Leichtbau-Gipfel 2017

Magnesiumkomponenten: „Eine Nische in der Nische“

| Autor: Sven Prawitz

Ralf Anderseck, Geschäftsführer der TWI GmbH, beschreibt auf dem Leichtbau-Gipfel 2017 die Chancen für Magnesium-Komponenten in der Automobilindustrie.
Ralf Anderseck, Geschäftsführer der TWI GmbH, beschreibt auf dem Leichtbau-Gipfel 2017 die Chancen für Magnesium-Komponenten in der Automobilindustrie. (Bild: Stefan Bausewein)

Die TWI GmbH aus Dortmund will Magnesium als Werkstoff in der Automobilindustrie etablieren. Ralf Anderseck beschreibt in seinem Vortrag auf dem Leichtbau-Gipfel, was heute bereits möglich ist und dass die größten Hürden nicht im Bereich der Technik liegen.

Bei den Leichtbau-Werkstoffen liegt der Fokus auf Aluminium und kohlefaserverstärkten Kunststoffen – auch die Stahlindustrie optimiert ihre Produkte fortlaufend. Diese Werkstoffe haben für die Automobilindustrie den Vorteil, dass sie nicht nur etabliert sondern auch je nach Einsatzgebiet bezahlbar sind. Das im Jahr 2015 gegründete Dortmunder Unternehmen TWI will außerdem Magnesium als Leichtbau-Werkstoff im Auto etablieren. Geschäftsführer Ralf Anderseck und seine Mitstreiter, neben seinen Mitarbeitern sind das neun Unternehmen und Institute, wollen wettbewerbsfähige Prozesse und Magnesiumkomponenten entwickeln. „Uns ist wichtig, dass alle Prozesse für die Automotive-, aber auch alle anderen Industrien bezahlbar sind“, beschreibt Anderseck das primäre Ziel. Ein weiterer Meilenstein ist ein möglichst geringer CO2-Fußabdruck – TWI soll „langfristig nahezu CO2-neutrale Komponenten liefern können.“

Marktvolumen verschwindend gering

Als Anderseck zu Beginn seines Vortrags auf die bisherige Verbreitung eingeht wird klar, dass es noch ein weiter Weg sein wird: Das Marktvolumen von Magnesium lag nach seinen Angaben 2016 bei einer Million Tonnen. Verglichen mit Stahl (rund 1.600 Millionen Tonnen) und Aluminium (rund 55 Millionen Tonnen) ist das verschwindend gering. Bis 2020 soll sich die jährlich produzierte Menge an Magnesium verdoppeln – TWI erwartet dann ein globales Absatzvolumen für seine Produkte von rund 400.000 Tonnen. „Eine Nische in der Nische“, wie es Anderseck ausdrückt. Er grenzt die Einsatzgebiete klar ab, es gehe darum, einzelne Komponenten an die Automobilindustrie zu liefern und nicht darum, große Teile eines Fahrzeugs aus Magnesium herzustellen.

In den vergangen zwei Jahren hat man bei TWI intensiv an der technologischen Basis gearbeitet. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die komplette Prozesskette zu entwickeln“, beschreibt Anderseck seine Vision. Im Strangpressverfahren entstehen Bleche, die in einem verketteten Prozess direkt zu Produkten weiterverarbeitet werden. Das noch warme Material lässt sich so besser und ohne Kaltverfestigung verarbeiteten. Ein weiterer, noch wichtigerer Grund ist die einsetzende Korrosion, wenn Magnesium mit Stahl oder Aluminium kontaminiert wird. Um das zu verhindern braucht es spezielle oder zumindest angepasste Maschinen. Deshalb will TWI keine Halbzeuge vertreiben, betont Anderseck.

Schwierige Finanzierung

Um die komplette Prozesskette abbilden zu können, baut TWI gerade ein „Technical Center“ mit einer jährlichen Kapazität von circa 1.000 Tonnen. Der Diplom-Ingenieur Anderseck musste sich jedoch stärker um die Finanzierung seiner Projekte kümmern, als im lieb ist. „Die Banken scheiden für Innovations-Finanzierung für den Mittelstand aus“, lautet sein Fazit. Er musste sich über den amerikanischen Kapitalmarkt Gelder beschaffen, weil zudem die deutschen Risikokapitalgeber kein Interesse an seinem langfristig angelegten Projekt zeigten. „Ich hätte als Ingenieur viel lieber entwickelt. Aber in Deutschland sind die Probleme mit der Finanzierung sehr viel größer als die technischen“, sieht er große Risiken für die Innovationskultur im Mittelstand.

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