Peter Mehrle, CEO Akkodis Germany, über die Erwartungen an das Jahr 2025, den Entwicklungsstandort Deutschland, die notwendige Diversifizierung des Geschäfts, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der EDL-Branche.
Interview mit Dr. Peter Mehrle, CEO von Akkodis Germany
(Bild: Akkodis)
Herr Dr. Mehrle, wie lautet Ihre Bilanz für die Akkodis Germany mit Blick auf das Geschäftsjahr 2024?
Peter Mehrle: Es war ein bewegendes Jahr – auf vielen Ebenen. Die anhaltende Transformation in der Automobilindustrie ging auch an uns nicht spurlos vorüber. Der hohe Preisdruck und das sehr wettbewerbsintensive Umfeld führte in dem Sektor zu Umsatzrückgängen. Teilweise konnten wir fehlendes Automotive-Geschäft mit gezieltem Wachstum in anderen Industrien kompensieren. Dank des Engagements und der Kompetenz unserer Teams haben wir uns insgesamt gut im Marktumfeld behauptet. Das macht mich optimistisch für das, was vor uns liegt.
Ende September 2024 eröffnete der Innovationshub von Akkodis in Wolfsburg. Haben sich Ihre Erwartungen an den neuen Standort seither erfüllt?
Ein Ziel war es, mit dem neuen Innovationshub unsere Aktivitäten in Wolfsburg und Umgebung zu bündeln. Das ist uns gut gelungen und wird von den Kunden entsprechend wahrgenommen und honoriert. Auf der anderen Seite ist das Marktumfeld in Wolfsburg aktuell besonders herausfordernd und der Standort dementsprechend nicht wie geplant ausgelastet. Wir prüfen derzeit verschiedene Aktivitäten, zum Beispiel ob wir weitere Partner mitreinholen. Hierzu haben wir das Projekt „Workspace Connect“ ins Leben gerufen, das Unternehmen mit zukunftsgerichteten Visionen in einem kreativen Arbeitsumfeld zusammenbringen soll.
Wie sind Sie in das Jahr 2025 gestartet? Gibt es erste Anzeichen, dass die OEMs wieder verstärkt investieren?
Bei unserer Planung im vergangenen Jahr sind wir für 2025 von einer früheren Markterholung ausgegangen. Die US-Zollpolitik und die Reaktionen darauf haben jedoch für neue Unsicherheiten im Markt gesorgt. Investitionen werden weiterhin zurückgehalten. Mittelfristig bin ich jedoch optimistisch. Die Autohersteller müssen aktualisierte Produkte auf den Markt bringen, weshalb der Bedarf an unserer Digital-Engineering-Expertise steigen wird.
Wie begegnen Sie dem hohen Preisdruck?
Zum einen mit einer optimierten globalen Ressourcenverteilung über unsere internationalen Entwicklungsstandorte. Zum anderen sehen wir große Effizienzsteigerungen und damit Kostenvorteile in der Automatisierung unserer Entwicklungsumfänge – etwa durch den Einsatz von KI-Tools in der Konstruktion und im Software-Coding.
Welche Entwicklungsdienstleistungen sind am Standort Deutschland noch möglich?
Grundsätzlich alle. Die KI bietet hier neue Chancen. Die Frage ist, baue ich ein Konstruktionsteam zum Beispiel in Indien auf oder automatisiere ich die Konstruktionstätigkeiten hierzulande und halte das Team in Deutschland. Zudem holen aufgrund der geopolitischen Entwicklung einige Unternehmen auch wieder Themen zurück nach Deutschland, etwa um Kernkompetenzen zu wahren. In jedem Fall verbleiben in Deutschland die Steuerung der Leadfahrzeuge oder der Europa-Varianten, das fahrzeugnahe Testing, der Prototypenbau und die Inbetriebnahme.
In welchen Regionen rechnen Sie mit einem überdurchschnittlichen Wachstum?
