ae group Insolvenz beendet
Nach vier Monaten hat der Automobilzuliefer ae group sein Insolvenzverfahren erfolgreich abgeschlossen. Elf Banken haben auf Forderungen in Höhe von 50 Millonen Euro verzichtet.
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Am 1. Juli wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen der ae group mit sieben Standorten und weltweit rund 1.400 Mitarbeitern eröffnet. Ende Oktober endete nun die Insolvenz vor dem Amtsgericht in Erfurt. In nur vier Monaten führte der Sanierungsexperte Andrew Seidl das Unternehmen erfolgreich aus der Insolvenz. Im Rahmen eines Insolvenzplanverfahrens entschuldete Sanierungsexperte Andrew Seidl das Unternehmen und sicherte damit 800 Arbeitsplätze.
Der Insolvenz des Zulieferers von montagefertigen Aluminium-Druckgussteilen und Komponenten ging ein dramatischer Umsatzrückgang im Rahmen der Auto-Krise voraus. Von den ursprünglich geplanten Umsatz von 160 Millionen Euro im Jahr 2009 verlor das Unternehmen 50 Prozent. Nachdem die Verhandlungen mit den Banken scheiterten, musste das Unternehmen Insolvenz beantragen.
Als Vorstandsvorsitzender auf Zeit definierte Seidl die ae group völlig neu. Die Standorte in den USA und in Schortens wurden ganz geschlossen. Der alte Teil des Standortes Gerstungen wird bis Dezember 2009 ebenfalls geschlossen und die dortige Maschinentechnologie sowie deren Kapazitäten an den nur zwei Kilometer entfernten und moderneren Standort Gerstungen/Untersuhl verlagert. Ein kleiner Teil geht an den Standort nach Polen. Am Produktionsort Nentershausen erfolgt eine Teilschließung.
Die neue ae group hat somit statt der ursprünglichen sieben Standorte nur noch vier: neben den Werken Polen (197 Beschäftigte), Lübeck (130 Beschäftigte) und Nentershausen (60 Beschäftigte) konzentriert Seidl die Aktivitäten auf den Standort Gerstungen/Untersuhl, an dem mehr als 400 Arbeitsplätze erhalten bleiben.
„Effizienz und Schnelligkeit sind entscheidende Faktoren, um im Wettbewerb bestehen zu können. Die Kernkompetenz und die Leistungsfähigkeit der ae group haben wir zwar nicht neu erfunden, jedoch völlig neu definiert. Das Lösen der Verlagerungsproblematik, das völlige Entschulden – das Unternehmen wurde von einer Schuldenlast in Höhe von 110 Millionen Euro befreit - und somit das Beenden der Insolvenzsituation innerhalb von nur vier Monaten, ist das Ergebnis eines klugen und marktfähigen Insolvenzplans sowie dessen Durchsetzung,“ betont Seidl. „Der Insolvenzplan ist par excellence das Sanierungsmittel mit höchster Effizienz, das bei rechtzeitiger und guter Vorbereitung immer zum Erfolg führt,“ ist Seidl überzeugt. Damit sei bewiesen, dass der Insolvenzplan auch für Automobilzulieferer das geeignete Mittel der Sanierung ist.
Nach Unternehmensangaben hat sich die Auftragslage merklich verbessert, was Seidl auf eine langsame Erholung der Branche zurückführt. Dies soll sich auch im Jahresumsatz des kommenden Jahres niederschlagen, den die Unternehmensführung bei 90 Millionen Euro sieht.
Die wichtigsten Kunden der Aluminium-Druckgießerei sind Wabco, ZF, Audi, Mercedes, Jaguar, Porsche, Continental und auch Recaro. Für die Zukunft will der Konzern verstärkt im Bereich der Luftfahrtindustrie als Zulieferer Akzente setzen und somit eine Diversifizierung der Zuliefer-Branchen erreichen.
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