Minda Schenk Plastic Solutions Innovationen aus Kunststoff

Redakteur: Bernd Otterbach

Der Trend zur Funktionsintegration hat sich bei Komponenten für den Fahrzeuginnenraum in den vergangenen Jahren verstärkt. Die Minda Schenk Plastic Solutions GmbH hat diese Marktentwicklung frühzeitig analysiert und sich entsprechend neu ausgerichtet.

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Verkleidungsteile ohne Funktionsintegration sind in modernen Fahrzeuginnenräumen selten geworden. In die Sitzverkleidung sind zum Beispiel elektrische Sitzversteller, Bedienelemente oder Beckenairbags integriert. Sie erhöhen den Komfort und die Sicherheit.

Da die Sitzstrukturen statt aus Metall heute mehr und mehr aus glasfaserverstärkten Kunststoffen bestehen, hat sich dieser Trend der Funktionsintegration in den vergangenen Jahren verstärkt.

Der Innenraumausstatter Minda Schenk Plastic Solutions hat diese Marktentwicklung frühzeitig analysiert und seine Produkt- und Prozessentwicklung entsprechend neu ausgerichtet. Parallel dazu erfolgten Firmenzukäufe: Zunächst wurde im November 2009 die ALU Automotive GmbH in Hemhofen, ein Spezialist für Lüftungsräder, aus der Insolvenz übernommen. Dann folgte die Tectro Polska in Bydgoszcz (Polen), ein Formenbauer und Kunststoffverarbeiter. Als jüngstes Familienmitglied begrüßte man im Juli 2010 das ehemalige Aksys-Werk in Köngen.

Ein- und Mehrkomponentenspritzguss

Somit zählt nunmehr nicht ausschließlich die Kompetenz im Ein- und Mehrkomponentenspritzguss zum Portfolio – mit Zuhaltekräften zwischen 25 und 2.000 Tonnen –, sondern es kommen innovative Presstechniken für faserverstärkte Kunststoffe hinzu, zum Beispiel aus SMC (Sheet Moulding Compound), GMT (glasmattenverstärkte Thermoplaste) und LFT (langfaserverstärkte Thermoplaste).

Ferner hat der Zulieferer vor etwa drei Jahren die Skinform-Technik zusammen mit dem Maschinenhersteller KraussMaffei und dem Materialhersteller Rühl zur Serienreife gebracht. Das Verfahren ermöglicht für vergleichsweise geringe Kosten hochwertige Interieur-Oberflächen.

Aufgrund der eigenen Bauteil- und Prozessentwicklung verfügt Minda Schenk auch über das Know-how, bisherige Produktkonzepte in Frage zu stellen, zu überdenken und weiterzuentwickeln. Immer mit dem Anspruch, ein qualitativ hochwertiges Bauteil zu entwickeln, das idealerweise leichter als das bisherige Teil ist.

Geringe Komplexität und geringere Kosten

Ergänzt wird das Leistungsspektrum durch eine ausgeprägte Kinematikkompetenz. So fertigt der Zulieferer zum Beispiel Cupholder, Ablagefächer und Handschuhkästen. Im Mittelpunkt der Entwicklung stehen stets eine geringe Komplexität der Baugruppen, weniger Einzelteile bei gleichbleibender Funktionalität sowie niedrige Kosten.

Generell ist die Komplexität der Kinematik für den Endkunden heute weniger wichtig als die Funktion der Bauteile unter Berücksichtigung der hohen optischen und haptischen Anforderungen. Außerdem sinken durch den Wegfall potenzieller Störfunktionen die Gewährleistungskosten bei OEM und Zulieferer.

Sehr gut konnte Minda Schenk diese Entwicklungsziele im aktuellen BMW 5er Gran Turismo umsetzen. Dort besteht die zusammen mit BMW entwickelte Handschuhkastenverriegelung lediglich aus vier Kunststoffteilen, wobei die Farbvariationen nur über eine Komponente erzeugt werden. So ließ sich die Variantenvielfalt deutlich reduzieren.

Aber auch in punkto Bauraumhöhe stellt die mechanische Verriegelungseinheit einen neuen Benchmark dar. Insgesamt werden trotz geringerer Höhe und weniger Komponenten alle notwendigen Kundenanforderungen in punkto Optik, Haptik und Funktion erfüllt.

Für Minda Schenk ein ideales Beispiel dafür, dass der eingeschlagene Weg und die damit einhergehende Ausrichtung des Unternehmens den Zeitgeist treffen.

Minda Schenk Plastic Solutions GmbH

Die Minda Schenk Plastic Solutions GmbH ist ein mittelständisches, schwäbisches Unternehmen mit einem indischen Gesellschafter. Sie wurde vor fast 100 Jahren gegründet und hat sich in dieser Zeit von einem reinen Handelshaus zu einem etablierten Produzenten für Bauteile des Fahrzeuginnenraums entwickelt.

Hergestellt werden unter anderem Fond-Mittelarmlehnen, Sitzverkleidungen, Tankklappenmodule sowie Design- und Funktionsteile für den Innen- und Kofferraum beziehungsweise unter der Motorhaube.

Aktuell betreibt Minda Schenk in Deutschland, Tschechien und Polen fünf Werke. Die rund 550 Mitarbeiter werden im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von etwa 100 Millionen Euro erwirtschaften.

Neben den Produkten für die Automobilindustrie fertigt Minda Schenk auch Kunststoffteile für Motorsägen und Elektrowerkzeuge. Zu den Kunden gehören führende Unternehmen wie Daimler, BMW, Opel, Behr, Bosch und Stihl.

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