Künstliche Intelligenz und Software beschäftigen die Automobilbranche. Wie sich das auf Entwicklungsdienstleister auswirkt und wie sie darauf reagieren sollten, beschreibt Jochen Bechtold von Capgemini Engineering.
Jochen Bechtold von Capgemini Engineering
(Bild: Alex Schelbert/wildcard.de)
Herr Bechtold, KI und GenAI erobern die Welt. Software und KI scheinen die Grundlage für erfolgreiche Unternehmen zu werden. Die OEMs ziehen viele Entwicklungstätigkeiten wieder inhouse zurück. Braucht es die klassischen Engineering-Dienstleister überhaupt noch?
Jochen Bechtold: In der Tat, künstliche Intelligenz hat es in Rekordzeit vom Fachthema in jedes Wohnzimmer geschafft. Ich bin überzeugt, dass diese neue Technologie enorme Chancen bietet: Sowohl für die Produktfunktion als auch für den Produktentwicklungs- und Produktionsprozess. Dies geht aus meiner Sicht Hand in Hand mit der fortschreitenden „Softwareisierung“ unserer Welt. War früher die Hoheit über den Antriebsstrang entscheidend, so rücken nun digitale Aspekte in den Fokus. OEMs müssen die Fahrzeugarchitektur beherrschen und die Hoheit über ihren Technologie-Stack, sprich die Software, besitzen.
Was bedeutet das für die Engineeringdienstleister?
Zunächst einmal bedeutet Hoheit über die Software vor allen Dingen, die Technologiechancen zu verstehen, die Architektur festlegen zu können und auf intelligente Weise mit Partnern zusammenzuarbeiten. Das heißt nicht, den Code jeder Komponente selber entwickeln zu müssen. Und hier liegt aus meiner Sicht Herausforderung und Chance für die Engineeringdienstleister, in einer Software-definierten Welt von morgen einen wertschöpfenden Beitrag zu leisten.
Vielfach konnte man den Eindruck gewinnen, dass im Zuge des Software-Hypes die klassischen Tugenden der Automobilentwicklung und Produktion an Bedeutung verlieren. Dies ist in meinen Augen schlichtweg so nicht korrekt. Auf technischer Ebene sehen wir, gerade im Zusammenhang mit Elektromobilität, viele Innovationen in der Konstruktion, welche nicht nur zu gesteigertem Kundennutzen, sondern auch zur rationelleren Produktion führen. Capgemini Engineering hat etwa im Bereich Batterieentwicklung und Zellfertigungskompetenz erheblich investiert. Ebenso hört der Fortschritt bei den Produktionstechnologien und -systemen nicht auf. Egal ob nachhaltige Materialien, Leichtbau oder Funktionsintegration: Die Entwicklung muss hier weitergehen. Ausgehend vom bisherigen Elektronik- und embedded-Systems-Know-how müssen Ingenieursdienstleister nun neue Softwarekompetenzen aufbauen, welche High-Performance-, Edge und Cloud-Computing Aspekte umfassen.
Welche Veränderungen für die Wertschöpfung bringt dieser Shift für die Branche?
Der technologische Wandel ist im vollen Gange und die großen Spieler der EDL-Branche nehmen diese Entwicklungen durchaus dankend an. Aus eigener Erfahrung sehe ich, wie nun die verschiedenen Kompetenzen der Capgemini Gruppe – Stichworte Strategieberatung, Cloud-Computing, Data Analytics und Produktentwicklung – immer öfter gemeinsam zum Erfolg von Kundenprojekten beitragen. So arbeiten wir nicht nur an der Produktentwicklung selbst, sondern können auch gemeinsam die notwendige IT-Infrastruktur, die Applikationen und die Prozesse aufbauen. Schlussendlich führt dies zu einer tieferen Integration in die gemeinsame Wertschöpfungskette mit unseren Kunden.
Was ändert sich derzeit und konkret?
