Ora, die Elektromarke von Great Wall Motors, beweist Mut. Die neue Fließhecklimousine 07 fährt im Design auf schmalem Grat. Doch eines ist sicher: Man wird sich nach ihr umgucken.
Der GWM Ora 07 ist eine kühn gezeichnete Fließhecklimousine im Stile eines viertürigen Coupés.
(Bild: GWM)
Die Bilanz nach einem Jahr auf dem deutschen Markt fällt für die chinesische Elektromarke Ora - sagen wir mal - süßsauer aus. 6.000 Einheiten ihres kompakten Funky Cat wollte die junge Tochter aus dem Hause Great Wall Motors (GWM) bei uns verkaufen – 4.579 wurden es am Ende, auch dank großzügiger Unterstützung mit verlockenden Leasingraten ab 149 Euro pro Monat. „Mit dem Ergebnis können wir als komplett neuer Player gut leben“, sagt Ora-Geschäftsführer Johannes Brandenburger.
Mittlerweile heißt das stromende Kätzchen schlicht GWM Ora 03 und bekommt jetzt mit dem GWM Ora 07 einen großen Bruder zur Seite. Eine kühn gezeichnete Fließhecklimousine im Stile eines viertürigen Coupés. In China stromert der Ora 07 bereits seit zwei Jahren über die Straßen, zu uns kommt er ab Juni und soll im D-Segment gegen Konkurrenten wie den Hyundai Ioniq 6 punkten. Mit 4,87 Metern ist der Chinese fast auf den Millimeter so lang wie der Koreaner und damit deutlich größer als der 03er. Trotzdem teilen sich beide die skalierbare Elektroplattform L.E.M.O.N., auf der ja auch der neue E-Mini steht.
Die vier Türen des Ora 07 kommen rahmenlos daher, was schon mal ziemlich gewagt ist, für einen Stromer, bei dem jeder Kiesel im Radhaus zu hören ist. Über den Köpfen der Passagiere spannt sich beim Topmodel ein XXL-Panoramadach aus Glas, das von der A-Säule bis hinter die C-Säule reicht. Am Rundheck öffnet sich auf Knopfdruck eine kleine Klappe, unter der Gepäck recht mühsam eingeladen werden muss. Der cw-Wert soll bei guten 0,27 liegen, was der elektrischen Reichweite in die Karten spielen dürfte.
Nach Deutschland kommt der Ora 07 in drei Ausstattungslinien und mit zwei Batteriegrößen. Die Einstiegsversionen Pure und Pro haben jeweils 150 kW/204 PS, Frontantrieb und einen 64 kWh-LFP-Akku, der in der Herstellung deutliche Kostenvorteile besitzt, weil er unter anderem auf das teure Kobalt verzichtet. Die Reichweite soll bei 440 Kilometern liegen. Top-Performer wird Ora 07 GT mit 300 kW/408 PS, Allradantrieb, elektrisch ausfahrbarem Heckspoiler und einer 83 kWh NMC-Batterie, die bis zu 520 Kilometer mit einer Ladung durchhalten soll.
Nicht mehr State-of-the-Art ist die vergleichsweise lahme Ladeleistung von lediglich 87 kW. Am Gleichstromlader vergeht fast eine Dreiviertelstunde, bis sich der große Akku von 10 auf 80 Prozent erholt. Das können andere deutlich schneller. Gerade das Ladetempo ist bei uns – anders als in China - längst nicht nur für Vielfahrer ein wichtiges Kaufkriterium. Bei den Modellen für Europa soll daher die Ladegeschwindigkeit erhöht werden. Die Batterien liefert im Übrigen noch CATL, alle künftigen E-Modelle aus dem Hause GWM bekommen ihre Akkus dann von SVolt, an dem der Autokonzern 40 Prozent hält.
So extrovertiert und stylish sich der Ora 07 außen gibt, ist er auch innen. Dominiert von einer schwebenden Mittelkonsole, auf der fünf Tasten und drei Drehknöpfe die wichtigsten Funktionen steuern, darüber ein 12,3 Zoll-Touchscreen mit brillanter Auflösung. Der komplette Innenraum ist mit veganem Leder ausgeschlagen, alles scheint sauber zusammengesetzt und von guter Qualität zu sein. Die Türen schließen satt, während der Fahrt knarrt oder klappert nichts.
Überhaupt rollt der Ora 07 auffällig leise ab, auch bei höherem Tempo. Dank des üppigen Radstands von 2,87 Metern lassen sich lange Beine auf allen Sitzplätzen gut verstauen, das riesige Glasdach verleiht dem Innenraum eine luftige Leichtigkeit. Der Coupé-Optik geschuldet ist die eingeschränkte Kopffreiheit auf den Rücksitzen.
Jede Menge digitaler Helferlein fahren schon serienmäßig mit, wie etwa ein Parkassistent mit 360-Grad-Kamera. Per App wird sich der Ora 07 in Zukunft ferngesteuert einparken lassen. Im hier und jetzt gibt es wenig Anlass zur Kritik. Kraft hat der von uns gefahrene GT jedenfalls ohne Ende. Mit Druck auf den roten Gute-Laune-Knopf am Lenkrad wird der Power+ Modus aktiviert. Dann fliegen 2,2 Tonnen-Allradler gänzlich schwerelos in 4,5 Sekunden auf Tempo 100. Angeschoben von 680 Newtonmeter Drehmoment.
Souverän und berechenbar
Der Ora 07 kann die immense Leistung nicht nur abrufen, sondern auch überraschend souverän auf die Straße bringen. Obwohl Performance nicht oben im Lastenheft stand, gelingt den Chinesen eine sehr akzeptable Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit. Für eine Marke mit so geringer Erfahrung (Ora wurde erst 2016 gegründet) ist das jedenfalls fast schon erschreckend gut.
Stand: 08.12.2025
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Das Auto reagiert auch unter Stress absolut berechenbar, die elektrische Lenkung ist angenehm gefühlsecht. Für die Europaversion fand ein enger Austausch mit der Dependance in München statt, viele Kilometer der Testfahrten wurden auf deutschen Straßen abgespult. Am Ende gewährte man der Software so viel Freiheit wie möglich, damit Fahrassistenten bei etwas sportlicherer Gangart nicht gleich rigoros aufkeimenden Fahrspaß abwürgen.
Wie viele deutsche Kunden sich diesen etwas schrägen Spaßvogel schließlich gönnen werden, hängt auch vom Preisschild ab. Ora orakelt etwas von rund 43.000 Euro für den Einstieg und ca. 50.000 Euro für den GT.