Nicht in Köln, sondern in Berlin begann vor 100 Jahren die Geschichte von Ford Deutschland. An der Spree ließ Henry Ford sein legendäres Model T montieren, ehe in Köln Baureihen wie Taunus, Capri und Fiesta die Marke Ford auf Platz drei im deutschen Zulassungsranking katapultierten. Heute aber kriselt es bei Ford-Pkw.
Seit 1930 kommen sie aus Köln – legendäre Ford Modelle wie das Model A und die Typen Köln, Taunus, Capri, Granada und Fiesta, aber auch der Scorpio.
(Bild: Ford)
Kurzarbeit und drohende Massenentlassungen in Köln, die Stromer Capri und Explorer zu wenig gefragt: Ausgerechnet zum 100. Gründungstag von Ford Deutschland trüben schlechte Nachrichten die Feierlaune. Dabei steht der Name Ford wie VW und Opel für die Geschichte bezahlbarer Volksautos. Gründungsvater Henry Ford gefiel sich in der Rolle des Visionärs, weshalb er das weltweit erste Fließband-Fahrzeug, das legendäre Model T, ab 1925 auch in Deutschland produzieren wollte. Ambitionen, die er mit einem Montagewerk im Berliner Westhafen inklusive Spreeanbindung realisierte.
Ein Fluss als billiger Transportweg war für Ford essenziell, und so konnte der Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer Henry Ford 1930 an den Rhein locken. Nach Fords Plänen sollten die Bänder in Niehl jährlich eine Viertelmillion Autos liefern – und damit das Dreifache der gesamten deutschen Autoproduktion jener Jahre. Auch wenn diese Zahlen Wunschdenken blieben, gelang Ford der Sprung auf Platz drei in der deutschen Pkw-Produktion. Mit beliebten Baureihen wie Taunus und Transit, später dann Escort, Capri, Granada, Fiesta, Mondeo und Focus, aber auch mit SUVs verankerte sich Ford in Deutschland als Massenmarke, und der Transit überholte sogar VW Bulli & Co.
Bei den Pkw gelang dem Ford Focus der größte Erfolg: Ende der 1990er avancierte der Kompakte zum meistverkauften Auto der Welt. Trotzdem endet die Karriere des Focus 2025, so wie zuvor schon Fiesta, Mondeo und andere Traditionstypen eingestellt wurden. Nach 100 Jahren verabschiedet sich Ford von der Rolle des Vollsortimenters, der US-Konzern will seine Kölner Tochter als „Electric Vehicle Center“ zukunftsfit machen. Vorerst aber fahren die Stromer Absatzprobleme ein.
Daran ändern auch die von Verbrennermodellen vertrauten Namen Mustang (Mach-E), Explorer, Capri und Puma (Gen-E) vorläufig nichts, die Autokäufer goutieren die elektrische Ford-Phalanx noch nicht genug. Der Kompakt-SUV Kuga bleibt ebenso wie der Puma mit Verbrenner beliebt, aber den Absturz von Ford auf unter 100.000 Einheiten und 3,5 Prozent Marktanteil in Deutschland im Jahr 2024 konnte dieses Duo nicht stoppen. Kaum zu glauben, dass sie in Köln einst über eine halbe Million gebaute Autos pro Jahr und 18,5 Prozent Marktanteil feierten, erstmals 1965, als das bundesdeutsche Wirtschaftswunder seinen Zenit erreichte und Ford sowohl VW als auch Opel unter Druck setzte.
Eine bemerkenswerte Entwicklung, an deren Anfang das Mitte der 1920er schon altehrwürdig wirkende Model T stand. Richtig los in großen Stückzahlen ging es für Ford deshalb erst in Köln – und das mit einem Ford namens Köln. Dieser Vorläufer des 1939 aufgelegten stromlinienförmigen Taunus zeigte sich in stilsicherer britischer Couture, denn der Ford Köln war letztlich nichts anderes als die deutsche Interpretation des britischen Ford Y.
Grundstein des Kölner Ford-Werks
„The German people will make a good job of it“, prophezeite der Automobil-Pionier Henry Ford 1930 zur Grundsteinlegung des Kölner Werks und die Rheinländer erfüllten die Erwartungen des Patriarchen. Als die Ford-Werke in Dearborn 1937 als global erster Hersteller die Produktion des 25-millionsten Fahrzeugs feierten, hatte die Kölner Filiale bereits ein wenig dazu beigetragen: 38.000 Pkw pro Jahr vom kleinen Vierzylinder bis zum bezahlbaren V8 bedeuteten Platz drei im deutschen Markenranking. Und der Taunus im Aerodesign, vom Volksmund liebevoll „Buckel“ genannt, sollte es noch besser machen, kam allerdings erst 1948, nach dem Zweiten Weltkrieg, richtig in Fahrt.