Grundsätzlich sehen wir Wachstumspotenziale in den Ländern, in denen die Bevölkerung und der Wohlstand zunehmen. China, Indien und Südamerika werden insofern Wachstumsmärkte für unsere Kunden bleiben. Grundsätzlich sind wir, nicht zuletzt auch durch unsere Mutter „The Adecco Group“, geografisch weltweit vertreten und können in allen Regionen der Erde bei Bedarf schnell hochfahren. In China etwa sind wir in den vergangenen Jahren sehr stark gewachsen. Heute beschäftigen wir dort 800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Je 50 Prozent des Geschäfts generieren wir mit internationalen und lokalen OEMs.
Wie viel Prozent Ihrer Umsätze erzielen Sie noch mit Automotive-Kunden? Muss die Diversifizierung Ihres Geschäfts weiter zunehmen, um zu wachsen?
Unser Umsatzanteil mit der Automobilindustrie liegt aktuell zwischen 60 und 70 Prozent. Als ich vor drei Jahren an die Spitze der Akkodis Germany kam, waren es noch annähernd 90 Prozent. Das zeigt, dass die Diversifizierung des Geschäfts schon lange eine strategische Säule von uns ist – einer unserer größten Kunden kommt zum Beispiel aus der Luftfahrt. Durch das schwache Automobilgeschäft haben wir unseren Vertrieb in Richtung anderer Industrien verstärkt. Zum Beispiel werden auch im Defense-Bereich viele unserer Kompetenzen gebraucht – und Offshoring funktioniert dort nicht. Energy & Clean Technology, Life Sciences & Healthcare, Aerospace und der öffentliche Sektor sind weitere Zielbranchen für uns. Des Weiteren vereinen wir eine hohe Technologie- und Engineering-Expertise im Bereich Smart Industry. Und wir verfügen über eine sehr hohe IT-Dienstleistungs-Kompetenz.
Um künstliche Intelligenz voranzutreiben, ist Akkodis jüngst der IPAI-Community beigetreten. Was versprechen Sie sich von diesem Engagement?
Gemeinsam stark: Um künstliche Intelligenz voranzutreiben, ist Entwicklungsdienstleister Akkodis der IPAI-Community beigetreten.
(Bild: Akkodis)
Die Akkodis-Gruppe entwickelt sich zu einer „AI-First Company“ mit KI als durchgehend verfügbares Unterstützungsinstrument für den Menschen. Meine Prognose lautet: Nicht die KI wird unsere Jobs wegnehmen, sondern die Menschen, die mit KI umgehen können – weil KI-Tools uns helfen werden, effizienter zu entwickeln und zu produzieren.
Von der IPAI-Community erwarten wir uns einen besseren Austausch mit Partnern und anderen Unternehmen, die auch an KI-Projekten arbeiten, sowie mit Experten aus Wissenschaft und öffentlichen Institutionen. Gemeinsam wollen wir die besten Talente und modernsten Technologien nutzen, um globale Herausforderungen zu meistern und neue Maßstäbe in der KI-Entwicklung zu setzen.
Welche Potenziale sehen Sie konkret im Einsatz künstlicher Intelligenz in der Entwicklung?
Wir verwenden KI-Tools schon seit vielen Jahren unter anderem beim Konstruieren, im Testing, in der Software-Entwicklung oder beim sogenannten Requirement Engineering, also der Bearbeitung von Anforderungen unserer Kunden. Mit „Akkodis AI-Core“ haben wir zum Beispiel eine modulare Plattform entwickelt, die den sicheren Einsatz von Machine-Learning-Methoden und generativer KI im Fahrzeugkontext ermöglicht.
Welche Projekte haben für Akkodis Germany im Jahr 2025 die höchste Priorität?
