Conti Batterie-Produktion angelaufen
Continental hat in Nürnberg mit der Serienproduktion von Lithium-Ionen-Batterien für Fahrzeuge mit Hybridantrieb begonnen. Das Unternehmen sei das weltweit erste, das mit der Produktion dieser Energieträger in Serie gehe, sagte der Vorstandsvorsitzende der Continental AG, Karl-Thomas Neumann, am Mittwoch. Pro Jahr könnten in Nürnberg bis zu 15.000 Batterien hergestellt werden.
Anbieter zum Thema
Am Standort Nürnberg investierte die Conti-Division Powertrain mehr als drei Millionen Euro in den Aufbau der Fertigung. Entwickelt wurde die Batterie in Berlin. Der neue Conti-Chef sprach von einem „Meilenstein in der Geschichte der Fahrzeugtechnik“.
Lithium-Ionen-Batterien (Li-Ion) als Energiespeicher der neuesten Generation bieten im Vergleich zu den derzeit noch in Hybridfahrzeugen eingesetzten Technologien (Nickel-Metallhydrid) eine deutlich höhere Speicherdichte. Die von Continental entwickelte Batterie wiegt etwa 25 Kilogramm und hat einen Platzbedarf von rund 13 Litern. Damit kann der Elektromotor mit bis zu 19 kW den Verbrennungsmotor unterstützen und so etwa beim Beschleunigen oder Anfahren erheblich Treibstoff sparen.
Kompletter Baukasten
Aufgeladen wird die Batterie beim Bremsen oder im Schubbetrieb. Diese Rekuperation wird durch die Leistungselektronik gesteuert. Sie gehört ebenfalls wie eine integrierte Start-Stopp-Automatik zum Leistungsumfang des Hybrid-Baukastens von Continental. In Serie eingesetzt wird die in Nürnberg produzierte Lithium-Ionen-Batterie inklusive der Hybridtechnik im neuen Mercedes S400 BlueHYBRID, der Mitte 2009 auf den Markt kommt. Die Oberklasselimousine mit Sechszylinder-Ottomotor erreicht dank der Technik einen Verbrauch von 7,9 Litern Superbenzin auf 100 Kilometer, dies entspricht einem CO2-Ausstoß von 190 Gramm pro Kilometer.
Der Einsatz der Lithium-Ionen-Technik im Automobil stellt besondere Herausforderungen. „Über den gesamten vom Automobilhersteller geforderten Lebenszyklus, und das sind mindestens zehn Jahre, muss die Batterie sicher und zuverlässig arbeiten“, betont Jörg Grotendorst, Leiter Business der Unit Hybrid Electric Vehicles der Continental Division Powertrain. Dafür sorgt Batteriemanagement, das den Energiespeicher so überwacht, dass sie sich jederzeit in einem optimalen Arbeitsbereich befindet. Die Elektronik prüft dabei Gesamtzustand, Temperatur und Energiemenge in Abhängigkeit vom Alterungszustand der Batterie, Sicherungsschaltungen sollen verhindern, dass der Energiespeicher beispielsweise zu heiß wird.
Zehnjährige Lebensdauer
Ein Cell Supervision Circuit (CSC) überwacht die einzelnen Zellen und sorgt für deren Zusammenspiel. Damit die Zellen nicht dauerhaft unterschiedlich stark belastet werden, gleicht der CSC den Ladezustand aller Zellen in der Batterie aneinander an. So soll die Lithium-Ionen-Batterien tatsächlich die geforderten zehn Jahre oder 160.000 bis 240.000 Kilometer Fahrleistung bei voller Funktionalität, Leistung und Sicherheit absolvieren. In aufwändigen Testzyklen seien die seit dem vergangenen Jahr in der Vorserie gefertigten Batterien künstlich gealtert worden, um einen mehrjährigen Einsatz im Fahrzeug zu simulieren, teilte das Unternehmen mit.
Produktionskapazität bei 15.000 Einheiten
Mit der Vorserienfertigung der Lithium-Ionen-Batterien begann Continental im vergangenen Jahr in Berlin, innerhalb von zwölf Monaten wurden dann im Werk Nürnberg die Anlagen für die Serienproduktion geplant und gebaut. Dafür investierte der Zulieferer einen Betrag von insgesamt rund 3,3 Millionen Euro. 23 neue Arbeitsplätze entstehen in Produktion und produktionsnahen Bereichen. Auf einer Fläche von rund 300 Quadratmetern können pro Jahr bis zu 15.000 Li-Ion-Batterien gefertigt werden. Die Produktionskapazität könne kurzfristig verdoppelt werden, so Conti weiter.
Bei der Produktion der Batterien werde dem Unternehmen auch das Know-How der Schaeffler-Gruppe zugutekommen, die rund die Hälfte der Conti-Aktien übernehmen will. „Zusammen werden wir zum herausragenden Anbieter werden“, sagte Neumann. Er gehe davon aus, dass im Jahr 2012 weltweit rund zwei Millionen Autos mit Elektro- oder Hybrid-Motoren auf den Straßen unterwegs sein werden.
(ID:271368)