Da hatte Henry Ford II, der Enkel des Unternehmensgründers, bereits eine überraschende Entscheidung gefällt: Mit einem klaren „No!“ schlug er das Angebot der alliierten Siegermächte zur Übernahme des Wolfsburger VW-Werks aus. Lieber konzentrierte sich Konzernlenker Ford II auf den Wiederaufbau seines Kölner Werks und die Entwicklung des Taunus 12 M („Meisterstück“) mit markantem Weltkugel-Logo sowie den etwas stärkeren 15 M.
Wobei sich die 12 M/15 M-Designer genauso an Vorgaben aus Dearborn halten mussten wie die Entwickler des 1957 eingeführten Taunus 17 M (P 2) mit Panoramascheiben und Heckflossen im Hollywoodstyle. In jenem Jahr verkaufte Ford Deutschland erstmals über 100.000 Fahrzeuge pro Jahr – zum Kummer von Opel. Der Rivale aus Rüsselsheim drohte mit seinem Mittelklassemodell Rekord sogar ins Hintertreffen zu geraten, als Ford 1960 den 17 M (P 3) in avantgardistisch gezeichneter „Linie der Vernunft“ (Werbeslogan) präsentierte.
Stand: 08.12.2025
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Plötzlich fuhren die rheinischen „Meisterstücke“ ganz vorn mit, und der 1962 lancierte Taunus 12 M führte als erster die Kombination aus Frontantrieb und V4-Motor in die untere Mittelklasse ein. Ursprünglich als Ford Cardinal für den US-Markt konstruiert, mischte dieser V4-Taunus ganz Europa auf, typisch Ford auch als populärer Kombi „Turnier“. Das robuste V4-Triebwerk befeuerte sogar Modelle von Saab und Matra. Glanz und Größe in der Mittelklasse nach dem „Wohlstand-für-alle“-Motto des Mitte der 1960er amtierenden Bundeskanzlers Ludwig Erhard zum Ende des Wirtschaftswunders brachten im nächsten Schritt die preiswerten V6 im 20 M.
Fiesta als modernster Kleinwagen 1976
Nun avancierte Ford zur „Viel-Auto-fürs-Geld“-Marke, mit bezahlbarem Luxus in stattlichem Format, von 1972 bis 1984 im Granada gefeiert. Der Capri brachte es zum Megaseller unter den familientauglichen Sportcoupés, weder Opel Manta noch VW Scirocco konnten mithalten. Dagegen blieb der kompakte Escort (1968-2000) in der Auseinandersetzung mit VW Golf und Opel Kadett/Astra ewiger Dritter. Erst der Focus konnte global kurzzeitig die Führung übernehmen. Hinzu kam der Fiesta als 1976 weltweit modernster Kleinwagen und einzigartiges Kunstobjekt, das auf dem Dach des Kölner Stadtmuseums thront. Der stromlinienförmige Sierra (ab 1982) und der Scorpio (ab 1985) wagten anfangs erfolgreiche Avantgarde und inspirierten so neue Design- und Fahrzeugkonzepte wie den Kleinwagen Ka (ab 1996) im New Edge Design oder den großen Ford S-Max (ab 2006). Dessen Crossover-Konzept adaptierten später sogar Konkurrenten wie der Renault Espace. Nicht zu vergessen die mittelgroßen Familien- und Dienstwagenmodelle à la Ford Mondeo (ab 1993) oder Kuga (ab 2013) – Ford wusste scheinbar, wie Erfolg in Deutschland und Europa geht.
Flops gehörten trotzdem dazu, vor allem, wenn es sich um amerikanische Ideen handelte. So der Scorpio von 1995 in rundlichen US-Formen, der ausladende Van Windstar (1998) oder das aus den USA importierte Coupé Probe (1993). Auch der Name Explorer – heute schmückt er das erste in Köln gebaute vollelektrische SUV – stand seit den 1990ern für einen großen SUV, der sein Revier zwischen New York und Los Angeles fand und hierzulande kaum verfing. Trotzdem wollen sie in Köln mit amerikanischem „Adventurespirit“ in die vollelektrische Zukunft fahren, dafür steht seit 2021 auch der Mustang Mach-E. Immerhin: Der neue Capri zitiert den Namen seines 1,9-Millionen mal verkauften europäischen Vorfahren, und als SUV-Coupé versucht er wie einst Familien ins Herz zu treffen.