Erneuerbare Energien Ökostrom deckt 58 Prozent des Verbrauchs im ersten Halbjahr

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

Erneuerbare Energien aus Wind, Photovoltaik, Biomasse und Windkraft haben im ersten Halbjahr 2024 circa 58 Prozent des Stromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Kernenergie spielt keine Rolle mehr.

Photovoltaik wurde im Jahr 2023 in Deutschland deutlich ausgebaut.(Bild:  E.ON/Malte Braun)
Photovoltaik wurde im Jahr 2023 in Deutschland deutlich ausgebaut.
(Bild: E.ON/Malte Braun)

Im ersten Halbjahr 2024 haben erneuerbare Energien circa 58 Prozent des Bruttoinlandstromverbrauchs gedeckt. Das zeigen vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg, ZSW, und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft, BDEW.

Der Anteil der erneuerbaren Energien am Stromverbrauch lag bei 58 Prozent – fast sechs Prozentpunkte höher als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres; und höher als jemals zuvor. Über das gesamte Halbjahr deckten erneuerbare Energien mehr als die Hälfte des monatlichen Stromverbrauchs. Seit April verzeichneten sie monatlich einen Anteil von 59 Prozent.

Vor allem Photovoltaikanlagen produzierten mit insgesamt 37 Milliarden Kilowattstunden – 37 Terawattstunden, TWh – deutlich mehr Strom als im Vorjahr. Das liegt auch am umfangreichen Zubau im Jahr 2023. Aktuell: Im Juni 2024 produzierten PV-Anlagen nach vorläufigen Berechnungen zum ersten Mal innerhalb eines Monats mehr als zehn Milliarden Kilowattstunden Strom. Die Wasserkraft trug im ersten Halbjahr mit zwölf Milliarden Kilowattstunden Strom laut der Verbände für ihre Verhältnisse überdurchschnittlich stark zur Stromerzeugung bei.

Woher kommt der Strom?

Im ersten Halbjahr 2024 lag die Bruttostromerzeugung bei 252 Terawattstunden und damit knapp fünf Prozent unter dem Vorjahreszeitraum mit 265 TWh. Dem stand ein Stromverbrauch von rund 250 TWh gegenüber. Er war identisch mit dem des ersten Halbjahres 2023. Insgesamt wurden knapp 150 TWh Strom aus Sonne, Wind und anderen regenerativen Quellen erzeugt. Im ersten Halbjahr 2023 waren es 120 TWh.

Davon stammten:

  • knapp 62 TWh aus Wind an Land
  • 37 TWh aus Photovoltaik
  • 25 TWh aus Biomasse
  • 14 TWh aus Wind auf See
  • 12 TWh aus Wasserkraft

Aus konventionellen Energieträgern wurden 102 TWh erzeugt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 120 TWh. Die Kernenergie leistet seit der endgültigen Stilllegung der letzten drei Kernkraftwerksblöcke zum 15. April 2023 keinen Beitrag mehr zur Stromerzeugung in Deutschland. Im ersten Halbjahr 2023 waren es noch sieben Terawattstunden.

Ökostromanteil: Zwei Berechnungsmöglichkeiten

Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch im ersten Halbjahr 2024 beträgt rund 58 Prozent. Den Ökostromanteil am Bruttostromverbrauch zu bemessen, ist laut BDEW und ZSW die gängige Berechnungsgrundlage. Sie geht zurück auf europäische Vorgaben und stimmt überein mit den Zieldefinitionen der Bundesregierung zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Der Bruttostromverbrauch bildet das gesamte Stromsystem eines Landes ab.

Eine andere Möglichkeit ist, den Anteil der erneuerbaren Energien an der Bruttostromerzeugung zu messen. Sie umfasst die gesamte in Deutschland erzeugte Strommenge. Der Anteil erneuerbarer Energien im ersten Halbjahr 2024 auf Basis der Bruttostromerzeugung beträgt 60 Prozent.

„Mehr Anlagenproduktion in Deutschland!“

Frithjof Staiß, geschäftsführender Vorstand des ZSW, sieht in den Werten die Bestätigung, „dass eine effiziente, zuverlässige, sichere und treibhausgasneutrale Stromversorgung auf der Basis von nahezu 100 Prozent erneuerbaren Energien inklusive Wasserstoff bis 2035 in Deutschland erreichbar ist und ein stabiles Fundament für die Industrie auf ihrem Weg zur klimaneutralen Produktion bietet.“

Die Produktion von Anlagen zum Erzeugen erneuerbarer Energien findet laut Staiß aktuell aber fast ausschließlich außerhalb Deutschlands und in großen Teilen auch außerhalb Europas statt. „Umso wichtiger ist es, dass Deutschland den am 16. März 2024 verabschiedeten Net Zero Industry Act der EU ganz gezielt nutzt, um die Produktion der Schlüsseltechnologien Photovoltaik, Windenergie, Batterietechnologien, Elektrolyse, Brennstoffzellen und Stromnetzkomponenten (wieder) in Deutschland anzusiedeln“, fordert Frithjof Staiß.

BDEW fordert Entwicklung von Wasserstoff-Infrastruktur

„Zum wiederholten Mal in Folge sehen wir einen Rekord beim Erneuerbaren-Anteil am Stromverbrauch. Das ist der Lohn für den beharrlichen Ausbau von Windenergie und Photovoltaik in den vergangenen Jahren“, sagt Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, und verweist auf die Infrastruktur: „Genauso wichtig wie der Erneuerbaren-Ausbau sind die entsprechenden Infrastrukturen. Weiterhin wird Sektorkopplung zu einem wichtigen Baustein im Energiesystem der Zukunft und hier spielt die Erzeugung von Wasserstoff eine zentrale Rolle“, sagte Andreae.

Die Bundesregierung müsse sich in Brüssel für pragmatische Kriterien für grünen und klimaneutralen Wasserstoff einsetzen. „Denn trotz der erfreulichen Zahlen“, sagt Andreae, „ist die Stromerzeugung aus Wind und Sonne nicht konstant. Wir brauchen gesicherte Leistung für Systemdienstleistungen und Zeiten, in denen die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht.“

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