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Entwickelt sich der OEM zum Kraftstoffhersteller?
In Ingolstadt heißen die künftigen Energieträger Audi e-gas, Audi e-ethanol, Audi e-diesel, Audi e-power und Audi e-hydrogen. Entwickelt sich der OEM zum Kraftstoffhersteller?
Die CO2-neutrale Mobilität, wie wir sie anstreben, ist nur mit neuen, nachhaltigen Energiequellen zu erreichen, die langfristig fossile Energien ersetzen können. Audi fördert zum Beispiel die Entwicklung einer grundlegend neuen Technologie, bei der Mikroorganismen ohne landwirtschaftlich erzeugte Nahrungsmittel Diesel und Ethanol produzieren. Diese Technologie bildet den Kern der Projekte Audi e-diesel und Audi e-ethanol. Ein weiterer Schritt ist das Audi e-gas project, in dem wir eine ganze Kette nachhaltiger Energieträger aufbauen. An ihrem Anfang stehen Wind, Wasser und Kohlendioxidemissionen aus einer Biogasanlage. Die Endprodukte sind regenerativ erzeugter Ökostrom (Audi e-power), Wasserstoff (Audi e-hydrogen) und synthetisches Methan (Audi e-gas). Ziel dieser Projekte ist es nicht, im großen Stil Kraftstoffe herzustellen. Wir sehen uns eher als Wegbereiter und wollen beweisen, dass es möglich ist, ein Gesamtsystem abzubilden, das die Umwelt wenig belastet.
Wann geht die e-gas-Anlage im Emsland in Betrieb, und wie viele g-tron können den CO2-neutralen Kraftstoff tanken?

Ab dem dritten Quartal 2013 wird das Fahren mit Audi e-gas möglich sein. Die Anlage wird etwa 1.000 Tonnen Methan pro Jahr produzieren und dabei 2.800 Tonnen CO2 binden. Mit dem regenerativ erzeugten e-gas können rund 1.500 Fahrzeuge jeweils 15.000 km pro Jahr fahren. Der Audi A3 Sportback g-tron ist übrigens bivalent: Er legt gasbetrieben über 400 km und bei Bedarf mit Benzin weitere 780 km zurück. Seine Gesamtreichweite entspricht also in etwa der eines Audi A3 TDI.
Wie hoch ist der Verbrauch, respektive der CO2-Ausstoß?
Auf 100 km verbraucht der A3 g-tron weniger als 3,5 kg Erdgas bzw. Audi e-gas. Die CO2-Emissionen am Auspuff bleiben in beiden Fällen unter 95 Gramm pro km. Besonders attraktiv ist die Treibhausgasbilanz in der Well-to-Wheel-Betrachtung, die alle Faktoren von der Quelle des Kraftstoffs bis zum Rad einbezieht: So wird beim Betrieb des A3 g-tron mit Audi e-gas kein CO2 frei, das nicht vorher bei dessen Herstellung gebunden worden wäre. Wenn Sie nun in der gesamthaften Betrachtung den Energieaufwand für die Errichtung und Betrieb der e-gas-Anlage und von Windkraftanlagen mit einbeziehen, bleibt der CO2-Ausstoß nach aktuellen Prognosen bei lediglich rund 20 Gramm pro km.
Glauben Sie, dass Erdgas generell an Bedeutung gewinnen wird?
Wir hoffen es, zumal Erdgas an sich gegenüber einem Fahrzeug mit Ottomotor schon einen 20 Prozent niedrigeren CO2-Ausstoß hat. Von Vorteil wäre eine bessere Infrastruktur. In Deutschland etwa erachten wir rund 1.500 Tankstellen als Minimum. Das entspräche einem Plus von 600 Stationen.
Last but not least: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die IAA-2011-Studie Audi Urban Concept Serienreife erlangt?
Wir forschen aktuell am Urban Concept von 2011 nicht weiter. Das Auto war eine Machbarkeitsstudie. Derzeit sehen wir keine große Kundengruppe, die nach einem solchen Fahrzeug ruft. Langfristig möchte ich hier aber keine Prognose abgeben.
Das Interview führte Claus-Peter Köth
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