Die Herausforderungen unserer Zeit – seien es politische Krisen und Handelsbeschränkungen, hoher Wettbewerbsdruck durch neue Spieler, technologische Umbrüche, die Anforderungen neuer gesetzlicher Maßnahmen oder sich rasch wandelnde Kundenanforderungen – haben Spuren in den Bilanzen vieler Unternehmen hinterlassen. Der Transformationsdruck ist hoch und genauso steht die Kostensituation im Fokus. Für die Branchengrößen gilt es, Schlüsselpartner zu bestimmen und auch neue Kollaborationsmethoden zu implementieren. Auch wenn es abgedroschen klingt: Hier darf der Automobilist von den erfolgreichen Modellen der Software- beziehungsweise Hightechbranche lernen. Denn ohne strategische Skalierungspartner wären die Konzerne aus dem Silicon Valley nur schwer in der Lage, ihr Innovationstempo zu halten.
Langfristige Kooperation mit wenigen Partnern? Das wird der Einkauf aber nicht gerne hören?
Bisher galt immer „neutral ausschreiben, viele Mitbewerber, gute Preise“ – und für einfache Serienteile ist dieses Modell sicher auch in Zukunft relevant. Aber im Zuge der Transformation zeigt die Praxis, dass es sinnvoller ist, sich für missionskritische Aufgaben auf eine kleine Anzahl von strategischen Schlüsselpartnern zu konzentrieren.
Diese bringen nicht nur spezifisches Know-how mit, sondern haben auch eine kritische Größe, um Projekte global arbeitsteilig abwickeln zu können. Das bedeutet: Der weltweite Zugriff auf Ressourcen – wie bei uns in Europa stark nachgefragte Softwareentwickler – erlaubt eine rasche Skalierung von Projekten. Viele OEMs haben Softwarezentren etwa in Portugal, Indien oder China errichtet.
Der Wandel zu softwarezentrierten Unternehmen war für die Autobranche bisher herausfordernd. Was muss die Branche verbessern?
Es geht nicht nur darum, neue Fähigkeiten wie Softwareentwicklung und Chiptechnologien zu erlernen. Ebenso wichtig ist es, seine Organisation und Prozesse auf Tech-Company-Niveau zu heben. Dabei hat die Branche durchaus noch Nachholbedarf. Aus unserer Beratungstätigkeit sehen wir bei unseren Kunden eine hohe Lern- und Veränderungswilligkeit. Dazu gehört eine laufende Optimierung der Prozesslandschaft, aber auch die Einführung von neuen Entwicklungswerkzeugen – Stichwort Cloud-native-Development und virtuelle Software-Entwicklungsplattformen. Dies sind schöne Beispiele, denn es konvergieren verschiedene Fähigkeiten aus der Capgemini-Gruppe: Man denke an Know-how zur ECU-Virtualisierung, Software-Prozesskompetenz und Implementierung von cloudbasierten Plattformen zu einer leistungsfähigen Kundenlösung. Für uns hört die Softwarezentrierung aber nicht bei der Produktentwicklung auf, wir engagieren uns stark im Bereich der softwaregetriebenen Fertigung. Dadurch sind große Effizienzsteigerungen im Produktionsprozess möglich. Ich bin überzeugt, dass diese Kompetenz von Capgemini in Sachen Software-Defined-X und AI zu wichtigen Schlüsselelementen unseres Kundenerfolges werden wird.
Jochen Bechtold
ist seit 2023 Managing Director von Capgemini Engineering in Deutschland. Der studierte Wirtschaftsingenieur und Manager ist seit 19 Jahren in der Capgemini-Gruppe tätig. Zuvor war er in Positionen innerhalb der Beratungseinheit, heute Capgemini Invent, tätig und begleitete Kunden in der Transformation der Bereiche Engineering, Operations, Supply Chain und Logistik. Ab 2018 war er für den Geschäftsbereich Manufacturing & High-Tech von Capgemini in Deutschland verantwortlich.
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Stand: 08.12.2025
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