Fahrbericht Audi SQ6 E-Tron Sportback: Für zahlungskräftige Coupé-Fans

Von Tomas Hirschberger/SP-X 4 min Lesedauer

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Knapp ein Jahr nach dem SUV des Q6 E-Tron bringt Audi jetzt die Variante im Sport-Trikot. Obwohl der Q6 Sportback objektiv keine wirklichen Vorteile hat und mehr kostet, dürfte er besonders bei den deutschen Kunden gut ankommen.

Audi bietet den Q6 nun auch mit Coupéheck am.(Bild:  Audi)
Audi bietet den Q6 nun auch mit Coupéheck am.
(Bild: Audi)

Kein Mensch wird ernsthaft behaupten, dass High-Heels, Krawatten oder hautenge Röhren-Jeans besonders gemütliche Accessoires sind. Doch Mode muss nicht praktisch sein, sondern gefallen. Nicht anders ist zu argumentieren, dass bei den SUVs seit einigen Jahren das Fließheck heimisch geworden ist. Objektiv gesehen gibt es wenig Gründe, die für diese coupéhafte Karosserieform sprechen. Aber sie gefällt nun mal vielen.

Bei Audi hat der schnelle Rücken seit über 20 Jahren Tradition und heißt Sportback. Folgerichtig streift sich auch der Q6 E-Tron das sportive Trikot über. Weil Deutschland ein Sportback-Markt ist, erwartet Audi hier einen Anteil von 30 Prozent. Gegenüber der SUV-Version wurde beim Sportback die Dachlinie um 37 Millimeter abgesenkt, die A-Säule steht nun etwas flacher, ebenso die Heckscheibe, die in einer Abrisskante mit integriertem Spoiler mündet. Die dynamischere Form macht den Fahrer gefühlt gleich ein paar Jahre jünger und bringt ihn weiter. Dank eines minimal optimierten cw-Wertes von 0,26 (SUV 0,28) soll die elektrische Reichweite des Q6 Sportback um bis zu 30 Kilometer besser sein als beim SUV. Maximal sind laut Audi bis zu 657 Kilometer Reichweite drin.

Überwiegend großzügige Platzverhältnisse

Weitere Vorteile liegen im Auge des Betrachters, weniger in objektiven Messerwerten. Der Kofferraum schrumpft – zugegeben nur ein bisschen – um 15 Liter auf gut 500, bei den Allrad-Versionen raubt der zusätzliche E-Motor an der Hinterachse noch einmal zwölf Liter. Zusätzlicher Kleinkram sowie Kabel finden vorne unter der Haube in einem 64-Liter-Frunk Platz. Dann ist da natürlich der stylische Dachbogen, der für die hinteren Passagiere nicht wirklich vorteilhaft ist. Menschen über 1,85 Meter kann er ziemlich schnell auf den Geist gehen. Wer aufrecht sitzt, nimmt direkten Kontakt zum Himmel auf. Ansonsten sind die Platzverhältnisse großzügig und identisch zum SUV. Fast drei Meter Radstand schaffen hinten reichlich Raum für die Beine und luftige Verhältnisse vorne.

Dort ist nichts mehr, wie es mal war – und doch alles Audi. Perfekt und modern inszeniert. Mit super Sitzen, piekfeiner Verarbeitung, 14,5 Zoll-Curved-Display und einem vollgepackten MMI-Bedienkonzept. Das hat Audi zwar gründlich aufgeräumt, vieles aus den Untermenüs an die „Oberfläche“ geholt und einige wichtige Funktionen per Direktzugriff schnell anwählbar gemacht. Doch insgesamt wirkt das pralle Paket überladen und teilweise überfordernd. Wo war nochmal was? Und wie komme ich dahin? Die Generation Telefonwählscheibe wird Zeit brauchen, um mit dem System zu sympathisieren. Auch das von Augmented Reality gespeiste, hochmoderne Head-up-Display fordert Neueinsteiger: Tanzende Richtungspfeile und zig Fahrinformationen fliegen von allen Seiten ins Bild wie Insekten auf die Scheibe. Konzentration! Aber wie?

Vier Leistungsklassen

Den Q6 Sportback bietet Audi ab sofort in zwei Antriebsvarianten (Heck und Allrad), zwei Akkugrößen (83 und 100 kWh) sowie in vier Leistungsklassen an. Der heckgetriebene Basis-Q6-Sportback hat 185 kW, der Q6 Sportback Performance (Heckantrieb; 100 kWh) 225 kW und der Q6 Sportback quattro mit zwei E-Motoren 285 kW. Über allen thront der von uns gefahrene SQ6 Sportback quattro mit einer Systemleistung von 360 kW. Alle Versionen stehen auf der gemeinsam mit Porsche entwickelten PPE-Plattform und verfügen über ein 800-Volt-Bordnetz, das dank eines intelligenten Thermomanagements für sehr kurze Ladestopps sorgt. Wenn es die Säule hergibt, können Zellen mit bis zu 270 kW bestromt werden. Dann sind nach kurzweiligen zehn Minuten frische Ionen für weitere 265 Kilometer im Akku.

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Hinterm Steuer des Q6-Häuptlings lässt sich vielleicht über die Sinnhaftigkeit eines so muskelbepackten Elektro-SUVs streiten, nicht aber über die Performance. Der SQ6 ist ein Hammerteil und beherrscht jede Gangart. Gemütlich durch die City bummeln, Sprinten wie ein Weltmeister, dank Doppelverglasung extrem leise über die Autobahn fegen, als wäre der Teufel hinter ihm her. Es gibt vier Fahrprogramme, wobei „balanced“ den besten Kompromiss bietet und sich im Dynamikmodus ein ziemlich überflüssiger, digital erzeugter Sportsound zumischen lässt.

Exzellenter Fahrkomfort, mit Abzügen für die Lenkung

Exzellent unter allen Bedingungen ist der Fahrkomfort. Selbst mit den 21 Zöllern an allen Vieren des Testwagens. Einen entscheidenden Anteil daran hat die mit dem Q6 E-Tron eingeführte adaptive Luftfederung. Sie verfügt über ein passives Dämpfersystem, FSD genannt (Frequency Selective Damping). Je nach Fahrsituation passen sich die Dämpfer situativ in Millisekunden dem Fahrbahnzustand an, werden auf rumpeliger Straße weicher, in Kurven härter. Neben dem Komfortgewinn bleibt das Fahrzeug auch in dynamischen Fahrsituationen stets in einer austarierten, kontrollierten Lage mit geringer Seitenneigung.

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Förderlich für Balance und Kurvenlage ist der im Unterboden montierte Akku, der für einen tiefen Schwerpunkt sorgt und allein schon 590 Kilo wiegt. Insgesamt schwingt der SQ6 fast 2,4 Tonnen Wohlstand auf die Waage – die zumindest beim Fahren kaum ins Gewicht fallen. Beim Verbrauch sieht das anders aus: Unter 21 Kilowattstunden geht kaum was.

Wer unbedingt den Pickel am Po des SQ6 suchen möchte, findet ihn möglicherweise bei der Lenkung. Die reagiert zwar schnell und direkt, in Kurven muss man allerdings stets ein bisschen nachlenken und korrigieren. Ein bisschen nervig, aber nicht wirklich spielentscheidend.

Da dürften die Preise eher zum Spielverderber werden. 66.000 Euro kostet der Q6 im Sportback-Dress mindestens. Der SQ6 steht mit 107.000 Euro in der Liste. Damit sind sie jeweils 2.400 Euro teurer als der SUV.

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