Die Automobilindustrie wird auch in diesem Jahr von der Transformation geprägt sein. Hier wollen wir mit unseren Vertriebsteams proaktiv auf die Kunden zugehen und ihnen attraktive Lösungen anbieten. Dadurch, dass die OEMs ihre vertikale Integration ausbauen, werden Dienstleister wie Akkodis verstärkt als Systemintegrator und Gesamtfahrzeugentwickler benötigt. Wir investieren sehr stark in diese beiden Bereiche, nicht zuletzt auch, weil dort die Auftragspakete größer werden. Branchenübergreifend treiben wir die Themen KI, Digitalisierung und Diversifikation weiter voran.
Vor knapp zwei Jahren haben Sie auf der IAA Mobility mit dem eigens entwickelten Urban Lifestyle Vehicle für große Aufmerksamkeit gesorgt. Was haben Sie dieses Jahr für München geplant?
Tino Glatzel (links), Vice President Automotive & Transportation, Akkodis Germany und Dr. Peter Mehrle (rechts), CEO Akkodis Germany im eigens entwickelten Urban Lifestyle Vehicle
(Bild: Akkodis)
Wir werden mit unseren Technologie-Experten und Vertriebsteams vor Ort sein und sehr aktiv in viele Gespräche mit den Kunden gehen. Einen eigenen Stand haben wir dieses Mal nicht, wenngleich es einige attraktive Show Cases zu zeigen gäbe. Etwa unser autonomes Unterwasserfahrzeug „Greyshark“ zur Überwachung und den Schutz kritischer Infrastrukturen. Als Spezialisten für die Energieversorgung haben wir maßgeblich zur Entwicklung des Batterie- und Brennstoffzellensystems beigetragen.
Mit welchen Leistungen sehen Sie eine besonders gute Perspektive für die Unternehmensentwicklung der Akkodis?
Im Digital Engineering sehen wir einen deutlichen Anstieg der F&E-Ausgaben – global und in Deutschland. Unter dem Konzept der „Smart Industry“ kombinieren wir die Entwicklung physischer Produkte mit fundierter Software- und Digitalisierungskompetenz. So schaffen wir integrierte Lösungen, bei denen Hardware, Software und Cloud-Anwendungen nahtlos zusammenwirken.
Eine weitere Stärke von Akkodis sind die Themen Systemintegration, End-of-Line-Testing sowie Verifikation und Validierung des gesamten Systems. Wie gesagt, hier kommt uns entgegen, dass die OEMs ihre vertikale Integration ausbauen – denn dafür braucht es Partner, die Entwicklungsexpertise über Systemgrenzen hinweg mitbringen.
Zum Abschluss ein Blick auf die EDL-Branche als Ganzes: Was sind hier aktuell die großen Themen mit Blick auf Kompetenzen, Akquisitionen, Diversifizierung etc.?
Die Konsolidierung bei den Kunden und in der EDL-Branche wird weitergehen. Außerdem fordern die Kunden von den Engineering-Dienstleistern zunehmend eine globale Präsenz: Global denken, global zusammenarbeiten, global betreuen, lautet die Prämisse. Ein Grund, weshalb wir unseren globalen Lieferverbund in den vergangenen Jahren noch einmal gestärkt haben. Hinzu kommt die notwendige Diversifizierung.
Alles in allem wird es für kleinere Ingenieurbüros somit künftig noch schwerer werden. Auch die Künstliche Intelligenz wird dafür sorgen, dass sich die Spreu vom Weizen trennt. Unternehmen, die hier rechtzeitig investiert und KI in die Entwicklungsprozesse integriert haben, erzielen bereits heute Effizienzgewinne und können sich so besser am Markt behaupten.
Dr. Peter Mehrle
ist seit 2022 CEO Germany von Akkodis. Der 42-Jährige studierte Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Kaiserslautern und der ENSGSI in Frankreich. Von 2013 bis 2020 erwarb er an der University of Gloucestershire den Titel „Doctor of Business Administration“. Seine berufliche Laufbahn startete Mehrle im Jahr 2008. Er begleitete die Übernahme von MBtech durch AKKA und wechselte danach in die Finanzorganisation des Dienstleisters. 2021 wurde er CEO von AKKA Germany.
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Stand: 08.12.2025
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