Wirtschaft Industrie-Allianz gegen Extremismus und Populismus

Von Thomas Günnel 4 min Lesedauer

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Über 30 große deutsche Unternehmen haben sich gegen Extremismus und Populismus zusammengeschlossen, darunter Automobilhersteller und -zulieferer. Sie warnen vor dem Verlust von Wirtschaftsleistung und Wohlstand.

Vielfalt und interkulturelles Zusammenarbeiten sind die Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg – eine der Kernaussagen der Allianz „Wir stehen für Werte“.(Bild:  BMW)
Vielfalt und interkulturelles Zusammenarbeiten sind die Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg – eine der Kernaussagen der Allianz „Wir stehen für Werte“.
(Bild: BMW)

Mehr als 30 große deutsche Unternehmen stellen sich im Vorfeld der Europawahl gegen Extremismus und Populismus. Darunter sind etwa Bosch, Daimler Truck, Ford, Hella, Mercedes-Benz, Schaeffler und Volkswagen. In der Initiative „Wir stehen für Werte“ rufen sie ihre 1,7 Millionen Beschäftigten dazu auf, am 9. Juni 2024 zur Europawahl wählen zu gehen.

Mit diversen Aktivitäten will die Allianz die Bedeutung der europäischen Integration für Wohlstand, Wachstum und Arbeitsplätze verdeutlichen – und hervorheben, dass Vielfalt und interkulturelles Zusammenarbeiten die Voraussetzungen für wirtschaftlichen Erfolg sind. Ausgrenzung, Hass und Abschottung gefährdeten unternehmerische Freiheit und den Wohlstand jedes Einzelnen.

„Die deutschen Unternehmen brauchen Fachkräfte aus dem Ausland, um langfristig bestehen zu können und konkurrenzfähig zu sein“, teilt die Allianz mit. In Deutschland fehlen laut des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bereits jetzt Arbeitskräfte für 1,73 Millionen unbesetzte Stellen. In den nächsten Jahren werden jährlich zwischen 200.000 und 400.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt.

Die deutsche Wirtschaft braucht eine handlungsfähige EU

Deutschland muss in den kommenden Jahren viele Herausforderungen bewältigen: Digitalisierung und rasanter technologischer Fortschritt, Bekämpfung des Klimawandels, Umgang mit dem demografischen Wandel, globaler Wettbewerb und Konflikte. „Nur ein handlungsfähiges Europa kann diese Herausforderungen angehen. Dass dies gelingt, ist auch für die Wirtschaft entscheidend. Ein Europa der Blockaden und des Stillstands hingegen kann diese Herausforderungen nicht bewältigen“, teilt die Unternehmensallianz mit.

„Unsere Allianz steht für Respekt, Toleranz, Offenheit und Vielfalt. Extremisten und Rassisten stellen diese Werte in Frage und bieten gleichzeitig scheinbar einfache Lösungen für die komplexen Probleme unserer Zeit. Damit spalten sie unsere Gesellschaft und bedrohen unsere Zukunft“, sagt Roland Busch, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG. „Wir treten entschieden für unsere Werte ein, denn sie haben Deutschland erfolgreich gemacht – und auch unsere Unternehmen.“

„Abschottung, Extremismus und Fremdenfeindlichkeit sind Gift für den deutschen Export und die Arbeitsplätze hier bei uns in Deutschland – wir dürfen daher den Angstmachern keinen Raum geben und auf ihre vermeintlich einfachen Lösungen hereinfallen“, ergänzt Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender der Siemens Energy AG.

