Schefenacker M-Power für Schefenacker

Redakteur: Jens Meiners

Wenn demnächst im Vergleichstest zwei der faszinierendsten und sportlichsten Premiumfahrzeuge – der neue BMW M3 und der gerade erst gezeigte Mercedes C63 AMG – aufeinandertreffen,

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Wenn demnächst im Vergleichstest zwei der faszinierendsten und sportlichsten Premiumfahrzeuge – der neue BMW M3 und der gerade erst gezeigte Mercedes C63 AMG – aufeinandertreffen, dann ist einer in jedem Fall Sieger, egal, welches Auto den Wettkampf für sich entscheidet: Ulrich Bruhnke, der mit Mercedes-AMG und anschließend der BMW M GmbH über die Kronjuwelen der deutschen Automobilindustrie gewacht hat. Von 2001 bis 2003 steuerte er als direkter Nachfolger von Wolfgang Bernhard die Geschicke der Mercedes-AMG GmbH in Affalterbach. Ende 2003 wechselte er zur BMW M GmbH nach München und leitete die Edelschmiede bis Ende 2006. Den sensationellen 6,2-Liter-V8 des C63 AMG hat Bruhnke persönlich angeschoben, und der BMW M3 wurde komplett unter seiner Ägide entwickelt.

Der Wechsel zum Spiegelhersteller Schefenacker dürfte einem Sprung ins kalte Wasser gleichen. Das Traditionsunternehmen hat ein turbulentes Jahr hinter sich und befand sich streckenweise hart am Abgrund.

Der Keim der Probleme wurde im Jahr 2000 gesetzt. Damals übernahm Schefenacker den britischen Wettbewerber Britax und wurde damit zwar zum Weltmarktführer, bürdete sich jedoch hohe Finanzierungskosten auf. Im Mai 2006 übernahmen die Schwaikheimer auch noch den Konkurrenten Engelmann vom Insolvenzverwalter. Dann ging es Schlag auf Schlag: Im August erging eine Gewinnwarnung, und es mussten Verhandlungen mit den Gläubigern aufgenommen werden. Im Oktober wurde CEO Hans Joachim Lange gegen Dr. Reiner Beutel ausgetauscht, der wiederum nach nur zwei Monaten den Vorstandssessel zugunsten des Turnaround-Experten Stephen Taylor räumen musste. Der Grund: Beutel hatte im Rahmen der Neuverteilung der Schefenacker-Anteile „ungeschickt agiert“, wie ein Insider diplomatisch formuliert. Taylors Auftrag: Eine tragfähige Finanzierung auszuhandeln oder die Firma abwickeln. Taylor hatte Erfolg – und sich bei den Gläubigern nicht nur Freunde gemacht.

Im Januar 2007 wurde das Leuchtengeschäft abgetrennt, im April wurde der frühere Conti-Manager Stephan Kessel Mitglied der Unternehmensleitung. Der Hauptsitz ist nach London gewandert. Damit wurde die Firma dem deutschen Insolvenzrecht entzogen. Und der frühere Alleineigentümer Dr. Alfred Schefenacker, mit dem sich Bruhnke regelmäßig trifft, hält nur noch rund 25 Prozent der Anteile. Etwa 70 Prozent liegen heute bei den vorrangigen Gläubigern, rund 5 Prozent bei den ehemaligen Anleihegläubigern.

Nach dieser Achterbahnfahrt ist nach Ansicht von Unternehmenskennern die Zeit reif für eine neue Phase der Stabilität. „Bruhnke hat eine große Chance als Integrationsfigur“, sagt einer von ihnen: „Er denkt langfristig, polarisiert nicht, sondern übt seine Erfahrung aus und macht sich die Bereitschaft der Mitarbeiter zunutze, Einsatz zu zeigen. Denn alle wissen, wie knapp es war.“

Die Investoren suchen heute einen langfristigen Partner, der Schefenacker übernimmt. Der Turnaround ist so weit geschafft, dass die Finanzierung des operativen Geschäfts auf stabiler Grundlage steht. Bruhnke will nun noch einmal alles unter die Lupe nehmen. „Wir werden in fairer Weise jeden Standort bewerten“, kündigt er an. Komplette Geschäftsbereiche stehen dabei jedoch nicht auf dem Prüfstand: „Das hat im Vorfeld stattgefunden. Heute schauen wir uns nach möglichen Partnern um, mit denen wir mehr Content in die Spiegel bringen können.“ Bruhnke kann dabei auf ein weitgespanntes Netzwerk zurückgreifen. Bei Mercedes-AMG ist er in bester Erinnerung, und bei BMW galt er zeitweise als heißer Kandidat für die Nachfolge von Entwicklungsvorstand Prof. Burkhard Göschel.

Nach seinem Ausscheiden bei BMW hat Bruhnke sein Privathaus in der Region Stuttgart komplett umgebaut. Es erzeugt nun mehr Energie, als es verbraucht. Die Zeichen stehen günstig, dass ihm bei Schefenacker ähnliches gelingt.

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