Interview

Fritz Indra: „Plug-in ist Betrug an der Umwelt“

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Welche Entwicklungen beobachten Sie beim Verbrenner?

Die Entwicklungen sind phantastisch, beispielsweise der Dreizylinder mit Zylinderabschaltung, den Ford vorgestellt hat; das wird funktionieren. Es wird überall geschraubt, entwickelt und geforscht; man holt Ansätze aus der Schublade, die längst bekannt sind und sich heute lohnen, weil sie vielleicht noch ein Prozent an Einsparung bringen. Wir fahren heute mit Dreieinhalb-Liter-Autos schon sehr kommod und es wird noch weniger werden.

Der Verbrenner schlägt die E-Mobilität?

Ja. Wir müssen die „well-to-wheel“-Emissionen berücksichtigen, und da gibt es nichts besseres als den Verbrenner. Man darf Energie nie wandeln, denn die Energiewandlung ist immer mit Verlusten verbunden, egal in welche Richtung. Je besser die Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren werden, desto schwerer haben es die Alternativen. Wenn es einmal wirklich zu viel Strom geben sollte, so sagen es einige Experten vorher, machen wir daraus flüssige oder gasförmige Brennstoffe und fahren mit den Verbrennern weiter.

Könnte sich Erdgas als Kraftstoff durchsetzen?

Ich bin dankbar für Ihr Beispiel, denn die Leute kaufen das Erdgasauto nicht, obwohl es so sinnvoll und günstig ist. Warum nicht? Weil es eben doch weniger Reichweite bietet. Der Autofahrer kauft eine neue Technologie nur dann, wenn sie gleich gut oder besser ist, aber nichts, was teurer ist und weniger kann. Und das erklärt auch leider, warum das Erdgasauto nicht so angenommen wird, wie es das eigentlich verdient. Denn es gibt halt nicht an jeder Ecke eine Tankstelle.

Können Sie der Elektrifizierung eigentlich positive Aspekte abgewinnen?

Selbstverständlich. Der Elektromotor hat sich zwar wieder einmal nicht als Antriebsmotor durchgesetzt, aber er ist in kleinerer Form sehr gut geeignet, um den Verbrennungsmotor bei seiner Arbeit in den Kraftfahrzeugen zu unterstützen. Die Mild-Hybride funktionieren hervorragend, mit Starter-Generatoren, mit über zehn Kilowatt und 48-Volt-Systemen; das haben in ein paar Jahren 50 Prozent aller Autos. Auch ermöglichen sie damit perfekte Start-Stopp-Systeme einschließlich Segelfunktion, Rekuperation und Beschleunigungsunterstützung. Die Fahrzeuge müssen erschwinglich bleiben – und für eine bessere Umwelt müssen wir uns auf die leistbaren Verbesserungen der Großserienfahrzeuge konzentrieren.

Das Interview führte Jens Meiners.

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