Oliver Zipse, Vorstandsvorsitzender der BMW AG, verweist auf das Geschäftsmodell seines Unternehmens: „Das Geschäftsmodell der BMW Group und der deutschen Wirtschaft ist ein europäisches und ein globales. Internationale Liefer- und Geschäftsbeziehungen sind essenziell für eine Exportnation wie Deutschland. Unser Erfolg hängt ganz wesentlich auch von den Handelsbeziehungen innerhalb der Europäischen Union ab. Das Leitmotiv muss daher freier Handel und Wettbewerb sein. Zudem kommen zwei von drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der BMW Group aus der EU. Fast ein Drittel unserer Fahrzeuge verkaufen wir in diesen Ländern. Hier befinden sich zehn unserer Werke und jedes Jahr liefern Unternehmen aus der EU über zwölf Milliarden Teile an unsere weltweiten Standorte.“

Investitionen weg von Deutschland

Der Chef der Deutschen Bank, Christian Sewing, berichtete gegenüber der Tagesschau von häufigeren Rückfragen von Kunden und Investoren aus dem Ausland, wie es um die Festigkeit der Demokratie bestellt sei. „Diese Fragen kommen mehr und mehr", sagte Sewing laut der Nachrichtensendung. Er wisse von asiatischen Unternehmen, die ihre Investitionen in andere Regionen der Welt umgeleitet hätten, weil Deutschland nicht offen sei für Zuwanderung.

„Jede Stimme zählt!“

Bosch-Chef Stefan Hartung weist explizit auf die Teilnahme an der Europawahl hin: „Die kommende Europawahl ist entscheidend. Sie bietet uns die Chance, mit einer hohen Wahlbeteiligung unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung und den Zusammenhalt in Europa zu stärken. Jede Stimme zählt.“

Ähnliche Statements aus der Automobilbranche kommen von Martin Daum, Vorstandsvorsitzender der Daimler Truck AG, Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG und Oliver Blume, CEO Volkswagen AG & Porsche AG.

Diese Unternehmen sind Teil von „Wir stehen für Werte“

  • Allianz SE
  • BASF SE
  • Bayer AG
  • Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.
  • Beiersdorf AG
  • Blacklane GmbH
  • BMW AG
  • Robert Bosch GmbH
  • Daimler Truck AG
  • Deutsche Bahn AG
  • Deutsche Bank AG
  • Deutsche Börse AG
  • Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB)
  • DHL Group
  • Dussmann Group
  • E.ON SE
  • EnBW Energie Baden-Württemberg AG
  • Ford Werke GmbH
  • Hella GmbH & Co. KGaA (Forvia Hella)
  • Henkel AG & Co. KGaA
  • Mercedes-Benz Group AG
  • Merck KGaA
  • Metro AG
  • Philip Morris GmbH
  • RWE AG
  • Schaeffler AG
  • Siemens AG
  • Siemens Energy AG
  • O2 Telefónica
  • Thyssenkrupp AG
  • Uniper SE
  • Volkswagen AG
  • Vonovia SE

Einladung an weitere Unternehmen

Weitere Unternehmen sind dazu eingeladen, der Allianz beizutreten – sie solle so vielfältig werden, wie es die Wirtschaft ist. Das Engagement der Allianz hört nach den Europawahlen nicht auf, sondern richtet sich auf weitere Wahlen aus.

In dem kommenden Wochen geht es der Allianz darum, möglichst viele Menschen in Unternehmen und in der Breite der Gesellschaft zu erreichen. Weitere Informationen und Stimmen von Belegschaft und Führungskräften sind auf der gemeinsamen Website der Initiative zu finden

Stimmen aus der Industrie gegen Extremismus

In den vergangenen Monaten hatten immer wieder Wirtschaftsvertreter vor Rechtsextremismus und Populismus gewarnt. Der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser warnte im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor den Gefahren rechtsradikaler Parteien an der Macht – und rief Unternehmen dazu auf, Stellung zu beziehen.

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Volkswagen- und Porsche-Chef Oliver Blume sprach bei einer Kundgebung gegen Rechtsextremismus in Wolfsburg. „Demokratie und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit. Es liegt an uns, diese Werte zu verteidigen.“

Das meiste Aufsehen aber erregte wahrscheinlich Reinhold Würth. Der Chef des gleichnamigen Schraubenherstellers hat in einem Schreiben an seine rund 25.000 Beschäftigten in Deutschland explizit von einer Wahl der Partei AfD abgeraten.

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