Wirtschaft „Es ist so, als ob nun Farbfernsehen erlaubt werden würde“

Von Claus-Peter Köth 7 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

„Die affektive Bindung zum Auto verliert vor allem in der Stadt an Bedeutung“, lautet die These von Prof. Andreas Knie. Der Mobilitätsexperte fordert digitale Mobilitätskonzepte. Doch wie könnten diese in der Praxis aussehen?

Prof. Andreas Knie: „Es gibt einfach zu viele Autos. Einen Ausweg bieten digitale Mobilitätskonzepte.“(Bild:  David Ausserhofer)
Prof. Andreas Knie: „Es gibt einfach zu viele Autos. Einen Ausweg bieten digitale Mobilitätskonzepte.“
(Bild: David Ausserhofer)

Prof. Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) findet deutliche Worte, wenn es um die Zukunft von Privatfahrzeugen geht: „Das private Auto war für lange Zeit das Sehnsuchtsobjekt und Symbol eines glücklichen Lebens. Es war eine kollektive Liebe der Mittelschicht und derjenigen, die dort hinstrebten.“ Doch jetzt gelte zumindest in den Städten: „Die Grenzen des fossilen Automobilismus sind erreicht. Es gibt einfach zu viele Autos.“ Einen Ausweg bieten digitale Mobilitätskonzepte. Doch wie können die Anbieter von Sharing-Modellen, ÖPNV und Automobilindustrie zusammenwirken? Welche Rolle spielt das automatisierte und vernetzte Fahren?

„Die Mobilität der Zukunft kann man nicht ohne Rückblick auf die Pandemie diskutieren. Das öffentliche Leben wurde stillgelegt – wir haben jede Menge Erfahrungen gemacht. Zur Höchstzeit des Lockdowns, um Ostern herum, lag die Mobilität am Boden: Gemessen am Vorjahreswert brach der Flugreiseverkehr um 95 Prozent ein, Bahn-Fernreisen gingen um 85 Prozent zurück, der Fahrradverkehr um 50 Prozent, der ÖPNV um 85 Prozent. Am Wenigsten musste das Auto Federn lassen – mit minus 30 Prozent Personen-Kilometern“, sagt Knie.