Pierburg Magnetventile

Redakteur:

Klein, aber fein - so lässt sich die Produktgruppe der Pierburg GmbH klassifizieren, mit der das Neusser Unternehmen international hervorragend im Markt platziert ist.

Anbieter zum Thema

Klein, aber fein - so lässt sich eine Produktgruppe der Pierburg GmbH klassifizieren, mit der das Neusser Unternehmen international hervorragend im Markt platziert ist. Die Rede ist von Magnetventilen, die rund ums Automobil für optimale Leistungsentfaltung, Komfort und Schadstoffreduzierung sorgen. 50.000 Einheiten werden pro Tag hergestellt - das sind etwa zwölf Millionen Stück pro Jahr, grob unterteilt in Elektro-pneumatische Wandler (EPW) und in Elektro-Umschalt-Ventile (EUV).

Das Umsatzvolumen schlug im vorigen Jahr mit rund 80 Millionen Euro zu Buche. Die grundsätzliche Funktionsweise der beiden Varianten erläutert Albert Denne, als Abteilungsleiter verantwortlich für die Entwicklung der Reglersysteme: "Elektro-pneumatische Wandler dienen der kontinuierlichen Unterdruck-Einstellung. Sie funktionieren, salopp gesagt, ähnlich wie ein im Lichtschalter integrierter Dimmer. Elektro-Umschalt-Ventile dagegen unterscheiden zwischen zwei Schaltzuständen, arbeiten also - ähnlich einem Lichtschalter - nach dem Ein-Aus-Prinzip." Zu den Kunden zählen nahezu alle renommierten Automobilhersteller.

Ob DaimlerChrysler (inklusive Smart und Mitsubishi), General Motors (einschließlich Opel, Saab und Vauxhall), Ford (mit Volvo), die Volkswagen-Gruppe (VW, Audi, Skoda, Seat, Bugatti und Bentley), Porsche, MG Rover, BMW/Rolls-Royce, Renault und die PSA-Gruppe (Citroen/Peugeot), Fiat (mit Alfa Romeo, Lancia, Ferrari und Maserati) sowie Kia/Hyundai, Isuzu, Honda und Nissan sowie Lastkraftwagen-Hersteller wie DAF oder Iveco - sie alle setzen auf die kleinen Regelsysteme "made by Pierburg". Albert Denne: "Bei den Elektro-pneumatischen Wandlern sind wir mit etwa zwei Dritteln Anteil am Weltmarkt eindeutig die Nummer 1."

Bei den Elektro-Umschalt-Ventilen ist Pierburg unter den Top 3 vertreten. Dass die Neusser Fachleute ihr Pulver noch nicht verschossen haben, zeigt das Elektrische Schubumluftventil - eine der neuestenEntwicklungen. Denne: "Dabei handelt es sich um ein am Turbolader integriertes Ventil zur Vermeidung des so genannten Turbolochs." Ein weiteres Entwicklungsprojekt ist ein Hydraulisches Modulationsventil, das den Ölpumpen vorgibt, nur so viel Kühlmittel zu fördern, wie notwendig ist. Der Effekt ist so simpel wie nachhaltig: Man spart Kraftstoff. Etwa zwölf Millionen Magnetventile in bis zu 150 unterschiedlichen Varianten werden jährlich am Pierburg-Standort Neuss produziert.

Das ist ein Volumen, das ohne hochautomatisierte und flexibel einsetzbare Produktionsanlagen nicht zu bewältigen wäre, wie Fertigungsleiter Hubert Faßbender am Beispiel der Elektro-pneumatischen Wandler erläutert: "Die EPW-Fertigung erfolgt auf sechs automatischen Montagebändern, wobei die Einzelteile auf Werkstück-Träger aufgesetzt undmittels Transportband zu den Montage- und Überprüfungsstationen geleitet werden. Diese Stationen sind hoch technisierte Einheiten."

Dass die Fertigungslinien aufgrund ihres hohen technischen Niveaus insbesondere von den Einrichtern ein hohes Maß an Fachkenntnissen verlangen, ist für den 63-jährigen stellvertretenden Werkleiter nicht nur Fakt, sondern auch ein Faktor, mit dem das Unternehmen erfolgreich am Markt agieren kann.

Faßbender: "Schließlich haben auch das in diesem Bereich vorhandene Fertigungs-Know-how sowie die Flexibilität von Technik und Teams dazu geführt, dass Pierburg international führend ist." Apropos Internationalität: Zwischen dem Standort Neuss, an dem rund 190 Mitarbeiter mit der Herstellung der Magnetventile-Palette beschäftigt sind, und der tschechischen Firma Metal Usti nad Labem gibt es seit Mai intensive geschäftliche Verbindungen. Dort, wo die Tochtergesellschaft der Kolbenschmidt GmbH Motorkolben für Personen- und Nutzkraftfahrzeuge sowie Zwei-Takt-Motoren und Kompressoren produziert, werden spezielle Magnetventilmodule in Handarbeit montiert.

Für Hubert Faßbender, der dem Neusser Automobilzulieferer seit mehr als 40 Jahren angehört, beschreibt den strategische Vorteil so: "Natürlich wird - auf den ersten Blick - zunächst einmal Arbeit mit einem relativ hohen manuellen Fertigungsanteil von Deutschland in ein Land verlegt, dessen Lohnkostenniveau deutlich unter dem deutschen liegt. Mittel- und langfristig sichert genau dies aber die Wettbewerbsfähigkeit der Firmengruppe in diesem Marktsegment: Pierburg bleibt im nach wie vor hart umkämpften Markt wettbewerbsfähig, also im Geschäft, und sichert so auch die Arbeitsplätze in unserem Land."