Fraunhofer Autotür aus Magnesium
Die Fraunhofer-Allianz autoMOBILproduktion zeigt auf der Hannover Messe eine Autotür aus Magnesium, die eine ähnlich große Steifigkeit wie ihr Gegenstück aus Stahl bietet, jedoch um etwa 50 Prozent leichter ist. Zudem präsentieren die Forscher eine neue Klebtechnik, die ein schnelles Aushärten garantiert.
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Die Tür haben Forscher am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz entwickelt. Die Tür wiegt nur etwa 4,7 Kilogramm. Zum Vergleich: Die Stahlausführung bringt etwa 10,7 Kilo auf die Waage. „Magnesium ist weltweit in großen Mengen verfügbar, es lässt sich umformen und weist bei ähnlichen Strukturen – etwa einer Autotür – annähend gleiche Eigenschaften auf wie Stahl. Es hat beispielsweise eine vergleichbare Steifigkeit“, sagt Sören Scheffler, Gruppenleiter am IWU, zusammen. „Wir haben spezifische Umformtechnologien für Magnesium-Knetlegierungen entwickelt, damit sich der Leichtbauwerkstoff zukünftig serienmäßig für die Karosseriefertigung nutzen lässt.“
Insgesamt zeigen die Forscher etwa 40 neue Entwicklungen – und damit einen Auszug aus der kompletten Herstellungskette, also von der Planung bis zum lackierten Fahrzeug. „Die Schwerpunkte unserer Exponate liegen in den Themenfeldern Karosserie, Powertrain, Interieur, Fahrzeugmontage, Methodenkompetenz und Produktionsforschung für die Elektromobilität“, erläutert Lars Koch, Koordinator der Allianz.
Tauchgleitgeschliffene Alufelge
Beispielsweise zeigen die Forscher eine tauchgleitgeschliffene Alufelge. Beim Tauchgleitschleifen bewegt man die Felge durch eine Schüttung aus Schleifkörpern, die mit einer bestimmten Frequenz bewegt wird. Wie beim Schleifpapier verwenden die Hersteller zunächst grobe Schleifkörper und tauschen sie in mehreren Schritten gegen immer feinere aus. Obwohl das Gleitschleifen eine gängige Technik sei, mangele es bisher an klaren Vorgaben, so die Fraunhofer-Forscher weiter.
Mit welcher Frequenz müssen die Schleifkörper erregt werden? Auf welche Art und Weise bewegt man die Felge hindurch? Welche Geometrien und Formen der Schleifkörper eignen sich am besten? Forscher des Fraunhofer-Instituts für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK in Berlin untersuchen nun die theoretischen Zusammenhänge und erfassen sie systematisch.
Neue Klebtechniken
Auch durch den Einsatz von neuen Fügeverfahren lässt sich die Fertigung optimieren. Forscher des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen haben ein Klebverfahren entwickelt, das eine deutlich schnellere Fertigung erlaubt, etwa beim Frontglas eines Scheinwerfers. Ein herkömmlicher Klebstoff braucht mehrere Stunden, bis er durch die Luftfeuchtigkeit ausgehärtet ist – während dieser Zeit muss der Scheinwerfer fixiert werden.
„Wir nutzen einen Klebstoff, der zusätzlich durch Wärme aushärtet“, sagt Dr. Skupin, Forscher am IFAM. „Diesen erhitzen wir lokal mit einer Mikrowellenantenne, innerhalb von einer Minute härtet der Klebstoff aus und der Montageprozess kann weitergehen.“ Der neue Klebstoff ist bereits einsatzbereit.
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