Volkswagen

Die Hintergründe der Abgas-Manipulation

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Volkswagens untaugliche Nachbesserungen

Ganz überraschend kam das Untersuchungsergebnis der US-amerikanischen Behörden freilich nicht auf den deutschen Hersteller zu. Bereits im Jahr 2014 hatte das ICCT die amerikanische Umweltbehörde EPA auf die hohen Emissionswerte des Vierzylinder-TDI hingewiesen. Der Hersteller hatte daraufhin eigene Tests durchgeführt, um die technischen Gründe für diese Probleme zu identifizieren. Daraufhin löste VW einen freiwilligen Rückruf seiner Dieselfahrzeuge von Baujahr 2009 bis 2014 aus, der sowohl die Generation 1 (mit Speicherkat) als auch die Generation 2 (mit SCR-Kat) betraf. Ein Software-Update sollte die unzureichende Arbeit der Abgasreinigung beheben – tat dies aber offenbar nicht.

Ergänzendes zum Thema
Kommentar von AI-Chefreporter Jens Meiners

Amerikanischer Alptraum

Eine öffentliche Fehde mit den Behörden ist so ziemlich das letzte, was Volkswagen auf dem US-Markt derzeit benötigt. Die Marke kämpft seit Jahren darum, aus der Nische zu kommen; die Investitionen in ein US-Werk und in marktspezifische Produkte belegen, wie ernst es die Wolfsburger meinen. Konzernchef Martin Winterkorn gilt als USA-Fan.

Nun ist der sprichwörtliche GAU eingetreten: Die mächtige Umweltbehörde EPA will Beweise dafür haben, dass VW bei der Zertifizierung verschiedener Diesel-Modelle unsauber gespielt habe. Die Software sei ertüchtigt worden, Testzyklen zu erkennen; unter normalen Fahrbedingungen lägen die Emissionen höher.

Schon übt sich VW in tiefer Demut: "Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben", ließ Konzernchef Martin Winterkorn am Sonntag verlauten. Dabei dürften unschoene Erinnerungen mitschwingen: In den 80er-Jahren war in den USA behauptet worden, dass sich die C3-Baureihe von Audi auf mysteriöse Weise und ohne Zutun des Fahrers von alleine in Bewegung setze. Audi kämpfte um seine Ehre und für den gesunden Menschenverstand; am Ende der jahrelangen Kampagne behielten die Ingolstädter recht, doch der Marktanteil war auf ein Bruchteil zusammengeschrumpft.

Noch sind längst nicht alle Fakten auf dem Tisch. Klar ist, dass VW bereits seit über einem Jahr mit der kalifornischen Umweltbehörde über Probleme bei der Zertifizierung in Diskussion stand. Die technischen Details und die rechtlichen Implikationen sind keineswegs eindeutig, zumal VW nicht der erste Hersteller ist, dem vorgeworfen wird, seine Antriebe auf spezifische Testkonfigurationen hin zu optimieren.

Sollten sich die Vorwürfe allerdings im Kern bewahrheiten, wird der Konzern erklären müssen, wieso ein derartiges PR- und Marketing-Desaster in Kauf genommen wurde. Denn unter der Affäre leidet nicht nur VW, sondern jeder Hersteller, der in den letzten Jahren - mit guten Gründen - auf den Dieselantrieb gesetzt hat. Die Gegner des Selbstzünders malen bereits das Schreckbild der umweltzerstörenden Dreckschleuder an die Wand; die Umweltbehörde spricht gravitätisch von einer "Gefährdung der öffentlichen Gesundheit".

Eines ist bereits jetzt klar: Die US-Offensive von Volkswagen könnte unter keinem ungünstigeren Stern stehen.

Ein Nachtest des California Air Resources Board im Mai 2015 zeigte, dass die NOx-Emissionen immer noch deutlich höher lagen als erwartet. Nach Angaben der kalifornischen Umweltbehörde hatte der Hersteller zwar die Einspritzmenge des Reaktionsmittels in den SCR-Kat erhöht, allerdings half das nicht, die Probleme zu lösen. Weitere Untersuchungen folgten – auch an den neuen Fahrzeugen mit dem SCR-Abgassystem der Generation 3. Schließlich knickte der Hersteller den amerikanischen Behörden gegenüber ein und gab zu, dass eine spezielle Software in den Fahrzeugen verwendet wurde, die eine volle Funktion der Abgasreinigung nur während eines Prüfstandslaufs zuließ und die in den Zertifizierungsunterlagen nicht erwähnt war.

Das Nachrichtenmagazin Der Spiegel hat zum Thema umfangreich erläutert, wie die Manipulation genau stattgefunden hat.

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