile Zukunft zu verlieren. Porsche, Bentley und Co. liefern sich einen Wettbewerb auf höchstem Niveau. Von der europäischen Absatzkrise ist man nicht betroffen, die Kundschaft sitzt in Asien und Osteuropa. Und sie muss gar nicht zahlreich sein. In der Mini-Auflage von drei Exemplaren hat etwa Lamborghini den ultimativen Sportwagen aufgelegt: Der Veneno ist ein 750-PS-Ableger des Aventador und bietet extrem aggressives Designs, brachiale Fahrleistungen und abenteuerlicher Preise. Jedes Mitglied des Produktions-Trios wird 3,6 Millionen Euro kosten. Der Veneno ist aber nicht nur ein Lockmittel für reiche Scheichs, sondern auch eine kleine Spitze gegen Ferrari.

Denn der Erzkonkurrent mit dem Pferd im Wappen stellt in Genf sein neues Top-Modell mit dem schönen Namen La Ferrari vor, den Nachfolger des legendären Enzo. Seit dessen Produktionsende 2004 ist bei Ferrari der Spitzenplatz in der Modellfamilie unbesetzt. Um den Thron in der Supersportwagenklasse wird der Italiener aber kämpfen müssen, steht doch in Genf mit dem McLaren P1 ein ernsthafter weiterer Anwärter bereit. Der 916 PS starke Hybridmotor-Brite hat im legendären F1 ebenfalls einen berühmten Ahnen. Komplettiert wird das Supersportwagenprogramm durch den Porsche GT3; die stärkste Saugmotorvariante des 911 ist aber trotz seines auffälligen Flügelwerks weniger Paradiesvogel als ehrlicher Rundstreckenarbeiter.

Und auch jenseits absoluter Sportlichkeit glänzen die Edel-Marken in Genf. Rolls-Royce stellt mit dem Wraith ein Coupé auf Basis des Einstiegsmodells Phantom vor, Ex-Schwestermarke Bentley hat die Luxuslimousine Flying Spur erneuert und zur schnellsten ihrer Art aufgerüstet.

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