Suchen

NAIAS

Zwischenbilanz in Detroit: Stars und Entschuldigungen

Seite: 2/3

Firmen zum Thema

Kein Heimvorteil für Chrysler

Die schwächste Vorstellung unter den Detroiter „Big Three“ gab Chrysler ab: Konzernchef Sergio Marchionne hatte nicht viel mehr als die neueste Generation des altbewährten Minivans zu bieten. Es darf als gesichert gelten, dass die „Pacifica“ genannte Raumlimousine – anders als ihr Vorgängermodell – nicht mehr unter dem altehrwürdigen Lancia-Label nach Europa kommen wird. Derzeit profitiert der Fiat-Chrysler-Konzern vom extrem niedrigen Ölpreis, doch die erfolgreichen Jeep- und Ram-Modelle sind die falsche Antwort auf die kommenden, dirigistischen Vorgaben zum Spritverbrauch.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 10 Bildern

GM zeigt den neuen vollelektrischen Bolt EV

Während Chrysler mit Technik von gestern antritt, liefert GM mit dem vollelektrischen Bolt EV den Beweis, dass in der E-Mobilität tatsächlich noch reichlich Potential steckt. Pfiffig gezeichnet, leistungsstark und mit hoher Reichweite könnte der Bolt den einen oder anderen Kunden von einem Wechsel überzeugen, zumal auch hier hohe Subventionen fließen, um den Kaufpreis auf ein akzeptables Niveau zu drücken. Eine Überraschung war das Coupé Avista, mit dem die Rentner-Marke Buick versucht, ihr Image aufzupolieren. Die auf der GM-Alpha-Plattform basierende Studie wirkt so gefällig wie uninspiriert; für die Schwestermarke Opel dürfte sie wenig Bedeutung haben. Der Cadillac-Stand wurde geprägt von der Limousine CT6 und dem Crossover-SUV XT5. Das Problem der Marke: Ein Exterieur-Design, das etwas angestaubt wirkt – und so fiel der CT6 als neues Modell kaum auf.

Lincoln setzt auf Luxus

Ganz im Gegensatz zum neuen Lincoln Continental, der schräg gegenüber als Serienmodell gezeigt wurde und ein Star der Messe wurde. Im Gegensatz zu Cadillac, wo der Schwerpunkt auch auf hoher Fahrdynamik liegt, setzt Lincoln auf eine traditionell amerikanische Form von Luxus. Und das kommt gut an: Mit seiner klassisch-konservativen Form, verspielten Details und opulentem Interieur zog der Continental wohlwollende Blicke auf sich. Etwas enttäuschend war der Stand bei Ford: Der Mondeo, der in den USA auf die Bezeichnung Fusion hört, bekommt ein Facelift und einen 330 PS starken V6-Turbomotor, der hoffentlich auch nach Europa kommt.

David gegen Goliath: Fisker triumphiert

Zu einem kleinen Triumph für den Designer Henrik Fisker wurde die Präsentation des Supersportwagens VFL Force 1 auf Basis des Dodge Viper. Im Vorfeld und aufgrund einer Skizze hatte Fiskers früherer Arbeitgeber Aston Martin per Klage versucht, den Messeauftritt des Force 1 zu verhindern; es handele sich, so die empfindlichen Briten, um ein Plagiat. Davon ist, nachdem die Öffentlichkeit den Force 1 in Augenschein nehmen konnte, keine Rede mehr; Aston Martin hat sich blamiert.

Hyundai und Kia in die Oberklasse

Mit europäischen Spitzenmanagern will Korea den Anschluss nach ganz oben schaffen. Albert Biermann, bis vor kurzem bei der BMW M GmbH im Sold, ist im Hyundai-Konzern für Hochleistungs-Themen zuständig; der frühere Lamborghini-, Seat- und Bentley-Chefdesigner Luc Donckerwolke dürfte in wenigen Jahren Peter Schreyer als Konzern-Designchef beerben. Unterdessen steht die Sub-Marke Genesis für den Sprung in die Luxusklasse. Was in Detroit unter der Bezeichnung G90 zu sehen war, ist allerdings kaum mehr als ein netter Versuch; das Design ist enttäuschend konventionell – bis auf die misslungene Proportion. Weitaus besser ist den Kollegen der Schwestermarke Kia ihre Geländewagen-Studie Telluride gelungen, die uneingeschränkten Premium-Charakter besitzt. Hoffentlich können sich die Koreaner zu einer Serienfertigung dieser vielleicht gelungensten Studie der Messe entschließen.

Einen Geländewagen wie den Telluride könnte man sich auch bei Volvo vorstellen, wo der S90 den Messestand dominierte. Die elegante, kühl gezeichnete Luxuslimousine leidet allerdings an ihrem eingeschränkten Motorenprogramm: Gab es den Vorgänger noch mit fünf, sechs oder acht Zylindern, so werkeln unter der Haube des S90 in allen Leistungsstufen wenig standesgemäße Vierzylinder-Aggregate.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43817878)